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Station in der Mediation

e-fellow Elisabeth bei Freshfields Bruckhaus Deringer

Seit April 2005 bin ich Referendarin in Hamburg und verbringe nun drei Monate meiner Anwaltsstation im Frankfurter Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer in der Practice Group Dispute Resolution. Ich wohne bei meinem Freund in Würzburg und pendle vier Tage die Woche nach Frankfurt und zurück.
 

Montag, 2. Januar 2006
 Um neun Uhr melde ich mich bei Freshfields Bruckhaus Deringer in der "Frankfurter Welle", einem schicken Bürogebäude hinter dem Opernplatz. Am Empfang werde ich von einer Anwältin meiner Practice Group abgeholt, die mir schon nach wenigen Worten ganz unkompliziert das Du anbietet: "Wir duzen uns hier mit den Referendaren, ich bin Martina". Nach einem kurzen gemeinsamen Kaffee mit Martina erhalte ich meinen Schulungsplan mit Computer- und Bibliothekseinführung, der allerdings aufgrund der vielen Newcomer bei FBD im Januar für mich erst am Mittwoch beginnt. Das Büro ist heute verhältnismäßig ruhig, da viele Mitarbeiter noch im Urlaub sind, und gleichwohl zeigt sich an allen Ecken stille Geschäftigkeit. Bei einer kurzen Vorstellungsrunde am Vormittag schaue ich in allseits aufgeschlossene und freundliche Gesichter. Heute beschäftige ich mich hauptsächlich damit, mir einen Überblick über den komplizierten gegnerischen Schriftsatz im Rahmen eines Schiedsverfahrens zu verschaffen und eine dazugehörige Powerpoint-Übersicht zu erstellen. Meinen Auftrag habe ich von Patrick, der mit bei der Präsentation der Ergebnisse gleich weiter in die Vorbereitung unseres Schriftsatzes einbezieht. Die Zeit bis zum Abend vergeht wie im Fluge.
 

Dienstag, 3. Januar 2006
 Morgens mache ich es mir mit einem Kaffee aus der gegenüberliegenden Teeküche im schönen Referendarsbüro gemütlich und vertiefe mich in weiterführende Fragen des Schiedsverfahrens von Patrick. Er überlegt noch, wie wir die Arbeit aufteilen. Ein tolles Gefühl, hier so auf Augenhöhe mitarbeiten zu dürfen. Ein Anwalt, der schon seit 20 Jahren dabei ist, hat Fragen zum Handelsvertreterrecht. Sie führten zu einigen engagierten Diskussionen zwischen uns. Ich soll gleich eine Klageschrift verfassen. Schließlich liegt noch ein gegnerischer Schriftsatz in einem Landgerichtsverfahren bei mir auf dem Tisch - wir vertreten ein amerikanisches Finanzdienstleistungsunternehmen - zu dem ich eine Rechtsfrage für Martina klären soll. Der Arbeitstag, der für mich durch die Pendelei aus Würzburg ohnehin schon verhältnismäßig kurz ist, könnte noch ein paar Stunden mehr haben! Um nicht den Überblick zu verlieren, sortiere ich mir die Unterlagen nach Dringlichkeit. Vormittags habe ich die Angriffspunkte im Schiedsverfahren für Patrick zusammen und widme mich weiter den Fragen des Handelsvertreterrechts. Mir fällt schon jetzt auf, dass die Practice Group Dispute Resolution/Ligitation einer Großkanzlei eine durchaus gute Wahl als Anwaltsstation ist. Die Auseinandersetzung mit den Schriftsätzen und ihr Verfassen ist sicherlich ein sinnvolles Training für die Anwaltsklausuren genauso wie die Einblicke in eine parteibezogene Herangehensweise in einem Verfahren.
 

Mittwoch, 4. Januar 2006
 Heute ist Schulungstag von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Dabei werden die Neulinge in die Tücken der Dokumentenverwaltung einer Großkanzlei und natürlich auch in das Zeiterfassungssystem eingewiesen. In der Mittagspause suche ich weiter nach einschlägigen Handelsvertreterrechtsentscheidungen. Nach der Schulung bespreche ich mit Patrick das Vorgehen in dem Schiedsverfahren. Er hat auf Grundlage meiner Unterlagen einen groben Entwurf einer Schiedsklage auf Englisch entworfen, die ich nun schreiben soll. Die Besprechung macht viel Spaß, Patrick ist interessiert und gibt Tipps fürs Examen (so lange ist es bei ihm wohl auch noch nicht her) und für die anwaltliche Betrachtung von Mandantenanliegen. Es fällt angenehm auf, dass sich alle in der Abteilung immer viel Zeit für die Besprechungen nehmen, was die anschließende Bearbeitung der Aufgaben deutlich erleichtert. Mein Entwurf der Schiedsklage soll Montag fertig sein. Vielleicht wäre es doch sinnvoll gewesen, zusätzliches Geld in eine Unterkunft in Frankfurt zu stecken? Na ja, für solche Fragen ist jetzt ohnehin keine Zeit.
 

Donnerstag, 5. Januar 2006
 Heute morgen beginnt der Tag mit einem gemeinsamen Frühstück der Practice Group, bei dem aktuelle Anliegen ungezwungen in der Gruppe diskutiert werden. Danach habe ich Zeit, an der Schiedsklage für Patrick herumzubasteln. Die Frage, ob ich zum Mittagessen mitkomme, muss ich leider verneinen, weil es zu knapp wird mit einer weiteren Schulung um 14 Uhr. Heute und morgen arbeitet Daniela, eine Referendarskollegin, bei mir im Büro. Es ist schön, Gesellschaft zu haben. Daniela ist jedoch nur für ein paar Tage aus einem anderen Bereich ausgeliehen, so dass ich demnächst wohl erst mal wieder allein sein werde. Nach der Schulung vertiefe ich mich für den Rest des Nachmittags und Abends wieder in die Schiedsklage, damit ich Patrick am Montag einen brauchbaren Entwurf präsentieren kann. Und so geht meine erste Woche bei Freshfields Bruckhaus Deringer so zu Ende, wie sie begonnen hat: mit einer interessanten Aufgabe, die Lust auf mehr macht. Mal sehen, was nächste Woche passiert.

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