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Stipendium eröffnet die Steuerwelt

Clifford Chance in Frankfurt

Clifford Chance in Frankfurt

Einen Monat lang von morgens bis abends nur mit Steuerrecht beschäftigt sein – was würde mich bei meinem Praktikum in der Anwaltssozietät Clifford Chance in Frankfurt im Bereich "Tax" erwarten? Werde ich das an der Uni im Steuerrecht Gelernte gut anwenden können oder hat es mit der Realität nicht viel zu tun? Diese und noch mehr Fragen gingen mir an meinem ersten Praktikumstag auf dem Weg zur Kanzlei durchs Frankfurter Bankenviertel durch den Kopf.
 

Beeindruckende Aussicht im 30. Stockwerk
 Nach dem "Check-in" in der Personalabteilung wurde ich erst einmal mit einem großen Umschlag ausgestattet, der zumindest schon einmal viele organisatorische Fragen beantworten konnte. Von der Personal- und Kantinenkarte bis hin zu den Sicherheitshinweisen am PC. Auch über die Organisation der Kanzlei selbst konnte ich zusammen mit den anderen neuen Praktikanten in einer Einführungspräsentation Einiges erfahren. Die Kanzlei gliedert sich in die fünf Teilbereiche "Banking & Capital Markets", "Corporate Finance und Commercial", "Litigation & Dispute Resolution", "Real Estate" und "Tax", die im Frankfurter Büro über 13 Stockwerke verteilt sind. Allein 250 Anwälte arbeiten hier, zusammen mit den Büros in München und Düsseldorf sind in Deutschland 350 Juristen beschäftigt. Davon beeindruckt und erwartungsvoll, dass ich für die kommenden vier Wochen diese große und internationale Sozietät von innen kennen lernen durfte, führte uns die Einführungsveranstaltung anschließend in die hauseigene Bibliothek. Die Bibliothekarin erklärte uns Neulingen, wo die einzelnen Rechtsgebiete zu finden sind und wie man gegebenenfalls auch an außergewöhnlichere Aufsätze kommt, die zum Beispiel nur in der Münchner oder Düsseldorfer Bibliothek stehen. Als ich später bei der Arbeit einmal selbst dieses Problem hatte, kam innerhalb einer halben Stunde der gewünschte Text eingescannt aus Düsseldorf per E-Mail auf meinen PC. Die Organisation und Zusammenarbeit schien wirklich außergewöhnlich zu sein. Mit vielen guten Tipps und der Gewissheit, dass man nie auf sich alleine gestellt sein würde, wurden wir zu unseren Arbeitsplätzen entlassen. Für mich hieß das: Auf in den 30. Stock zu den Steuerrechtlern, wo ich im Praktikanten-Büro meinen Schreibtisch fand.

Ein Sprung ins kalte Wasser
 Kaum den PC hochgefahren, wurde ich auch schon zu dem für mich zuständigen Partner ins Büro gerufen. Nach einer kurzen Vorstellung ging es gleich mit dem ersten Arbeitsauftrag los: "Steuerliche Gewinnrealisierung beim Einbringen von Wertpapierbeständen in einen Spezialfonds nach dem Investmentsteuergesetz". Schon jetzt war mir klar, dass ich mich wohl von dem vertrauten Einkommensteuerrecht würde verabschieden und in ganz neue Gebiete des Steuerrechts eintauchen müssen. Die nächsten vier Wochen versprachen alles andere als langweilig zu werden. Genug Zeit blieb aber doch, erst einmal die anderen Kollegen kennen zu lernen und beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine mehr über die Arbeitsweise und Tagesabläufe als Steuerrechtler in einer Großkanzlei zu erfahren. Gestärkt ging es nun an die Arbeit. Nachdem ich für meinen Auftrag erst einmal die Bibliothek durchforstet hatte, hieß es nun lesen, lesen, lesen. Aber wie versprochen stand ich vor keinem Problem alleine, die Betreuung durch den Partner und die Associates war sehr umfassend. Jederzeit konnte ich jemanden um Rat fragen und immer bekam ich sehr freundliche und geduldige Erklärungen. Zufrieden und erleichtert sah ich am Ende des ersten Arbeitstags den kommenden Wochen gespannt entgegen.
 

Die tägliche Arbeit – Routine weit gefehlt
Im Laufe meines Praktikums bekam ich Einblicke in viele spannende und interessante Themen. Oft hatte ich mit mir bisher nicht vertrauten Gesetzen wie dem Investmentsteuer- oder dem Umwandlungsteuergesetz zu tun. Auch ein Blick in so genannte "Steuerrichtlinien" und "Steuererlasse" war oft lohnenswert, um den Willen des Gesetzgebers zu ergründen. Es gab für mich jeden Tag immer reichlich zu tun. Die Tageszeitung durfte während der Bürozeit also unaufgeschlagen bleiben. Bald saß ich auch schon an meinem ersten Entwurf für ein Memo, dem noch mehrere in Deutsch und Englisch folgten. Sehr geschätzt habe ich während meines Praktikums die Tatsache, dass mir viele eigenständige Aufgaben übertragen und ich in viele interessante Themen eingebunden wurde, so dass die Sonne oft schon längst untergegangen war, ohne dass ich es gemerkt hatte.
 

Eine internationale Kanzlei
Gerade in einer Kanzlei, die viele kompliziert und mehrschichtig strukturierte Unternehmen betreut, merkt man, wie wichtig auch im Steuerrecht Kenntnisse aus anderen Rechtsgebieten wie dem Gesellschaftsrecht sind und wie elementar das Steuerrecht auch für die anderen Be-reiche ist. Nicht selten kommt mal ein Hilferuf aus einem anderen Stockwerk nach steuer-rechtlicher Unterstützung, was die viel beschriebene Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bereichen zeigt. Viele Texte und Telefonate mit Mandanten oder Kollegen im Londoner Büro werden auf Englisch verfasst und geführt. Die Korrespondenz erschließt sich bei einer so internationalen Kanzlei eben nicht in der eigenen Landessprache. Sogar eine eigene Übersetzungsabteilung ist im Frankfurter Büro zu finden, falls das juristische Fachchinesisch in anderen Sprachen doch eher Probleme bereitet.
 

Im Praktikum zur ersten eigenen Veröffentlichung
Gerade im Steuerrecht geht die Rechtsentwicklung doch sehr schnell voran. Häufig hinken wegen immer neuer Gerichtsentscheidungen und Gesetzesänderungen die Kommentierungen dem Gesetzestext hinterher. Viele Fragen bleiben einfach unbeantwortet, auch die Aufsatzliteratur schweigt noch. Warum nicht also selbst einen Aufsatz dazu schreiben? Genau diesen Vorschlag machte unser Partner gegen Ende des Praktikums, als wir auf eine Gesetzesänderung stießen, deren Zielrichtung nicht eindeutig war und zu der es noch keine aktuelle Literatur gab. Zusammen mit einem Kollegen und in Rücksprache mit dem Partner haben wir uns dem aktuellen Thema angenommen und Gesetzes- begründungen und Gerichtsentscheidungen gewälzt, um den Willen des Gesetzgebers herauszufinden. Letztendlich ist daraus ein praxisorientierter Aufsatz entstanden. Und zu unserem Erstaunen hat uns der Partner mit der endgültigen Fassung und den Worten entlassen: "Ist doch nicht schlecht, eine erste Veröffentlichung zu haben."
 

Wie präsentiere ich richtig?
Mein letzter Tag fiel auf einen letzten Mittwoch im Monat, an dem immer die Referendar Academy stattfindet. Dabei handelt es sich um ein Referendar-Seminar-Programm, bei dem die Referendare Einblicke in die bei Clifford Chance bearbeiteten Rechtsgebiete erhalten und Verständnis für Zusammenhänge und Schnittstellen in der Praxis entwickeln sollen. Daneben werden Business Skills wie Präsentationstechnik, Legal English und Verhandlungsführung trainiert. Auch als Praktikantin durfte ich während meines Aufenthalts an der Academy teilnehmen. Im behandelten Modul wurden die Bereiche "Banking & Capital Markets: Börseneinführungen" und "Corporate Finance: Aktienrecht, Übernahmerecht, Umwandlungsrecht" vorgestellt. Die Associates erklärten gut verständlich die Tätigkeitsfelder und Hauptaufgaben ihrer Abteilungen. Daneben wurden spannende Fälle aus der Praxis referiert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den anderen Referendaren kam das Thema Präsentationstechnik an die Reihe. In einer kurzen Einführung wurden die wichtigsten Tipps und die gefährlichsten Fallen beim Präsentieren dargestellt. In kleinen Gruppen und mit einem Thema ausgestattet ging es anschließend ans Präsentieren. Nach einer Vorbereitungszeit von nur 15 Minuten musste die Mini-Präsentation stehen – es war auf jeden Fall eine sehr lehrreiche und lustige Erfahrung.
 

Man trifft sich immer zwei Mal im Leben
 Nachdem ich die Berge von Papier und Büchern am letzten Tag von meinem Schreibtisch wieder beseitigt und mich von meinen Kollegen verabschiedet hatte, fiel es mir schon schwer, der Kanzlei wieder den Rücken zu kehren. Hinter mir liegt eine sehr spannende und interessante Zeit, in der ich viel lernen und den Alltag als Anwalt einmal von einer ganz anderen Seite her kennen lernen konnte. Ich habe immer einen freundlichen und positiven Ton während meines Praktikums erlebt und bin immer auf offene Ohren gestoßen. Und beim Verabschieden wurde zu mir des Öfteren der Satz gesagt: "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben!" – wer weiß?

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