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Zwischen Case Law, Wig und Fish & Chips

Erfahrungsbericht Hengeler Mueller, Tower Bridge

Erfahrungsbericht Hengeler Mueller, Tower Bridge

Unser Aufenthalt begann mit den üblichen Einführungs- veranstaltungen - einschließlich der unumgänglichen Sicherheitsschulung. Dort lernten wir, unseren Bürostuhl ergonomisch korrekt und vor allem gefahrlos einzustellen. Auch verinnerlichten wir die wichtige Hotline-Nummer "55-55", die Abhilfe in jeglichen Gefahrenmomenten garantierte - wenn man zum Beispiel klare Flüssigkeiten verschüttet oder mehr als drei Kartons übereinander stapelt. Auch in den nächsten Tagen spürten wir, dass hier doch so einiges ganz anders läuft, als wir es von unseren bisherigen Kanzlei-Erfahrungen gewohnt waren – eben immer mit dem gewissen britischen Etwas.
 

Andere Dimensionen
 Beeindruckend war für uns alle die Größe der Kanzlei: 600 Anwälte in einem Gebäude, das sprengte doch die Dimensionen von dem, was wir bisher kannten. Dagegen wirkte das Gebäude schon fast wieder klein – was den einen oder anderen von uns dennoch nicht davor bewahrte, sich zwischen East- und West-Flügel der Flure zu verlaufen. Durch die Vollverglasung des Gebäudeinnenhofes und der Aufzüge konnten wir uns aber eigentlich gut orientieren - allerdings trägt das auch zu einem gewissen Aquariumgefühl bei: So richtig unbeobachtet fühlte man sich nie.
 

Andere Arbeitsweise
 Jeweils ein oder zwei Associates versorgten jeden von uns Referendaren in den Wochen unseres Aufenthaltes mit interessanten Aufgaben. Oft spürten wir im Gespräch mit ihnen deutlich, wie unterschiedlich juristische Arbeitsweisen sein können: Während Associates meist mit irritiertem Stirnerunzeln auf die Frage nach dem dogmatischen oder theoretischen Hintergrund von Vertragsregeln reagierten, verloren wir oft den Überblick in der Flut von Präzedenzfällen und Standard Documents. Oft staunten wir auch gegenseitig über den Werdegang des jeweils anderen. Die Unterschiede zwischen dem englischen Ausbildungssystem (mehrheitlich ein nicht-juristisches Universitätsstudium, danach ein Jahr Law School, danach als Trainee "learning on the job", Berufsstart mit Anfang 20) und dem deutschen sind doch beträchtlich.
 

Andere Austausch-Anwälte
 Natürlich saßen wir nicht nur in "unseren" Büros – wir nahmen auch an einer Vielzahl von Vorträgen und Workshops zum englischen Recht teil. Einige davon besuchten wir mit anderen Visiting Overseas Lawyers zusammen, was immer ausgesprochen interessant und unterhaltsam war. Im Property Law Workshop sind wir zum Beispiel prompt vom eigentlichen Thema des englischen Sachenrechts abgekommen und bei der Problematik bauordnungswidrig errichteter englischer Meerblickvillen am Strand von Mallorca gelandet.
 

Anderer Humor
 Neben den Einführungsvorträgen zum englischen Recht gab es extra für uns Referendare verschiedene Veranstaltungen zum englischen Juristen-Ausbildungssystem. Das absolute Highlight war der Besuch des One Essex Court, einer berühmten Barrister-Vereinigung. Der dortige Senior Clerk, ein Mann mit Dickens-reifer Lebensgeschichte, plauderte mit uns über Perückenmode und Barrister-Gehälter – natürlich stets mit der Mischung aus gebotenem Ernst und feiner Ironie, auf die sich wohl nur die Briten verstehen.
 

Andere Haare
 Zur obligatorischen Foto-Anprobe einer original House-of-Lords-Wig kam es dann für uns doch nicht mehr. Nachdem wir allerdings später erfuhren, dass die Perücken unter keinen Umständen gereinigt werden dürfen – je vergilbter und mitgenommener, desto beeindruckender – waren einige von uns darüber dann doch nicht mehr so unglücklich. Stattdessen durften wir mit einer Gruppe von jungen Barrister-Anwärtern königlich im holzvertäfelten Essex-Inn-Saal speisen, schräge Kellner und Hogwarts-Ambiente inklusive. Hätte Her Majesty vom Nachbartisch ein würdevolles Kopfnicken herüber gesandt, es hätte uns nicht gewundert.
 

Andere Küche
 Selbst unsere größte Sorge – die Angst vor der berühmt-berüchtigten englischen Küche – hat sich während unseres Aufenthaltes aufgelöst. Dazu hat nicht unwesentlich die hervorragende und noch dazu preiswerte Kantine – eine seltene Kombination auf Londons teurem Pflaster – bei Slaughter and May beigetragen. Es soll Leute in unserer Gruppe gegeben haben, deren Normalkonsum sich vor lauter Begeisterung über das gute Essen auf zwei Hauptgänge und (mindestens) zwei Desserts pro Lunch eingependelt hat. Allerdings war man auch gut beraten, sich noch einen Reservehunger für die diversen Abendaktivitäten aufzusparen. So wurden wir zum Beispiel zweimal von Hengeler Mueller in Szene-Restaurants eingeladen, deren Preisniveau trotz des großzügig bemessenen Spesenzuschusses für diesen Aufenthalt unser Budget gesprengt hätte.
 

Mein persönliches Fazit
 Insgesamt war es ein toller Aufenthalt bei einer großartigen Kanzlei in einer aufregenden Stadt, den niemand von uns missen möchte. Vielen Dank Hengeler Mueller für dieses spannende Secondment!

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