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Pro bono und Gurkenscheiben

Teil 2: Drei Wochen verbringt Christoph beim Short-Term-Programm von Hengeler Mueller in London. In seiner letzten Woche lernt er das Prinzip der 'Pro bono'-Arbeit kennen und schnuppert Theaterluft. Zum Abschied lässt er Blumen sprechen.

Montag, 19. Mai
 Der Oxford-Besuch vergangenen Freitag hat mir außerordentlich gut gefallen. Eine wunderschöne Stadt, die mir mit ihrem beschaulichen Rhythmus doch eher entgegenkommt als das hektische London. In einem der gewaltigen Oxforder Buchläden habe ich zudem ein Buch gefunden, nach dem ich schon längere Zeit gesucht habe: "Taking Rights Seriously" von Ronald Dworkin. Alles in allem also ein lohnender Besuch.
 
 Nach einem anstrengenden Wochenende, an dem ich die wesentlichen Londoner Sehenswürdigkeiten abgeklappert und ein Theaterstück mit Ralph Fiennes ("Der englische Patient") gesehen habe, nun also die letzte Woche bei Slaughter and May. Ein Referendarskollege hat seine Vorpunkte für das zweite Staatsexamen bekommen; das Ergebnis feiern wir abends in einem Pub. Danach geht's in "Spamalot", ein Musical, das lose auf dem Monthy-Python-Film "Monthy Python and the Holy Grail" ("Ritter der Kokosnuss") basiert.
 

Dienstag, 20. Mai
 Das Musical, bei dem es sich eher um eine Musical-Parodie handelte, war großartig. Heute gibt es neben der Büroarbeit ein Gespräch mit einer Slaughter-Anwältin. Gegenstand soll eigentlich ihre Auslandserfahrung sein, das Gespräch fokussiert sich aber bald auf die "Pro bono"-Arbeit englischer Wirtschaftskanzleien - die kostenlose Beratung und Vertretung mittelloser Mandanten. In den angelsächsischen Ländern existiert eine regelrechte "Pro bono"-Kultur; für englische Wirtschaftskanzleien ist es beispielsweise nahezu ausgeschlossen, Aufträge der öffentlichen Hand ohne "pro bono-work" zu erhalten. Auch sonstige Mandanten erwarten Engagement in diesem Bereich.
 
 Dem deutschen Rechtskreis dürfte ein solches Konzept eher fremd sein - die staatlich finanzierte Beratungshilfe wird hier eher von kleineren Sozietäten oder Einzelanwälten geleistet. Über Sinn und Unsinn von "Pro bono" lässt sich sicherlich streiten: So wird ein auf Wirtschaftsrecht spezialisierter Anwalt fundierten Rechtsrat in miet- oder sozialrechtlichen Fragen ohne langwierige Einarbeitung kaum geben können.
 

Mittwoch, 21. Mai
 Gesprächsthema Nummer eins heute im Büro: Das anstehende Fußballspiel zwischen Chelsea London und Manchester United. Das Büro scheint gespalten, "mein" Associate lässt aber eine kleine Manchester-Tendenz erkennen. Kein Wunder: Seinem Vater, der als Abgeordneter im englischen Parlament sitzt, gehörte einmal ein Teil dieses Clubs. Nach der Arbeit können wir uns der allgemeinen Fußball-Hysterie nicht verschließen. In einem gemütlichen Pub verfolgen wir das Spiel. Von den anschließenden Krawallen enttäuschter Chelsea-Fans bekomme ich zum Glück nichts mit; mein Bed & Breakfast erreiche ich unversehrt.
 

Donnerstag, 22. Mai
 offiziell verabschiedet. Die Koordinatorin des Programms fragt uns in einer kleinen "Round-up session" nach unseren Eindrücken und Erfahrungen. Wir bedanken uns für die Betreuung mit einem Blumenstrauß. Heute Abend verabschiedet sich auch Hengeler Mueller London von uns. In einem in Notting Hill gelegenen Restaurant, dem "Notting Grill", genießen wir mit einem Teil der Londoner Hengeler-Mannschaft feinste englische Küche. Dabei fließen nicht unerhebliche Mengen "Pimps", einem obskuren, aber leckeren Fruchtcocktail, in dem sich irritierenderweise auch Gurkenscheiben befinden.
 
 Mit einer der letzten U-Bahnen - der Betrieb wird hier überraschend früh eingestellt - erreiche ich mein Bed & Breakfast. Morgen fliege ich zurück nach Deutschland.
 

Freitag, 23. Mai
 Das war es also: der letzte Tag im Büro. Für meinen Associate muss ich noch eine kleine Sache bearbeiten, dann treffen wir Referendare uns zur Verabschiedung. Hoffentlich bleiben wir in Kontakt. Das Büro werde ich heute früher verlassen, um noch einige überfällige London-Impressionen mitzunehmen: Unter anderem wartet das Tate Modern auf mich. Mein Flug geht heute Abend von London Stansted.
 
 Obwohl ich derzeit noch in London bin, kann ich bereits jetzt resümieren: Das Referendar-Programm bei Slaughter and May war eine unvergessliche Erfahrung und eine echte Bereicherung der Anwaltsstation. Ich hatte nicht nur die Gelegenheit, in einer der aufregendsten Städte der Welt zu leben, ich durfte auch einen kleinen Einblick in die Arbeit eines "City Lawyers" gewinnen. Und da man sich in den Weiten der englischen Rechtsordnung zuweilen doch etwas verloren verkommt, freue ich mich auf die (hoffentlich) vertrauten juristischen Gefilde, die während der folgenden fünf Monate bei Hengeler Mueller Düsseldorf auf mich warten.

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