Partner von:

Als "Diplomat" in Mittelamerika

Es begann alles wie in einem klassischen James-Bond-Film: wenige Tage nach meinem Briefing im Auswärtigen Amt in Berlin befand ich mich bereits auf dem Transatlantikflug nach Costa Rica. Von der Fluggesellschaft in die Business-Class eingeladen, überflog ich nun von hübschen Stewardessen umsorgt und besten Don-Perignon-Champagner trinkend die Bahamas. Nach einer kurzen Zwischenlandung in Havanna erreichten wir auch schon den Flughafen von San José de Costa Rica. Dort wurde ich bereits von einem Botschaftsmitarbeiter mit einer dunklen Diplomatenlimousine erwartet.
 

Spezialpraktikant für "EU-Angelegenheiten"
 Europäische Union in Mittelamerika? Das hört sich zunächst überraschend an, aber alle EU-Botschaften eines Landes stimmen ihre Tätigkeiten aufeinander ab. Das Land, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ist auch für die Koordinierung der gesamten EU-Sitzungen in einem Land zuständig. Während der lokalen EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands in Vertretung für Finnland (das selbst keine eigene Botschaft in Costa Rica hat) und der sich anschließenden deutschen Präsidentschaft bereitete ich alle gemeinsamen Sitzungen der EU-Botschaften in Costa Rica vor. Für den Botschafter entwarf ich eine Rede für einen Vortrag an der Staatlichen Universität Costa Ricas zum Themengebiet "Deutsche Erfahrungen mit der EU". Im Rahmen einer geplanten EU-Demarche im Bereich der Anti-Folter-Konvention recherchierte ich für den Botschafter. Ich entwarf Berichte nach Berlin und Eilbriefe an die Botschafter der EU-Mitgliedstaaten in Costa Rica.
 

Kulturelle Zusammenarbeit
 Bei den Vorbereitungen und der Durchführung eines Europäischen Kinofestivals sammelte ich Erfahrungen in der kulturellen Zusammenarbeit. Mir wurden die Schwierigkeiten bewusst, die bei einem "mehrstaatlichen" Projekt auftreten können. Die Mitarbeit an einem völkerrechtlichen Vertrag zwischen Deutschland und Costa Rica war für mich als Jurist mit Schwerpunktstudium im Völker- und Europarecht besonders herausfordernd und interessant.
 

Mit Polizeieskorte zum Präsidenten
 Mein organisatorisches Geschick war gefragt, als eine hochrangige Delegation aus Deutschland zu Besuch kam. Zusammen mit einer Mitarbeiterin der Botschaft entwarf ich das gesamte Programm und stimmte es protokollarisch ab. In einer unvorhersehbaren Krisensituation während des Besuches wurde mir für einen Nachmittag die alleinige Begleitung der Delegation übertragen. Ich war nun für eine 13-köpfige Gruppe verantwortlich. Ich übernahm die Repräsentation der Botschaft gegenüber unseren costaricanischen Partnern. Höhepunkt war sicherlich der Besuch des Präsidenten der Republik Costa Ricas. Mit Polizeieskorte wurden wir mit Höchstgeschwindigkeit durch die verstopften Strassen der Hauptstadt gelotst.
 

Wochenenden an Traumstränden
 Unter der Woche war ich als "Diplomat" neben den 45 Stunden Kanzleiarbeit auf zahlreichen Abendveranstaltungen repräsentativ tätig. Die Wochenenden habe ich mit leckeren Drinks an traumhaften Karibik- und Pazifikstrände genossen. Obwohl die Straßenverhältnisse schlecht sind, erreicht man sein Ziel - wenn auch mit Reifenwechsel im Urwald und abenteuerlichen Fahrmanövern - immer. Costa Rica hat eine sehr vielfältige Landschaft mit fast allen klimatischen Zonen. Als eines der artenreichsten Länder unserer Erde bietet es eine nahezu unerschöpfbar anmutende Fauna. Im Durchschnitt wird in Costa Rica pro Tag eine neue Tierart entdeckt.
 

Costa Rica aus zwei Perspektiven
 Ich konnte das Gastland aus zwei Perspektiven kennen lernen: zum einen nahm ich während der Arbeitszeit in der Botschaft deutsche Interessen wahr und schrieb Lageberichte nach Berlin. Zum anderen saß ich an den Wochenenden mit Costaricanern im Bus und konnte mich durch Gespräche gut in ihren Blickwinkel auf das eigene Land einfühlen.
 

Quer durch die Karibik
 Der Aufenthalt von einem halben Jahr bot mir auch die Gelegenheit, benachbarte Länder kennen zu lernen. Die nicaraguanische Hauptstadt Managua ist eine gefährliche Stadt, die bei einem Erdbeben fast völlig zerstört wurde. empfehlenswerter ist der Besuch der alten Kolonialstadt Granada am Nicaragua-See. Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich auf Karibikinseln in der Moskitobucht in Panama. Anschließend erkundete ich das aufstrebende und boomende Panama-City mit dem legendären Panamakanal. Weiter ging es nach Kuba, wo ich mich zunächst am Flughafen in Havanna einem dreistündigen Verhörs wegen Spionageverdachts unterziehen musste. Danach konnte ich die Insel aber doch noch für eine Woche kennen lernen. Auf Hemingways Spuren genoss ich jeden Abend meinen "Daiquiri" über den Dächern Havannas.
 

Für ein Stipendium bewerben lohnt sich
 Alle Botschafts-Praktika sind leider unbezahlt. Das gute Essen auf den diplomatischen Empfängen gleicht dies aber nur teilweise aus. Als Student kann man sich für ein DAAD-Kurzstipendium bewerben. Die Höchstförderungsdauer auf drei Monate begrenzt.
 

Mein persönliches Fazit
 Die Arbeit an der Botschaft war stets sehr abwechslungsreich und beinhaltete viel Verantwortung: Teilweise wurde ich auf Konferenzen, zu Gesprächsterminen und Abendveranstaltungen als einziger Repräsentant der Botschaft entsandt. Ich bin dankbar für die gemachten Erfahrungen, die mich fachlich und persönlich vorangebracht haben. Ein Praktikum an einer Deutschen Botschaft kann ich daher nur empfehlen.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.