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Sachenrecht und Prachtperücken in London

London Underground Station (Quelle: sxc.hu)

London Underground Station (Quelle: sxc.hu)

Teil 1: Drei Wochen verbringt Christoph beim Short-Term-Programm von Hengeler Mueller in London. Dabei lernt er nicht nur so einiges über die britische Rechtskultur, sondern erfährt auch, warum manche englischen Richter zu Schwerhörigkeit neigen.


Der erste Eindruck: Die Eingangshalle verströmt nüchterne Eleganz. Grauer Beton und gebürstetes Metall. Eine freistehende Treppe schwingt sich über eine spiegelnde Wasserfläche. Sechs gläserne Fahrstühle sausen durch das Atrium. Das Büro der Londoner Kanzlei Slaughter and May ist zweifellos imposant. Ich und meine sechs Mitstreiter - allesamt Referendare, die ihre Anwaltsstation bei Hengeler Mueller absolvieren - sollen hier für die nächsten drei Wochen Einblicke in die Arbeit eines englischen Wirtschaftsjuristen erhalten.

Wie es dazu kam? Hengeler Mueller und Slaughter and May sind "best friends". Hengeler Mueller kooperiert in integrierten Teams mit führenden europäischen Anwaltssozietäten. In Großbritannien ist dies Slaughter and May. Zweimal im Jahr schickt Hengeler Mueller bis zu acht seiner Referendare nach London. Geboten wird ihnen englische Rechtskultur und Großstadtleben.

Mittlerweile sind eineinhalb Wochen vergangen. Grund genug für einen ungeordneten Rückblick über die erste Woche von

Dienstag, 6. Mai, bis Freitag, 9. Mai:
Unsere ersten Tage waren prall gefüllt. Jeder von uns wurde einem Associate zugewiesen, mit dem er das Büro teilt. Ihm können wir bei der täglichen Arbeit über die Schulter schauen und - soweit dies angesichts der Kürze der Zeit und unseren Kenntnissen möglich ist - zuarbeiten. Unterbrochen wurde der Arbeitsalltag in der ersten Woche von zahlreichen Vortragsveranstaltungen, die überwiegend eigens für das "Referendare Program" konzipiert worden sind. Hier wurden uns die absoluten Grundzüge der englischen Rechtsordnung vermittelt.

Nicht vergessen werden darf die exzellente Kantine der Kanzlei: Das Essen hier ist für Londoner Verhältnisse geradezu spottbillig und hat echte Restaurantqualität. Im Übrigen kam auch die Freizeit nicht zu kurz, zumal in London derzeit geradezu mediterrane Temperaturen herrschen.

Montag, 12. Mai
Los ging diese Woche mit einem "Legal Writing"-Workshop. Die gewonnene Erkenntnis: Nicht nur die Deutschen kämpfen gegen das Juristendeutsch, auch die Engländer versuchen, ihrem Legal English ein Mindestmaß an Lebendigkeit und Verständlichkeit einzuhauchen; das Resultat wird dann "Plain English" genannt. Am Nachmittag gab es einen Vortrag über das "best friends" Konzept von Slaughter and May.

Dienstag, 13. Mai
Dieser Tag stand ganz im Zeichen von Hengeler Mueller, die ebenfalls eine Kanzlei in London unterhalten, der wir einen Besuch abstatteten. Danach ging es auf eine Stadtführung durch die City of London, eine der vielen (historischen) Städte, aus denen Greater London besteht. Auch wenn die Metropole nunmehr zusammengewachsen ist, haben sich doch einige Sitten erhalten. So benötigt die Queen eine offizielle Erlaubnis, wenn sie die City of London betreten will. Den Abend ließen wir in einem schönen Restaurant ausklingen.

Mittwoch, 14. Mai
Am Mittwoch durften wir in das Allerheiligste der englischen Justiz hineinschnuppern: Die Royal Courts of Justice, die Barristers' Chambers und die Inns of Court. Will man diese Institutionen etwas keck mit deutschen Einrichtungen vergleichen, so bewegen sich die Royal Courts in ihrer juristischen Bedeutung etwa zwischen den Oberlandesgerichten und dem Bundesgerichtshof, bei den Barristers' Chambers handelt es sich um Bürogemeinschaften von Anwälten, und die Inns of Court sind in etwa mit einer deutschen Rechtsanwaltskammer vergleichbar. Das mag trocken klingen, ist es aber nicht. Denn jede dieser Institutionen existiert seit Jahrhunderten und kann so auf eine stolze und anekdotenreiche Geschichte zurückblicken.

Dazu zählen, wie es sich gehört, auch verschrobene Bräuche. So treten die Anwälte bei den Verhandlungen in voller Amtstracht mit Robe und Perücke (wig) auf und sprechen sich gegenseitig mit "My learned friend" an. Die großen Prachtperücken werden allerdings nur zu besonderen Anlässen getragen - etwa wenn der oberste Gerichtshof (House of Lords) in voller Besetzung entscheidet. Die Koteletten, welche die Ohren verdecken, müssen dann zuweilen angehoben werden, um der Verhandlung noch folgen zu können.

Nachdem wir in den Royal Courts einer strafrechtlichen Revisionsverhandlung beiwohnen durften, wurden wir zum Mittagessen in einer der Inns eingeladen. Die Szenerie erinnerte frappierend an Harry Potters Hogwarts: drei lange Bankette und gewaltige Kronleuchter an hohen Decken.

Donnerstag, 15. Mai
Am Donnerstag hatten wir einen Kurs über das englische Sachenrecht, welches sich zwar einerseits fundamental von der deutschen Rechtsordnung unterscheidet, andererseits aber häufig zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis gelangt. Dies dürfte sich im Übrigen für die gesamte Rechtsordnung verallgemeinern lassen. Am Abend werde ich mir eine der Musical- oder Theaterproduktionen im Leicester Square anschauen. Zur Wahl stehen Yasmina Rezas "God of Carnage" (Gott des Gemetzels) oder Monthy Pythons "Spamalot".

Freitag, 16. Mai
Aus dem Theater ist nichts geworden, es wurde auf Montag verschoben. Stattdessen haben wir gestern Abend dem einen oder anderen Pub einen Besuch abgestattet. Heute geht's mit dem Bus zur juristischen Fakultät von Oxford. Mal sehen, wie die englische Elite lernt...

 

 

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