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"China hat mein Leben verändert"

Was erwartet einen in China? Eigentlich dachte ich, dass ich mit meinen Chinesisch-Kursen und den dadurch gewonnenen Eindrücken zumindest einigermaßen eine Vorstellung davon hätte, was mich in China erwarten würde. Weit gefehlt! Nach vielen Stunden Flug landete ich in Qingdao (Tsingtau), einer ehemals deutschen Kolonialstadt in der Provinz Shandong, auch bekannt für das Tsingtau-Bier und die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2008. Wie schon bei der Zwischenlandung am Flughafen Peking verstand ich natürlich kein Wort von dem, was man mir so erzählte. Nur auf eines ließ ich mich nicht ein: Diese Taxifahrer, die "taxi, you want taxi, cheap" riefen. Weitergehende Englischkenntnisse: Fehlanzeige. Zum Glück wurde ich von einem Freund aus Bayreuth abgeholt, der bereits ein Jahr dort studiert hatte und zu diesem Zeitpunkt bereits fließend Chinesisch sprach. Er hatte mir auch die Unterkunft und ein wenig Sprachunterricht organisiert, so dass der Sprung ins kalte Wasser nicht so schlimm war.
 

Wilde Fahrt mit dem Taxi
 Die Fahrt mit dem Taxi war dann auch schon die erste Mutprobe für mich verwöhnten Europäer, der noch dazu gerade erst in dem die Ordnung so liebenden England ein Studienjahr verbracht hatte. Ein uralter VW Jetta wartete auf uns vor dem Flughafen. Sicherheitsgurte: Fehlanzeige. Beachtung der Verkehrszeichen während der Fahrt? "Wir sind hier in China", sprach mir mein Freund gut zu. Dann wichen wir auf die Gegenfahrbahn aus, weil uns plötzlich ein Motorradfahrer auf unserer Seite entgegenkam. Und das alles in einer Stadt mit sieben Millionen Einwohner. Das konnte ja noch heiter werden.
 

China hat andere Dimensionen
 Diese Lektion hatte ich bereits in den ersten Stunden meiner Zeit dort gelernt: Vergiss alles, was man dir in Deutschland über China erzählt. Lass die Zeit dort auf dich wirken und lerne. Sei offen für eine andere Welt! Sicherlich kann man sich über die rüpelhafte Fahrweise aufregen, über das ständige Hupen und den Lärm. Auch die Luftverschmutzung ist bemängelnswert. Aber hilft es etwas? Ganz zu schweigen von der Kluft zwischen Arm und Reich. Sicherlich gibt es viele Dinge zu verbessern. Aber die Dinge verbessern sich auch und dazu noch in einer rasenden Geschwindigkeit. Betrachte die positiven Seiten: China ist wohl das einzige Riesenland, dem es zumindest einigermaßen gelingt, fast die gesamte Bevölkerung zu ernähren. Hier greife ich eine Aussage des deutschen Partners bei KPMG in Peking auf: "China hat es in knapp 30 Jahren geschafft, über zehn Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht zu verhelfen. Klingt nicht viel. Dabei handelt es sich allerdings um zirka 150 Millionen Menschen." China ist ein Land mit anderen Dimensionen. Ich erinnere mich an einen Spruch meines chinesischen Freundes: "The next town is little. It has only about 1.5 million people." China ist definitiv mehr als nur Wirtschaftswachstum. Über Wirtschaftswachstum kannst du lesen, China und die Menschen dort musst du erleben.
 

In der Welt der Wirtschaftsprüfer
 Bei KPMG wurde ich erst einmal mit allem Notwendigen ausgestattet: Laptop, Taschenrechner, Schreibtisch, Zugangskarte. Dann bekam ich eine Führung durch das Büro, in dem zu diesem Zeitpunkt sage und schreibe 800 Leute arbeiteten. Wie gesagt, in China herrschen andere Größenordnungen. Nachdem ich also durch die Bereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, IT und Beratung geführt wurde, lernte ich meine beiden deutschen Kollegen kennen. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre und ich konnte mich jederzeit mit Problemen an sie wenden. Das war gelegentlich auch bitter notwendig. Mein erster Arbeitsauftrag lautete gleich: "Ein großer deutscher Elektronikkonzern muss ab nächstem Jahr nicht nur nach US-GAAP, sondern auch nach IFRS bilanzieren. Stellen Sie bitte die für den Geschäftsbereich China relevanten Änderungen und Ergänzungen übersichtlich dar." Wie gut, dass ich im Studium primär mit dem Handelsgesetzbuch gearbeitet habe. Also war Lesen, Lesen und nochmals Lesen angesagt. Die ersten vier Wochen habe ich dann auch primär Schulungen gehört und einen ersten Einblick in die Welt der Wirtschaftsprüfung gewonnen.
 

Arbeit in chinesischen Teams
 Nach der ersten Einarbeitungszeit durfte ich mit zum Mandanten. Bei dem genannten Elektronikkonzern habe ich meine ersten Schritte in die Praxis eines Wirtschaftsprüfers gemacht. Von Anfang an durfte ich selbstständig an kleinen Projekten arbeiten und musste zu bestimmten Terminen meine Ergebnisse vorzeigen. Ich konnte aber jederzeit Fragen stellen. Die Arbeit beim Mandanten hat mir dann auch besonders viel Freude bereitet. Hier habe ich mit ansonsten rein chinesischen Teams gearbeitet und auch die Ansprechpartner beim Mandanten waren primär Chinesen. Das brachte auch noch eine Herausforderung bei der Kommunikation. Genaues Nachfragen und Nachhaken war erforderlich. Die Arbeit beim Mandanten ermöglicht einen Einblick in dessen vernetzte Geschäftsfelder, wie es wohl kaum in einer anderen Branche möglich ist. Hier liegt neben den vielfältigen Aufgaben und Ansprechpartner auch einer der Hauptanreize, später in die Wirtschaftsprüfung zu gehen. Ergänzend möchte ich noch anfügen, dass dies nicht mein einziges Projekt war. Bei einem weiteren, allerdings kleineren Projekt, konnte ich einen Überblick über das Gesamtprojekt gewinnen. Dies ist dem deutschen Manager zufolge auch sehr notwendig und hilfreich: "Gerade am Anfang ist es wichtig, das Gesamtbild eines Wirtschaftsprüfungsprojektes zu erkennen, um später in Führungsverantwortung die Arbeit aufteilen zu können und den Teilprojekten entsprechend Bedeutung beimessen zu können. Natürlich sind Großprojekte sehr spannend, aber bei kleineren Projekten kommt man mit einem breiteren Aufgabenspektrum in Berührung".
 Im Übrigen gilt für die Wirtschaftsprüfung das Gleiche wie für China: Erzählungen und Erfahrungen anderer können ein Anfang sein, aber erleben musst du es selbst.

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