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Die Top-Jobs des Jahres 2030

Arbeit Schreibtisch Mann Weißes Hemd Laptop Computer [Quelle: Pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: Pexels.com, Andrea Piacquadio 

Corona, Digitalisierung und demografischer Wandel wälzen den Arbeitsmarkt um. Welche Qualifikationen künftig gesucht werden.

Dass das aktuelle Jahrzehnt massive Veränderungen auf dem Jobmarkt mit sich bringen wird, das prognostizierte das Weltwirtschaftsforum schon im Herbst in seinem "Future of Jobs"-Report. Die Kernbotschaft: Bis 2025 muss etwa die Hälfte aller Beschäftigten weltweit umgeschult werden. Grund sind die Einführung neuer Technologien und auch die Corona-Pandemie, die die Lage am Arbeitsmarkt noch einmal verschärft hat.

Die Boston Consulting Group (BCG) hat nun unter dem gleichen Namen einen Bericht für Deutschland herausgebracht, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die gute Nachricht: Die Auswirkungen der Digitalisierung werden zusammen mit einer wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie dazu führen, dass wieder mehr Arbeitskräfte gefragt sein werden.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: So dürften die Renteneintritte der Babyboomer laut BCG dazu führen, dass Deutschland bis 2030 etwa drei Millionen Vollzeitkräfte fehlen. "Und das ist nicht die einzige Herausforderung für den deutschen Arbeitsmarkt nach Corona", sagt Studienautor Rainer Strack, Senior Partner bei BCG. Denn: Parallel zum Fachkräftemangel werden laut BCG-Berechnungen 1,6 Millionen Stellen wegfallen, die aufgrund technischer Neuerungen eigentlich nicht mehr gebraucht werden. "Die Herausforderung wird also sein, die Arbeitnehmer zu adressieren, deren Jobs aller Wahrscheinlichkeit nach wegfallen, und gleichzeitig die Lücke von etwa drei Millionen Vollzeitstellen zu füllen", sagt BCG-Partner Philipp Kolo, ebenfalls Autor der Studie.

Diese Branchen haben 2030 den größten Fachkräftebedarf

Den größten Bedarf sieht der BCG-Report bei IT-Fachkräften, wo bis 2030 ein Fachkräftemangel von etwa 1,1 Millionen Vollzeitstellen entstehen dürfte. Außerdem stark in Zukunft gefragt: Lehrer. So könnten am Ende des Jahrzehnts im Vor-, Grund- und Förderschulbereich sowie der Sekundarstufe mehr als 250.000 Lehrkräfte fehlen, heißt es in dem Bericht.

Auf den weiteren Rängen folgen Spezialisten für die Automatisierung von Geschäftsprozessen, Ärzte und Ingenieure. Geht man eine Ebene tiefer und blickt auf die einzelnen Jobprofile, fallen auch hier die vielen Positionen aus dem Bereich IT auf. Zu den gefragtesten Stellen der Zukunft zählen: Programmierer, Datenwissenschaftler – sogenannte Data Scientists – und Datenanalysten. "Außerdem profitieren jene Jobs, die einen hohen Anteil persönlichen Austauschs erfordern", ergänzt BCG-Partner Kolo. Hierzu zählen Jobs im Gesundheits- und Bildungswesen, aber auch soziale Berufe.

Ein Überangebot sieht die BCG-Analyse hingegen vor allem bei klassischen Bandarbeitern. Hier könnte es bis 2030 mehr als eine halbe Million Stellen zu viel auf dem Arbeitsmarkt geben. Auch in der metall- und kunststoffverarbeitenden Industrie, der Landwirtschaft, der Gebäudereinigung sowie bei Bürokräften und Sachbearbeitern werden bis Ende des Jahrzehnts deutlich weniger Leute benötigt als noch heute.

Für die Analyse hat BCG neben der Bevölkerungsentwicklung zwei volkswirtschaftliche Entwicklungsszenarien für die nächsten zehn Jahre durchgespielt: Eines, in dem sich die deutsche Wirtschaft nach der Coronakrise bereits 2021 spürbar erholt, und ein konservativeres, in dem sich die Krise noch weitere Jahre negativ auf das Bruttoinlandsprodukt auswirkt.

Zusätzlich haben die Berater mithilfe der Analysefirma Faethm die Arbeitsmarktsituation für drei unterschiedliche Technologie-Szenarien simulieren lassen. Berücksichtigt wurden insgesamt 17 Schlüsseltechnologien, die in den nächsten Jahren konkrete Auswirkungen auf die Aufgaben unterschiedlicher Berufe haben werden – von robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) bis hin zum Einsatz von Software mit Künstlicher Intelligenz (KI) oder Augmented-Reality-Lösungen.

Die Top-Jobs des Jahres 2030 [Quelle: Handelsblatt, Autor: BCG]

Unterm Strich lässt sich festhalten: Am stärksten nachgefragt sein werden jene Arbeitskräfte, die neue Technologien in den Unternehmen implementieren müssen – was den steigenden Mangel bei den IT-Berufen erklärt. Die stärksten negativen Veränderungen wird es in der Arbeitslandschaft überall dort geben, wo neue Technologien Routinetätigkeiten in der Produktion oder im Büro übernehmen.

Dass IT-Kräfte gefragt sind und Jobs mit viel Routine wenig Zukunft haben, ist per se keine neue Erkenntnis für den Arbeitsmarkt. Schon heute sind laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom etwa 86.000 Stellen in der IT unbesetzt. Die BCG-Zahlen zeigen jedoch eindrücklich, wie sich die Lage im Laufe des Jahrzehnts immer weiter zuspitzen dürfte.

So fehlen laut der Analyse bereits 2025 mehr als 600.000 Menschen in IT- und mathematischen Berufen. 2030 sind es dann 1,1 Millionen. Die genannten Zahlen basieren alle auf der Annahme einer normalen bis schnellen Erholung von der Coronakrise – bei einer mittelstarken Technologienutzung in Unternehmen. Die Pandemie wirke dabei extrem beschleunigend und "hat uns etwa zehn Jahre in die digitale Zukunft katapultiert", so Strack.

Fortbildungen und Neueinstellungen als Schlüssel

Um gegenzusteuern, sehen die Studienautoren Weiterbildungen als den effektivsten Weg. "Wir glauben, das ganze Thema Qualifizierung – von Umschulungen über Weiterbildungen bis hin zu Ausbildungen – wird das zentrale Thema in Deutschland in den kommenden zehn bis 15 Jahren sein", so Strack. Einige Länder wie Dänemark oder Singapur hätten schon länger regierungs- und unternehmensseitig Strategien für ein lebenslanges Lernen etabliert. Von solchen Modellen könnte auch die deutsche Wirtschaft lernen.

"Im Moment haben nicht die Leute ein Problem, die einen Job haben und ihn verlieren könnten, sondern die Leute, die keinen Job haben und weiterhin keinen finden", ergänzt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Der Experte schlägt vor, Neueinstellungen für Unternehmen attraktiver zu machen – etwa, indem man während der Krise auf die Zahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen bei neuen Beschäftigungsverhältnissen verzichtet. Stattdessen würde der Bundeshaushalt die Versicherer bezahlen. "Genauso wie man viel Geld für die Vermeidung von Entlassungen ausgegeben hat, sollte man nun auch die andere Seite des Arbeitsmarkts unterstützen", sagt Weber.

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