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Nächtliche Telefonate für das Praktikum

e-fellow Patrick und sein Praktikum bei der Allianz in Korea [Quelle: sxc.hu, Autor: kristajo]

e-fellow Patrick und sein Praktikum bei der Allianz in Korea [Quelle: sxc.hu, Autor: kristajo]

Rund elf Millionen Einwohner leben in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Anfang 2008 gab es noch einen mehr: e-fellow Patrick war dort als Praktikant der Allianz - und lernte die koreanische Arbeitsmentalität hautnah kennen.

Patrick, wie bist du eigentlich zu diesem Praktikum gekommen?
 Ich habe mich über e-fellows.net bei einer Veranstaltung der Allianz beworben und dort lange mit Ralf Hilscher aus dem Personalmarketing der Allianz gesprochen. Netterweise hat er mir dann später auch bei meinem Bewerbungsprozess und der Kontaktvermittlung geholfen. Zunächst bekam ich eine Adresse in Singapur; dort werden alle Allianz-Aktivitäten im asiatischen Raum koordiniert. Die Mitarbeiter in Singapur verwiesen mich dann an die Niederlassung der Allianz Global Investors in Hongkong. Und dort erhielt ich die Kontaktadresse in Korea.
 
 Zu der Allianz-Veranstaltung bin ich aber vor allem deshalb gegangen, weil ich mich schon länger für das Thema "Investment" interessiere. Also habe ich geschaut, welche Unternehmen in Seoul, wo ich ein Semester studieren wollte, Standorte haben. Und da boten sich Allianz Global Investors an.
 

Wie war der zeitliche Ablauf der Bewerbung, dauerte sie lange?
 Die Veranstaltung fand im April 2007 statt. Die Bewerbungsphase lief dann von Mai bis Juli 2007, sodass ich die Zusagen hatte, bevor ich zu meinem Auslandssemester aufbrach. Der Kontakt mit den Ansprechpartnern in Korea war natürlich nicht ganz unkompliziert: Wegen der acht Stunden Zeitverschiebung musste ich immer wieder nachts um vier oder fünf aufstehen, um dort anzurufen.
 

Warst du der einzige Praktikant dort?
 Ja, und auch seit längerer Zeit der erste. Das liegt daran, dass in Korea das Praktikanten-System weitgehend unbekannt ist. Aber ich habe offenbar in Deutschland einen guten Eindruck hinterlassen. So schuf man diese Praktikantenstelle, um mich an die Allianz zu binden. Hilfreich war sicher auch, dass ich vor dem Praktikum schon in Korea war, sodass es keine Probleme mit Visum und Unterkunft gab. Und meine Uni in Seoul hat einen sehr guten Ruf.
 
 Die Mitarbeiter vor Ort haben dann auch sehr viel Wert darauf gelegt, mich möglichst vielseitig einzusetzen. Ich wurde immer wieder neuen Themen und Projekten zugeteilt. Außerdem achteten sie darauf, dass meine Arbeitszeit deutschen Verhältnissen entsprach: nämlich acht Stunden am Tag. Selten durfte ich länger bleiben, nach acht Stunden wurde ich gebeten, Feierabend zu machen. Auch das ist unüblich in Korea - die anderen Mitarbeiter waren elf, zwölf Stunden pro Tag im Büro.
 

Mit welchen Aufgaben hast du dich während deines Praktikums beschäftigt?
 Ich überprüfte Erfolgskennzahlen von Fonds. Außerdem beschäftigte ich mich mit der Risikoanalyse von 130/30-Fonds. In Korea war die AGI das erste Unternehmen, das diese Fonds eingeführt hat. Des weiteren gehörte die Investment Performance Attribution zu meinen Aufgaben - das heißt, die Identifizierung der Faktoren, die zu einer festgelegten Investment-Return-Rate führen -, und ich analysierte die Absatzchancen koreanischer Fonds auf dem europäischen Markt.
 

Waren bei den AGI in Seoul nur Einheimische beschäftigt?
 Ich habe dort nur mit Koreanern zusammengearbeitet, die alle eine enorme Arbeitsleistung erbracht haben. In Korea gibt es keine gesicherte Rente. Man versucht, so schnell wie möglich aufzusteigen, und wenn man irgendwann in der Hierarchie von jemand Jüngerem überrundet wird, ist es Zeit für den Ruhestand. Aber den muss man eben von dem vorher verdienten Geld bestreiten.
 

Wie ging das mit der Sprache? Sprichst du Koreanisch?
 Nein, ich kann kein Koreanisch. In der Arbeit war das überhaupt kein Problem - dort läuft alles auf Englisch ab. Das liegt an der Struktur der AGI. Ende der 1990er Jahre hat die AGI viele Global Player aus der Investment-Branche aufgekauft, sodass auch die Mitarbeiter in Südkorea Teil eines globalen Netzes sind und ein regelmäßiger Austausch mit den ausländischen Niederlassungen besteht. Deswegen wird bei den AGI schon bei der Einstellung auf sehr gute Englischkenntnisse geachtet.
 
 Privat sieht das natürlich anders aus, auf der Straße oder im Supermarkt spricht kaum jemand Englisch. Aber ich hatte ja bereits ein Semester an der Sogang University verbracht, einer englischssprachigen Graduate School of International Studies. Daher hatte ich schon einen Bekanntenkreis, mit dem ich mich nach Feierabend getroffen habe. Natürlich ging ich auch einige Male mit den neuen Kollegen abends aus, die ich bei der Allianz kennen gelernt habe.
 

Was hast du von der koreanischen Lebensart mitbekommen?
 Gleich an meinem ersten Arbeitstag wurde die ganze Abteilung zu einem traditionellen Essen eingeladen, weil es der erste Arbeitstag nach Neujahr war. Für mich war das ideal, um alle kennen zu lernen. In Korea zahlt immer der Ältere bei gemeinsamen Essen. Im Freundeskreis wird das nicht ganz so streng gehandhabt, im Arbeitsumfeld aber sehr strikt. Da ich als Einziger nicht fest angestellt und immer der Jüngste war, wurde ich fast immer eingeladen.
 

Gab es ein besonderes Highlight während deines Praktikums?
 Für eine Woche kam der CEO, der für den gesamten asiatischen Raum zuständig ist, aus Hongkong zu uns. Während dieses Besuchs hatte ich Gelegenheit, mit ihm in seiner Mittagspause ausführlich zu reden. Ein älterer Mitarbeiter klopfte mir anschließend sichtlich gerührt auf die Schulter und sagte mir, wie sehr er sich freue, dass ich diese Chance bekommen habe. Erstens zeigte dieser Kollege damit seine persönliche Anteilnahme daran, dass ich etwas lerne. Und zweitens war er überwältigt davon, dass der Regional CEO mit mir gesprochen hatte. Dieser hatte als Expatriate in Amerika gelebt und war daher eher modern eingestellt. Der ältere Mitarbeiter hingegen hatte einen rein koreanischen Hintergrund und sah daher dieses Gespräch als etwas sehr Außergewöhnliches an.
 

Planst du, nach deinem bevorstehenden Bachelor-Abschluss wieder nach Korea zurückzukehren?
 Das ist schwierig. Während man nach China auch für zwei bis drei Jahre gehen kann, haben Westler in Korea nach dieser Zeit gerade mal angefangen, sich ein Netzwerk aufzubauen - daher heißt es, man sollte gleich mit zehn Jahren rechnen. Und das ist doch sehr lange.

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