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Wahlstation im Südpazifik

Fiji-Inseln

Fiji-Inseln

Die 1970 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassenen Fiji Islands befinden sich – einen 23-Stunden Flug von Deutschland entfernt – mitten im Südpazifik, zirka 3.200 Kilometer vor der Ostküste Australiens. Die 322 Inseln sind zu etwa zwei Dritteln unbewohnt. Nadi und die Hauptstadt Suva liegen auf Viti Levu, der mit gut 10.000 km² größten Insel. Amtssprache ist Englisch, allerdings herrschen im Alltag Fijian und Hindi vor, da etwa die Hälfte der Einwohner "indigenous Fijians", die andere Hälfte Nachfahren der Ende des 19. Jahrhunderts vor allem zur Zuckerrohrernte hierher gekommenen Inder sind (so genannte "indentured labourers" oder "girmitiyas"). Die beiden Bevölkerungsgruppen leben größtenteils friedlich miteinander, wenn auch immer wieder die Angst geschürt wird, den Indern – die mehrheitlich "white collar jobs" ausüben – würde zu viel Macht zukommen; dies hat zuletzt im Jahr 2000 zum Sturz des indischstämmigen Premierministers und jetzigen Oppositionsführers Mahendra Chaudhry geführt.

Trotz Tourismus ein armes Land

Verlässt man einmal die aus vielen Hochzeitsangeboten bekannten Resorts und Traumstrände, die sich mit einer Ausnahme alle auf den dem "mainland" vorgelagerten Inseln befinden, wird schnell klar, warum die Einwohner so empfänglich für derartige Befürchtungen sind: Fiji hat kein staatliches Sozialsystem, die Arbeitslosigkeit liegt bei zirka 20 Prozent und jeder Zehnte muss mit einem Jahreseinkommen von weniger als 1.500 Euro auskommen. Oft ernährt er davon eine mehrköpfige Familie. Trotz der drei boomenden Sektoren Tourismus, Textilindustrie und Zuckerpro-duktion ist Fiji noch immer ein Entwicklungsland, die Kluft zwischen arm und reich ist hier überall spürbar. Die Situation wurde durch die Flucht vieler gut ausgebildeter und geschulter Fachkräfte nach den beiden Coups 1987 und 2000 noch verschlimmert.

Ein Leben in "fijitime"

Trotz all dieser Schwierigkeiten sind die Menschen überaus freundlich, humorvoll und hilfsbereit. Man wird allerorts mit von einem strahlenden Lächeln begleiteten "Bula" begrüßt und kommt sofort mit den Leuten in Kontakt, die einen wissbegierig über Deutschland ausfragen und einem viel von der eigenen Lebensart vermitteln. Alles spielt sich hier in fijitime ab, die aus Europa bekannte hektische Art und Weise, Geschäfte zu machen, Termine strikt einzuhalten oder das Leben zu leben kann man getrost zu Hause lassen. Hier wird einen bis zwei Gänge zurückgeschaltet und das Erstaunliche daran ist: es geht auch.

Die wachsende kleine Schwester der Hauptstadt

Obwohl Suva mit 100.000 Einwohnern die Hauptstadt der Fiji-Inseln ist, ist Nadi trotz seiner nur 20.000 Einwohner im Begriff, der größeren Schwester den Rang abzulaufen – sowohl was die Anzahl der internationalen Flüge und den Devisenumsatz als auch die Geschäftigkeit angeht. Das liegt zum einen daran, dass der Osten der Insel, wo Suva liegt, sehr feucht ist und fast kaum ein Tag ins Land geht, an dem es nicht regnet. Zum anderen spielt hauptsächlich die Nähe Nadis zu all den touristischen Attraktionen, die Fiji zu bieten hat, eine Rolle. Nadi hat eine Hauptstraße, auf der sich das Leben abspielt, keine Ampel, dafür aber eine überproportional große Anzahl an Minibussen, die in atemberaubendem Tempo und unter Missachtung sämtlicher Verkehrszeichen Menschen von A nach B bringen. Mir wurde geraten, mich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine draußen aufzuhalten und auch wenn ich mich nie konkret unsicher gefühlt habe, war die Gefahr, überfallen zu werden, einfach da.

Arbeit und Bed and Breakfast in einem

Babu Singh and Associates ist eine kleine, in einer Seitenstraße gelegene Kanzlei mit sieben Angestellten, die vom Ehepaar Singh betrieben wird. Beide sind in Fiji geboren und aufgewachsen, haben jedoch in Australien und Neuseeland studiert und gearbeitet, bevor sie in den 80er Jahren wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Da sie nebenbei noch ein Bed and Breakfast im eigenen Haus, das gleich neben der Kanzlei liegt, betreiben, konnte ich dort zu einem günstigen Preis (400 Euro pro Monat inklusive Frühstück und gelegentlichem Abendessen) wohnen und hatte so Kanzlei, Supermarkt und Hauptstraße in Laufweite. Für die Zeit der Wahlstation, während der man ja sein Gehalt weiter bekommt, braucht man in Fiji kein (sehr schwer zu bekommendes) working visa, sondern kann – da man nicht als Ortskraft bezahlt wird – mit einem drei Monate gültigen und jederzeit verlängerbaren "tourist visa" einreisen.

Vom Mordprozess bis zur Made im Big Mac

Shalini, Babus Frau, hat zu der Zeit, als ich drüben war, in Sydney gearbeitet, so dass die Kanzlei praktisch ein Ein-Mann-Betrieb war. Obwohl Babu sich als Strafverteidiger einen Namen gemacht hat und im Übrigen auf Arbeitsrecht spezialisiert war, kam alles an Fällen rein, was man sich nur vorstellen kann. Ich hatte von einer arbeitsrechtlichen Mediation über eine Art Kündigungsschutzklage bis hin zu Straßenverkehrsdelikten, Grundbuch- und Mietsachen sowie einer Schadenersatzklage gegen McDonalds (wegen einer Made im Big Mac) das gesamte Spektrum zu bearbeiten. Der Höhepunkt war wohl der von den Medien, vor allem von der Fiji Times aufmerksam verfolgte Mordprozess am High Court von Lautoka. Babu konnte dabei als Verteidiger eines Nachtclubbesitzers einen Freispruch erringen.

Entscheidungsträger im Rotary Club

Mein Gefühl, dass nicht nur Babu Singh jeden kennt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wurde während eines Aufenthaltes auf einer einsamen Insel im Norden der Yasawa Gruppe bestätigt. Seine Popularität und Mitgliedschaft im lokalen Rotary Club kamen mir sehr zugute. Ich konnte neben der alltäglichen Arbeit eines Anwaltes auch noch diverse Richter, Staatsanwälte, Polizeipräsidenten und andere örtliche Entscheidungsträger in nicht förmlichen Rahmen kennen lernen.

Kreuzverhöre wie im Fernsehen

Die Arbeitszeiten in der Kanzlei waren recht flexibel. Wenn ich einmal eine Tour machen wollte, so war Babu der letzte, der sich dem in den Weg gestellt hätte. Nach dem gemeinsamen Frühstück begann der Arbeitstag meist gegen 8.00 Uhr. Doch ich saß nie lange am Stück nur im (eige-nen) Büro, weil Babu mich zu jedem seiner Gerichts- oder Mandantentermine, sei es in Nadi, Lautoka oder Sigatoka mitnahm. So konnte ich viele Einblicke in das auf dem englischen Case Law basierende Rechtssystem gewinnen. Auch wenn das auch im übrigen Commonwealth praktizierte "adversarial system" mit seinen aus TV-Serien bekannten Kreuzverhören und der größeren Bedeutung der Anwälte für die Fallaufbereitung gewöhnungsbedürftig ist, steht am Ende doch meist das gleiche Ergebnis wie zu Hause.

30 Grad im Winter

An den Wochenenden und manchmal auch während der Woche konnte ich ausgedehnte Touren unternehmen und Land und Leute kennen lernen. Ob Wanderungen und Dorfbesuche in den Nausori Highlands, Tauchtrips zur Beqa Lagoon, eine Inseltour durch die Mamanucas und Yasawas, Schnorcheln mit Mantarochen, Mountainbiking im Hochland oder atemberaubende Sonnenuntergänge – Fiji hält für jeden Geldbeutel und jede Art von Urlaub etwas bereit.
Wer einmal eine sowohl rechtlich als auch kulturell etwas andere Wahlstation verbringen möchte, wer keine Berührungsängste hat und wem Wärme nichts ausmacht, der ist auf Fiji richtig aufgehoben. Beste Reisezeit ist der Fiji Winter, die "dry season" von Mai bis Oktober, in der die Tem-peraturen angenehme 30 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit nicht übersteigen und die Gefahr von Zyklonen gegen Null geht.

Kontaktadresse:
Babu Singh & Associates
Lawyers – Notary Public – Commissioner for Oaths
Sajeda Chambers
73 Sagayam Road
Nadi Town, Fiji Islands
E-Mail: babusingh@connect.com.fj

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