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Diplomatie in "windy Wellington"

Haast Beach/Australien

Haast Beach/Australien

Unglaublich, aber wahr: ursprünglich gehörte ich nicht zu denen, die unbedingt einmal nach Neuseeland wollten. Ausschlaggebend für meine Wahl war vielmehr, dass ich an eine kleinere Botschaft in einem möglichst englischsprachigen Land gehen wollte. Diese Kriterien trafen auf die Botschaft in Wellington zu. Zu einer kleineren Botschaft wollte ich deshalb, um Einblick in möglichst viele Bereiche erhalten zu können. Von Neuseeland selbst wollte ich mich einfach überraschen lassen. Sehr gespannt war ich auf die Kultur der Maori. Meine neutrale, aber offene Haltung hat sich tatsächlich bewährt. Neuseeland habe ich als ein vielfältiges und faszinierendes Land erfahren. Ich habe auch viele getroffen, die ein bisschen enttäuscht waren. Sie hatten sich das Land wie in der "Herr der Ringe" vorgestellt.
 

Jura ist nicht alles
 Die ersten vier Wochen erlebte ich eine Botschaft ohne Botschafter. Im Juli hatte ein Botschafterwechsel stattgefunden. Der neue Botschafter traf erst zwei Wochen vor meiner Abreise in Wellington ein. Eigentlich hatte ich mich auf eine Tätigkeit in der Rechts- und Konsularabteilung eingestellt. Allerdings war auch eine Rechtsreferendarin dort tätig und es fiel gerade relativ wenig Arbeit an. Daher wurde ich zu meinem Glück viel in anderen Abteilungen eingesetzt. In der Rechts- und Konsularabteilung habe ich mich unter anderem mit der Prüfung der deutschen Staatsangehörigkeit von Passantragstellern aus Tonga auseinandergesetzt. Hierfür musste ich auch ein preußisches Gesetz aus dem 19. Jahrhundert anwenden. Außerdem verfasste ich Berichte und war mit der Beantwortung von Bürgeranfragen zu deutschem und neuseeländischem Recht beschäftigt.
 

Ein Mordfall
 In den letzten beiden Wochen überschattete der Mord an einer deutschen Touristin unsere Arbeit. Wir waren für die Kommunikation zwischen den neuseeländischen Behörden, den deutschen Behörden und den Eltern der Verstorbenen zuständig. Überwältigend war die Reaktion der neuseeländischen Bevölkerung. Uns erreichten viele Kondolenzschreiben. Morde sind in Neuseeland vergleichsweise selten. Außerdem genießt Neuseeland den Ruf eines überdurchschnittlich sicheren Landes. Dieser Ruf ist teilweise unberechtigt; die Botschaft muss zum Beispiel oft bestohlenen deutschen Touristen neue Pässe ausstellen.
 

Zur "Inselfrau" ernannt
 Hauptsächlich habe ich mich mit Wirtschaft und Politik beschäftigt. Eine Besonderheit der Botschaft in Wellington ist ihre Zuständigkeit für die pazifischen Inselstaaten (Fidschi, Samoa, Tonga, Tuvalu, Kiribati, Niue, Tokelau, Cook-Inseln). Der stellvertretende Botschafter hatte mich zur "Inselfrau" ernannt: Ich erhielt also viele Aufgaben mit Bezug zu diesen Inselstaaten. Dazu gehörten die Aktualisierung der Länderinformationen zu Fidschi, Tonga und Tuvalu und das Verfassen von Berichten zu aktuellen Themen. So konnte ich viel über diese mir bis dahin fast unbekannten Staaten lernen. Mir ist bewusst geworden, dass sich dort täglich viel abspielt, was in den europäischen Medien nicht thematisiert wird. So drohte ein im Juli in Tonga ausgebrochener Streik zu eskalieren und zum Sturz des Monarchen zu führen. Aktuelle Informationen darüber fanden sich nur in der Presse der Pazifikstaaten.
 

Hilfreiche Antworten geben
 Ein größeres Projekt – diesmal aus der Politischen Öffentlichkeitsarbeit - war die Vorbereitung des Besuchs von neuseeländischen Oberstufenschülerinnen an der Botschaft.
 Bei der Vorbereitung des Schülerbesuchs und beim Beantworten von Bürgeranfragen ist mir besonders aufgefallen, dass die Botschaft viel Wert darauf legt, jede Bürgeranfrage schnell und hilfreich zu beantworten. Auch auf in meinen Augen ungewöhnliche Anfragen wurde reagiert. Diese Einstellung zahlte sich auch aus: Eines Morgens überraschte uns zum Beispiel ein 90-jähriger Auswanderer aus Dank mit einem riesigen selbstgebackenen Vollkornbrot.
 

Verwaltung muss nicht bürokratisch sein
 Von Anfang an hat mir die angenehme Arbeitsatmosphäre an der Botschaft gefallen. Die Kommunikation verlief viel weniger bürokratisch, als ich es mir vorgestellt hatte. Jederzeit konnte ich meine Vorgesetzten und Kollegen persönlich für Fragen aufsuchen und der Umgangston zwischen uns war mehr als bloß höflich. Obwohl ich kein Frühaufsteher bin, habe ich mich relativ schnell an den Arbeitsbeginn um halb acht gewöhnt. Gewöhnungsbedürftiger war der zwingende Dienstschluss um 16.15 Uhr. Von Praktika in Anwaltskanzleien war ich gewohnt, bis abends zu arbeiten. Da ich gerne bis abends arbeite, hat mich der frühe Dienstschluss teilweise in einer produktiven Phase erwischt. Beschweren will ich mich darüber allerdings nicht. Denn so konnte ich vor Einbruch der Dunkelheit und vor Ladenschluss noch etwas von Wellington mitbekommen.
 

Ein vielseitiges Praktikum
 Die sechs Wochen an der Botschaft vergingen viel zu schnell. Insgesamt hatte ich fast ausschließlich interessante und sehr vielfältige Aufgaben. Die Bürotüren standen mir nicht nur symbolisch offen und ich hatte das Gefühl, sinnvolle Arbeit zu leisten, viel zu lernen und ein Mitglied im Team zu sein, dessen Arbeit geschätzt wurde. Das Praktikum kann ich daher sehr empfehlen. Besonders denjenigen, die ein vielseitiges Praktikum suchen, bei dem sie auch über den juristischen Tellerrand blicken können.
 

Living among Kiwis
 Gewohnt habe ich in einem Studentenwohnheim in der Nähe der Botschaft. So habe ich auch außerhalb der Botschaft schnell Anschluss gefunden. Für Unterkunft und Lebenshaltung muss man in Wellington etwas mehr Geld einplanen als in Deutschland. Das Reisen innerhalb Neuseelands ist hingegen deutlich günstiger. Darüber hinaus bieten Wellington und Umgebung eine Vielzahl von Outdoor-Aktivitäten. Ich habe mich sehr über die extrem günstigen Preise fürs Golfen gefreut. Auch für diejenigen, denen Golf bisher zu teuer war, ist Neuseeland daher ideal. Windsurfer kommen auch auf ihre Kosten, schließlich wird Neuseelands Hauptstadt auch "Windy Wellington" genannt.
 Nach oder vor dem Praktikum würde ich auf jeden Fall ein paar Wochen zum Bereisen der beiden Inseln einplanen. Insbesondere die Südinsel ist atemberaubend und einen längeren Aufenthalt wert. Wer noch ein bisschen mehr Zeit hat, sollte unbedingt einen Abstecher auf eine der Südseeinseln einplanen.

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