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Tagebuch - "Werte neu entdecken"

Verena Stopp bei McKinsey, Teil 3

Montag, 11. Juni 2007
 Ich starte in die Woche mit der Erwartung, dass die nächsten Tage ein wenig entspannter verlaufen als die vorherigen. Zumindest steht keine Vorstandspräsentation oder Ähnliches an. In unserem gewohnten morgendlichen Teammeeting gibt es heute ein kurzes Feedback vom Vorstandstermin der letzte Woche. Deswegen hatten wir zeitweise viel Stress. Die Präsentation lief sehr gut und der Vorstand war wohl sehr zufrieden mit dem Fortschritt bei den Kennzahlen.
 Später haben Sibylle und ich einen Termin mit Steve, um die Unterlagen durchzugehen, die wir am Freitag für ihn zusammengestellt haben. Unser Vorschlag für den Zeitplan ist ihm nicht straff genug und er möchte nicht noch eine E-Mail an die Verantwortlichen senden. Na toll, am Freitag klang das alles noch etwas anders. Aber gut, wenigstens fand er die Excel-Vorlage für das Reporting sehr gut. Den Rest des Nachmittags verbringe ich also damit, den Zeitplan zu ändern. Das klingt im ersten Moment nach einer schnell erledigten Aufgabe. Aber letztlich ist das alles sehr komplex, da die Deadlines und Reporting-Zeiten von vielen verschiedenen Faktoren abhängen wie Finanzabschlüssen und anderen Berichten, die bereits vorhanden sein müssen bevor die Kennzahlen ermittelt werden können.
 

Dienstag, 12. Juni 2007
 Der eigentliche Arbeitstag beim Klienten ist heute sehr kurz. Ich vervollständige die Präsentation, die wir nach unserem Gespräch mit Steve gestern fast komplett umkrempeln mussten, und feile noch einmal an dem Excel-Template. Ab 16 Uhr haben wir ein so genanntes CST-Event. Das CST (Client Service Team) umfasst alle McKinsey Berater (Partner eingeschlossen), die zu dem Zeitpunkt für einen bestimmten Klienten tätig sind. Das geht bei der aktuellen Studie weit über das Team hinaus, mit dem ich täglich eng zusammenarbeite. Da es aber gerade wichtig ist, auch zu erfahren, was in anderen Bereichen beim Klienten passiert, gibt es etwa alle zwei Monate ein solches Event. Dazu treffen wir uns im nächstgelegenen Office. Es folgt ein reger Austausch mit Kurzpräsentationen darüber, woran jedes Team gerade arbeitet und was die jeweiligen "hot topics" sind. Dann kommen Diskussionen über grundsätzliche Entwicklungen in der Industrie. Ich finde diesen Austausch sehr wichtig, da wir so alle unser Wissen über den Klienten und die aktuellen Ereignisse vor Ort noch einmal verbessern können. Insbesondere als ich neu auf die Studie kam, haben mir diese Meetings sehr geholfen, Zusammenhänge besser zu verstehen. Nach ein paar Stunden konstruktiver Arbeit lassen wir den Abend mit einem gemeinsamen Essen und einem Gläschen Wein ausklingen.
 

Mittwoch, 13. Juni 2007
 Als erstes steht heute ein Termin mit Steve auf der Agenda. Sibylle und ich sollen ihm unseren neuen Vorschlag für den Zeitplan vorstellen. Zusammen diskutieren wir die Folien und insbesondere auch, was das für uns konkret bedeutet, also wann wir unseren Gesamtreport der Organisation zur Verfügung stellen müssen. Auch hier setzt Steve uns eine ambitionierte Frist von 1,5 Tagen. Aber wenn sich alle unsere "Zulieferer" an ihre Deadlines halten, werden auch wir den Report rechtzeitig fertig stellen können. Mal sehen, wie das in der Praxis funktionieren wird.
 Anschließend findet der Jour Fixe statt. Drei Stunden lang berichten die verschiedenen Abteilungen über den Status der Integration und wir diskutieren aktuelle Issues. Wie immer ist das ein sehr wichtiges und informatives, aber leider auch sehr langes Meeting, so dass man mit seiner eigentlichen täglichen Arbeit nicht vorankommt. Nach dem Jour Fixe mache ich mich an die Datenbank, in der wir unsere KPI-Daten speichern. Das ist momentan noch eine größere Excel-Datei, aber auch die muss aktualisiert werden. In den letzten Tagen und Wochen wurden viele andere Themen priorisiert, so dass die Datenbank dem aktuellen Stand noch um einiges hinterherhinkt.
 

Donnerstag, 14. Juni 2007
 Bis heute Abend wollen wir die Vorlagen an die KPI-Verantwortlichen versenden und ihnen den neuen Reporting-Zyklus kommunizieren. Dazu muss ich zum einen eine E-Mail für Sibylle vorbereiten und zum anderen die Unterlagen individuell vorbereiten. Denn diese Templates sollen nicht nur dazu dienen, dass die Verantwortlichen von nun an damit berichten, sondern gleichzeitig ihnen auch eine Übersicht darüber geben, welche Zahlen wir von ihnen in den letzten Wochen bereits erhalten haben. Sie sollen diese Zahlen ergänzen, verifizieren und gegebenenfalls auch korrigieren, so dass wir nun möglichst bald eine vollständige Datenbasis als Grundlage für unsere Datenbank haben.
 Die Vorbereitung dieser Templates erfolgt ausschließlich von Hand und per Copy-Paste – eine ziemlich monotone Aufgabe und dennoch muss man sich sehr konzentrieren, dass man bei so vielen Zahlen nicht einmal in einer Zeile verrutscht. Meine Arbeit wird im Laufe des Nachmittags noch durch diverse Teammeetings zum aktuellen Status und den nächsten Schritten unterbrochen, aber schließlich können Sibylle und ich abends noch rechtzeitig die E-Mails and unsere KPI-Ansprechpartner verschicken. Sehr gut, denn das war ein wichtiger Meilenstein für unseren Reporting-Prozess. Mit dem Flieger um 19.45 Uhr geht es dann zurück nach München.
 

Freitag, 15. Juni 2007
 Heute findet in allen McKinsey-Büros weltweit der so genannte Values Day statt. Einmal im Jahr treffen sich alle McKinsey-Mitarbeiter in ihren jeweiligen Büros. Der Tag heute steht unter dem Motto "Werte neu entdecken" und dient dazu, dass wir uns die Werte, für die McKinsey steht, einmal ganz explizit vor Augen führen und darüber diskutieren, was sie für unsere tägliche Arbeit und für jeden Einzelnen für uns bedeuten.
 Das Münchner McKinsey-Office trifft sich im erst letztes Jahr eröffneten Jüdischen Gemeindezentrum. Nach der Auftaktrede von Frank Mattern, unserem deutschen Office-Manager, folgt ein Vortrag über wertorientierte Führung von Dr. Klaus Reinhardt, Generals a.D., der unter anderem die internationalen Friedenstruppen im Kosovo führte. Ein sehr spannender Beitrag und eine gute Überleitung in die weiteren Programmpunkte. Im Anschluss diskutieren wir in Kleingruppen mit verschiedenen Persönlichkeiten aus der Region weiter über das Thema Werte, wie man sie vermittelt, wie man sie lebt und wie man berufliche mit privaten Werten vereinbaren kann. Auch wenn sie auf den ersten Blick manchmal nicht ganz vereinbar scheinen. Nach dem offiziellen Teil schließe ich mich einer Führung durch die neu erbaute Synagoge an und lasse den Tag mit lockeren Gesprächen mit Kollegen ausklingen.

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