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Schubladendenken? Fehlanzeige!

Schublade, Hengeler Mueller, Tagebuch, Quelle: sxc.hu, Autor: justmarce

Schublade, Hengeler Mueller, Tagebuch, Quelle: sxc.hu, Autor: justmarce

Teil 1: 'Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht'? Von wegen! Obwohl Sarah bei Hengeler Mueller mit immer neuen Rechtsgebieten konfrontiert wird, macht ihr die Arbeit viel Spaß. Da bräuchte es die Lakritze gar nicht mehr, mit der ihr Tutor sie versorgt.

Montag, 28. September

 Morgens treffe ich mich mit meinem Tutor (jeder Referendar oder wissenschaftliche Mitarbeiter bekommt einen Anwalt als Tutor zugewiesen) und einem weiteren Anwalt direkt am Düsseldorfer Hauptbahnhof, von wo aus es nach Bonn zum Bundeskartellamt geht.
 
 Dort haben wir einen Termin zur Akteneinsicht, bei dem es um ein Bußgeldverfahren gegen ein Unternehmen sowie persönlich Betroffene geht. An diesem Verfahren habe ich gleich zu Beginn bei Hengeler Mueller mitgearbeitet, sodass ich ununterbrochen mitverfolgen kann, wie es "wächst und gedeiht". Aus diesem Grund ist gerade die Einbindung in solche Mandate zwar arbeitsintensiv, macht aber immer wieder sehr viel Spaß.
 
 Nach unserer Rückkehr aus Bonn und einem gemeinsamen Snack am Bahnhof gilt es, das Gehirn möglichst schnell umzuschalten: Energierecht steht auf dem Tagesplan. Es geht um das EEG 2009 und die (möglichen) Auswirkungen der Änderungen auf die Vertragsgestaltung. Dazu ist erst einmal eine umfangreiche Recherche erforderlich, die den Rest des Tages in Anspruch nimmt.
 
 Energierecht ist ein Rechtsgebiet, das mir vor der Arbeit bei Hengeler Mueller völlig fremd war. Und das ist es bis heute zum Teil immer noch, weil es derart komplex ist, dass ich die Arbeitsaufträge meines Tutors zunächst nur mit großem Unbehagen annahm. Zahlreiche Bestechungsversuche durch meinen Tutor später -mit Keksen und Lakritz - habe ich mich in diesem Gebiet mittlerweile "eingelebt", fühle mich pudelwohl und möchte diese Arbeitsaufträge nicht mehr missen.
 
 Und gerade hieran zeigt sich: Die alte Bauernweisheit "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" lässt sich nicht auf die Arbeit bei Hengeler Mueller übertragen: Ständig wird das Interesse an neuen Rechtsgebieten geweckt, was die Arbeit unglaublich interessant und herausfordernd macht, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Schubladendenken und Engstirnigkeit: Fehl am Platz!
 

Dienstag, 29. September

 Weiter geht es mit Energierecht: Ein Stromversorgungsvertrag eines Energieversorgers muss an die aktuellen Gesetzesänderungen im Energierecht angepasst werden. Hier ist nicht nur analytisches Denken gefragt, sondern bedenkliche Klauseln müssen so aus- und umgestaltet werden, dass sie rechtlich zulässig sind.
 
 Hierzu muss ich mich erst einmal in die rechtlichen Anforderungen einlesen. Danach bereite ich für "meine" problematische Klausel einen Baustein mit Hinweisen auf etwaige Probleme und Lösungsvorschläge für ein Mandantenschreiben vor. Dabei diskutiere ich Fragen zur Auslegung bestimmter Teile der Vertragsklauseln direkt mit meinem Tutor.
 
 Nach einer Besprechung meiner kritischen Punkte und einer Belohnung in Form von Schokohäppchen wartet schon wieder das nächste Mandat: Auch hier handelt es sich wieder um eines, an dem ich bereits vor drei Monaten mitgearbeitet hatte und es heißt wieder: Öfter mal was Neues! Ich begebe mich in die Tiefen des Prozess- und Schuldrechts. Es geht um eine Schadensersatzklage vor dem Landgericht mit einem beträchtlichen Streitwert. Den Rest des Tages lese ich mich erst einmal in die Akte ein, um auf den aktuellen Verfahrensstand zu gelangen.
 

Mittwoch, 30. September

 Nachdem ich die Klageschrift und Klageerwiderung studiert habe, übersetze ich ein Gutachten vom Englischen ins Deutsche, welches wir in unserem Schriftsatz auf die Klageerwiderung (Replik) einbringen wollen. Anschließend kläre ich eine Rechtsfrage, zu der wir in der Replik Stellung beziehen werden.
 
 Die Recherche hierzu gestaltet sich – wie so oft – schwierig, da es speziell zu dieser Frage weder Literatur noch Rechtsprechung gibt. Also recherchiere ich weiter, inwieweit die Literatur und Rechtsprechung zu diesen anderen Konstellationen auf unseren Problemfall übertragbar ist. An dieser Stelle werde ich morgen früh wieder einsteigen, denn jetzt ist erst einmal nichtjuristische Abwechslung angesagt: Der Referendarstammtisch ruft!
 
 Jahreszeitgemäß lassen wir den Abend in gemütlicher Runde mit Zwiebelkuchen und Federweißer ausklingen. Satt, zufrieden und um einige Kanzleianekdoten reicher, mache ich mich auf den Heimweg und denke nur ungern an das alle zwei Wochen donnerstags erforderliche frühe Aufstehen, das jedem Kartellrechtler bei Hengeler Mueller "blüht".
 

Donnerstag, 1. Oktober

 Denn dann findet immer der kartellrechtliche Jour-Fixe statt. Dazu treffen sich die Düsseldorfer Kartellrechtler zu einer Videokonferenz mit den Kartellrechtsteams des Frankfurter und des Brüsseler Hengeler Mueller Büros. Beim Jour-Fixe werden Erfahrungen zur Europäischen Kommission und zum Bundeskartellamt ausgetauscht. Daneben wird über Rechtsfragen aus aktuellen Verfahren diskutiert. Auch heute sprechen wir wieder über eine Stunde lang lebhaft und tauschen Lösungsansätze aus.
 
 Danach setze ich meine gestern begonnene Recherche fort. Die Zwischenergebnisse und das weitere Vorgehen bespreche ich mit meinem Tutor und beginne, meine ersten Ergebnisse in einem Entwurf zusammenzufassen. Der kann dann als Baustein für die Replik dienen. Dabei tauchen immer wieder Unklarheiten bei der Auslegung eines Vergleichvertrages auf, die mein Tutor, mein Zimmerkollege und ich gemeinsam ausdiskutieren. Gerade solche Diskussionen sind besonders hilfreich und zeigen, dass man als Einzelkämpfer auf verlorenem Posten steht. Die gefundenen Ergebnisse werde ich morgen in meinen Baustein einbauen.
 

Freitag, 2. Oktober

 Der Tag heute beginnt, wie der Tag gestern zu Ende gegangen ist: Ich arbeite weiter an meinem Baustein. Je länger ich an dieser Sache arbeite, desto kniffeliger wird sie. In der Mittagspause plane ich mit meinem Zimmerkollegen den Montagabend, denn da spielt Arminia Bielefeld und wir wollen zusammen Fußball schauen.
 
 Den Rest des Tages tüftele ich weiter an meinen Ausführungen. Dabei schätze ich besonders, dass mir zum einen jede Menge Freiheiten bei meiner Arbeit zugestanden werden und ich sehr selbstständig arbeiten kann. Und zum anderen, dass mein Tutor und alle anderen Teammitglieder bei Fragen und Probleme immer ein offenes Ohr für mich haben und mir helfen.

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