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Vom Fräulein bei Siemens zum Senior Manager

Karrierewege von Frauen im Management
 Interessante Lebensläufe und Karrierewege von Frauen vorzustellen, darum ging es beim 19. e-fellows.net Power Breakfast in Berlin. Noch sind Frauen in Chefetagen eher im Vorzimmer anzutreffen als auf dem Chefsessel, aber es gibt sie, die Managerin, und sogar mit Kind: Dr. Christina Jacob, promovierte Chemikerin und heute Leiterin der Marketing Communications bei Coca-Cola sowie Kathrin von Woisky, Senior Manager im Prüfungsbereich bei KPMG. Die Referentinnen nahmen sich einen Vormittag lang Zeit, um ausschließlich weiblichen e-fellows und deren Freundinnen ihre unterschiedlichen Karrierewege im lockeren Gespräch vorzustellen.
 

Wichtiger Erfahrungsaustausch
 Ein Power Breakfast nur für Frauen – brauchen wir Frauen so etwas überhaupt? Ja, brauchen wir. Diesen Eindruck gewinnt man schnell zwischen Kaffee und Croissant, als sich alle e-fellows in der Runde kurz vorstellen und Fragen rund um Beruf, Karriere und Lebensplanung an die Referentinnen stellen. Das Thema Vereinbarkeit von Kindern und Karriere steht ganz oben auf der Themenliste, zu denen die Referentinnen um ihre Erfahrungen befragt werden. Aber auch die Fragen nach der Motivation und den Beweggründen für die erste Jobwahl und Geschlechterkampf am Arbeitsplatz stehen hoch im Kurs.
 Dies ist aber nicht die einzige Motivation beim Power Breakfast dabei zu sein: "Andere e-fellows kennen lernen", Erfahrungen austauschen oder einfach mal wieder eines der vielen Angebote von e-fellows.net in Anspruch nehmen, sind weitere Gründe, um sich beim Power Breakfast zu treffen.
 

Vom Fräuleinwunder zur Wirtschaftsprüferin
 Die rund dreißig Teilnehmerinnen decken das Spektrum von Betriebswirtschaftslehre über Jura bis hin zu Kommunikationswissenschaften, Medienberatung und naturwissenschaftlichen Fächern ab. Bei dieser Vielfalt fällt die Einheitlichkeit der Fragen auf: Das Power Breakfast nur für Frauen trifft offenbar auf einen wichtigen Punkt beim weiblichen Nachwuchs. Zum Thema Ausbildung, Quereinstieg und Motivation für die erste Berufswahl nach dem Studienabschluss unterhalten uns die Referentinnen mit ein paar Anekdoten aus ihren Berufswegen: Kathrin von Woisky, das ehemalige "Fräulein bei Siemens", geht einen geradlinigen Weg, um Wirtschaftsprüferin bei der KPMG zu werden. Das sei in ihrer Branche der übliche Fall.
 

Die Mär von der gläsernen Decke
 Anders dagegen Christina Jacob, die als promovierte Chemikerin Mut bewies und an die Promotion noch ein Ausbildungsjahr an einer PR-Akademie anschloss. Dieser Mut wird belohnt: Über verschiedene Stationen in der Öffentlichkeitsarbeit kommt Christina Jacob schließlich zur Coca Cola GmbH. Sie ist mit ihrem Weg zufrieden, obwohl sie nie als Chemikerin gearbeitet hat. "In Deutschland ist man noch zu sehr dem Ausbildungsweg verhaftet", erklärt sie und macht den Teilnehmerinnen Mut, es trotzdem in anderen Bereichen zu versuchen. Einmal in der Führungsetage angelangt, stellt sich den Teilnehmerinnen die Frage, wie es dort mit Vorurteilen gegenüber Frauen in Führungspositionen aussieht. Mit männlichen Kollegen haben die beiden Referentinnen keine negativen Erfahrungen gemacht. Die sogenannte gläserne Decke, die Frauen beim Aufstieg hindere, sei ihnen nicht begegnet. Die Runde der Zuhörerinnen wirkt etwas ungläubig, denn einige hatten schon beim Volontariat oder bei der Werksstudententätigkeit ganz andere Erfahrungen gemacht.
 

Wiedereinstieg mit väterlicher Unterstützung
 Beim Thema Kind und Familie klärt sich hierzu einiges auf: Länger als sechs Monate darf die junge Mutter nicht von ihrem Chefsessel lassen, denn die Uhr tickt schnell und wer länger fortbleibt, muss mit erheblichen Problemen beim Wiedereinstieg rechnen. Nicht nur die veränderten Betriebsstrukturen und neue Vorgesetzte machen den Einstieg nach der Mutterpause schwer, sondern auch die neue Software am Arbeitsplatz und veränderte Rahmenbedingungen in der Branche. Wer allerdings "nur" sechs Monate Babypause macht, handelt sich im privaten Umfeld schnell den Titel der Rabenmutter ein, die - nur ihre Karriere betrachtend - das Kind vernachlässigt. Ohne die Unterstützung der Väter wäre ein Wiedereinstieg nach so kurzer Zeit gar nicht möglich, resümieren beide Referentinnen. Bei 80 Prozent Gehalt und 100 Prozent anstelle von 80 Prozent Arbeitszeit drängt sich schnell das Urteil auf, dass Benachteiligung von Frauen im Beruf doch nicht ganz passé ist. So ist die brennende Frage zur Mutterschaft geklärt, die Frage zur Geschlechterungerechtigkeit dagegen nur indirekt beantwortet.
 

Der Chefsessel ist ein Fulltime-Job
 Nach gut neunzig Minuten intensiven Austauschs ist die Zeit um, und die beiden Referentinnen müssen sich leider verabschieden. Der Verlauf des Gesprächs hat gezeigt, dass es für eine ausschließlich weibliche Gesprächsrunde Anlass gibt. Aber nicht nur von Seiten der e-fellows. "Mit dem Power Breakfast", so erklärt Margret Steinle, Marketing-Leiterin bei e-fellows.net, "wollen wir vermehrt den weiblichen Nachwuchs ansprechen." Die höhere Bewerbungsschwelle bei Abiturientinnen und Studentinnen um ein e-fellows.net-Stipendium, die sich durch ein anderes Empfehlungsverhalten bei Frauen und fehlende weibliche Vorbilder erklärt, soll abgebaut werden. Eine Veranstaltung wie das Power Breakfast für Frauen erreicht ihr Ziel, auch wenn sich zum Schluss etwas Ernüchterung einstellt: "Sie können keine Karriere in Schmalspur machen", so Christina Jacob. Beides – Familie und Karriere – zu 100 Prozent geht eben nicht. Daran ändern auch flexible Arbeitszeitmodelle nichts. Den Chefsessel erfolgreich zu verteidigen, ist immer ein Fulltime-Job.

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