Partner von:

Unter den Dächern von Paris

Paris, Louvre

Paris, Louvre

Party-Jahr à la "Auberge Espagnole" oder reines Studienjahr? Die Herausforderung ist, den goldenen Mittelweg zu finden. Schwierig zu Beginn meines Studiums in Paris waren die vielen kleinen Alltagshürden, die es zu überwinden galt. Angefangen mit der Wohnungssuche, über die Kontoeröffnung, den Telefonanschluss, Metrojahreskarte und natürlich die unterschiedlichen Stufen der Immatrikulation. Aber beruhigend war es, zu sehen, dass es allen anderen ERASMUS-Studenten genauso ging und man sich gegenseitig Tipps geben konnte. Zudem konnte ich im Vorfeld schon auf Erfahrungen vorheriger Austauschstudenten zurückgreifen. Einer der wichtigsten Tipps war ohne Zweifel, mindestens ein Dutzend Passbilder von mir mitzunehmen – die muss man in Frankreich wirklich überall draufkleben.
 

Wohnen mitten in Paris
 Während eines dreiwöchigen Sprachkurses im September, den ich an der Cité Universitaire mit anderen Deutschen gemacht habe, erkundeten wir schon einmal alle bekannten Sehenswürdigkeiten. Die "Cité U" ist ein Areal, das im Süden von Paris liegt und auf dem es Studentenwohnheime aus den unterschiedlichsten Nationen gibt. Ausgestattet sind sie mit vielen Sport- und Kulturangeboten sowie einer guten Verbindung in das Zentrum. Ich selbst habe ein kleines "Studio" (kleine Wohnung) im 10. Arrondissement in der Nähe des Gare de l'Est am wunderschönen Canal St. Martin gefunden. Die Mieten in Paris sind sehr hoch. Aber es gibt zum Glück die so genannte CAF (caisse allocation familiale). Diese staatliche Einrichtung vergibt Wohngeld an Studenten.
 

Ausgeklügelte Abkürzungen zum Mitschreiben
 Im Anschluss an den Sprachkurs begann auch schon das erste Semester der Maîtrise (Master 1) im Europarecht an der "Université Paris I – Panthéon-Sorbonne". Das Studienprogramm bestand pro Semester aus zwei Hauptvorlesungen mit so genannten "travaux dirigés" (TDs), das sind benotete Übungen mit Anwesenheitspflicht, drei weiteren Vorlesungen und einem Englischkurs. Der französische Stil des Jurastudiums unterscheidet sich sehr vom deutschen. Das System ist viel verschulter, mit regelmäßigen Hausaufgaben in den TDs. In den Vorlesungen geht es in erster Linie darum, möglichst wortgetreu das mitzuschreiben, was der Professor gesagt hat. Das sollen die Studierenden dann in den Abschlussklausuren wiedergeben können. Das fiel mir am Anfang recht schwer. Aber in der Maîtrise waren viele sehr nette Franzosen, die einem die Notizen zur Verfügung gestellt haben. Diese waren jedoch nicht selten schwer zu entschlüsseln, weil die Franzosen ein ausgeklügeltes System von Abkürzungen benutzen, um schnell genug folgen zu können.
 

Erasmus-Studenten erkunden Frankreich
 Auch sonst war die Atmosphäre unter den Studenten sehr gut. Alle waren offen und aufgeschlossen. Das liegt sicher auch daran, dass ebenfalls die heimischen Studenten neu zusammengewürfelt wurden, nachdem sie ihre Licence gemacht haben, den Abschluss vor der Maîtrise. Mit den anderen ERASMUS-Studenten aus Spanien, Italien, England, Deutschland und auch Franzosen habe ich viele Ausflüge in die berühmten und weniger bekannten Museen und Ausstellungen sowie Schlösser in der Pariser Umgebung gemacht. Die kulturellen Angebote sind für Studenten sehr günstig. Sie kosten meist nur die Hälfte des eigentlichen Preises.
 

Métro, boulot, dodo
 Ich habe außerdem noch drei Kurzurlaube an die Côte d’Azur, in die Bretagne und die Normandie gemacht, um auch etwas vom Rest Frankreichs mitzubekommen. Das gehört übrigens auch zu den Pariser Traditionen: Wer es sich leisten kann, verbringt möglichst viele Wochenenden außerhalb der Stadt. Denn das Pariser Stadtleben ist schon sehr hektisch und chaotisch und von Arbeit erfüllt, vor allem, wenn man sich einen guten Lebensstandard leisten möchte. So ist auch ein bekanntes Sprichwort der Pariser "métro, boulot, dodo" – also mit der Metro zur Arbeit, danach Schlafen, mehr Zeit bleibt nicht.
 

Wettbewerbsrecht à la française
 Während der Sommermonate Juli und August habe ich ein Praktikum bei der DGCCRF absolviert – der "Direction générale de la Concurrence, de la Consommation et de la Repression des Fraudes". Das ist eine Abteilung des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Hier habe ich im Bereich Wettbewerbsrecht gearbeitet. Die meiste Zeit habe ich an der Vorbereitung für den Deutsch-Französischen Wettbewerbstag gearbeitet, der im folgenden September im Bonner Bundeskartellamt stattgefunden hat. Mit den anderen Praktikanten und einigen Kollegen haben wir auch einige Abende zusammen verbracht. Zu meinem Glück waren sie sehr interessiert an Deutschland. So war ich nicht nur in der eher üblichen Zuhöhrerrolle eines ausländischen Studenten, sondern konnte auch viel über mein Land erzählen.
 

Die beste Entscheidung
 Für mich bleibt ein unglaublicher Schatz an bereichernden Erfahrungen und Erinnerungen, ein erheblicher Fortschritt in der französischen Sprache, die Kultur und Geschichte unseres Nachbarlandes besser zu kennen, ein französischer Abschluss und jede Menge neuer internationaler und deutscher Freunde und Kontakte. Außer in den Prüfungszeiträumen habe ich mich während nahezu der gesamten Zeit zudem wie im Urlaub gefühlt. So kann ich den Schluss ziehen, dass es die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte, für ein Jahr nach Paris zu gehen.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.