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Kellner Gastronomie Servicekraft Service Bedienung [Quelle: Unsplash.com, Autor: Brooke Cagle]

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Der Mindestlohn steigt zum Jahreswechsel. Hat er die Armut verringert? Oder gar Jobs gekostet? Vier Erkenntnisse nach vier Jahren mit der Regelung.

Die Arbeit der Mindestlohnkommission ist schwierig: Setzt sie den Mindestlohn zu niedrig an, bleibt er wirkungslos, die finanzielle Situation der Geringverdiener verbessert sich nicht. Setzt sie aber den Mindestlohn zu hoch an, sind Arbeitsplätze gefährdet, weil sich manche Betriebe die höheren Löhne nicht mehr leisten können. Gestartet ist der Mindestlohn mit Übergangsphasen und Ausnahmen Anfang 2015 mit 8,50 Euro. Zum 1. Januar 2019 erhöht er sich auf 9,19 Euro. Ob das die richtige Höhe sein wird? Vier Erkenntnisse aus vier Jahren Mindestlohn.

Der Mindestlohn hat kaum Arbeitsplätze gekostet

Viele Ökonomen hatten vor einem gesetzlichen Mindestlohn gewarnt. Sie gingen davon aus, dass er Arbeitsplätze vernichten würde. Bis zu 900.000 Jobs seien gefährdet, befürchtete das ifo-Institut vor der Einführung des Mindestlohns. Doch so schlimm ist es bei Weitem nicht gekommen.

Zwischen 40.000 und 60.000 Arbeitsplätze könnten durch den Mindestlohn verschwunden oder gar nicht erst entstanden sein, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgerechnet, die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Selbst die pessimistischsten Studien kommen auf nicht mehr als 80.000 verlorene Jobs. Manche Ökonomen und Ökonominnen weisen allerdings darauf hin, dass die Zahl ohne die gute Konjunktur der vergangenen Jahre womöglich höher ausgefallen wäre. Und was umgekehrt im Fall einer Wirtschaftskrise passiert, lässt sich nicht vorhersagen.

Dem IAB zufolge gingen vor allem Minijobs verloren. Und von den Beschäftigten, deren Minijob weggefallen ist, meldeten sich nur ganz wenige arbeitslos. Die Forscher werten das als Hinweis darauf, dass die Arbeitnehmer nicht von diesem Einkommen abhängig waren, sondern sich etwas dazuverdient haben, zum Beispiel als Studentinnen oder Rentner.

Ebenfalls häufig ihren Job verloren haben Beschäftigte in Ostdeutschland, wo die Löhne niedriger sind und der Mindestlohn deshalb eher ein Anreiz, eine Stelle zu streichen oder nicht neu zu besetzen. Es zeigt sich außerdem, dass der Mindestlohn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dazu bringt, einfache Arbeiten eher von Maschinen als von Menschen machen zu lassen – dass er also die Automatisierung beschleunigt. Das hat Alexandra Fedorets vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer noch unveröffentlichten Studie herausgefunden. "Kassiererinnen werden wegen des Mindestlohns zum Beispiel eher durch Selbstbedienungskassen ersetzt", sagt Fedorets.

Der Mindestlohn hat nur wenige Menschen aus der Armut geholt

Bisher hat der Mindestlohn also relativ wenig geschadet – aber hat er auch etwas gebracht? Betrachtet man die Stundenlöhne der Menschen mit geringen Einkommen, spricht auf den ersten Blick einiges dafür: Von 2014 bis 2016 hat der Stundenlohn der zehn Prozent mit dem geringsten Einkommen in Deutschland um fünfzehn Prozent zugenommen, in den Jahren zuvor nur um etwa ein Prozent, hat das DIW ausgerechnet. Ökonomin Alexandra Fedorets ist sich sicher, dass der Mindestlohn die Ursache ist: "Das erkennt man daran, dass die niedrigen Löhne insbesondere in denjenigen Regionen gestiegen sind, wo zuvor überdurchschnittlich viele Menschen weniger als 8,50 Euro die Stunde verdient haben."

Fedorets rät jedoch davon ab, nur auf die Stundenlöhne zu schauen. Denn während die für das untere Fünftel der Einkommensgruppen zwischen 2014 und 2015 um sechs Prozent stiegen, erhöhten sich die Monatslöhne nur um zwei Prozent, wie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen. Die Erklärung dafür: Laut Statistischem Bundesamt haben 41 Prozent der Betriebe, die der Mindestlohn betrifft, die Arbeitszeit gekürzt. Manche Arbeitnehmer haben wohl auch freiwillig reduziert, um bestimmte Einkommensgrenzen nicht zu überschreiten, die sich steuerlich auswirken, zum Beispiel für 450-Euro-Jobs.

Das IAB arbeitet dagegen mit anderen Daten und Methoden und kommt zu dem Ergebnis, dass auch die Monatslöhne um sieben bis zwölf Prozent gestiegen sind. Mario Bossler vom IAB zieht deshalb ein "verhalten positives Fazit" zu vier Jahren Mindestlohn. Verhalten, denn: "Der Mindestlohn hat nur wenige Menschen aus der sozialen Bedürftigkeit geholt." Sowohl die Zahl der Menschen, die von Armut gefährdet sind, als auch die Zahl der Beschäftigten, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen, sei kaum gesunken.

Bossler zufolge liegt das unter anderem daran, dass der Mindestlohn in einer Höhe eingeführt worden sei, bei der ein alleinstehender Vollzeitarbeiter nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen ist. "Viele Beschäftigte mit Mindestlohn arbeiten aber in Teilzeit oder müssen auch ihre Familie finanzieren", sagt Bossler.

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