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Ausländische Studenten: Die teure Ressource

Studenten lernen Prüfung Prüfungsvorbereitung (© fotolia.com - olly)

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Bald kommen 40 Prozent aus dem Ausland – doch zu viele brechen ab und zu wenige bleiben.

Jahr für Jahr beginnen mehr ausländische junge Menschen ein Studium in Deutschland, in diesem Jahr rund 100.000. Sie bilden, neben den Frauen, die wertvollste Ressource gegen Fachkräftemangel. Doch die Republik vernachlässigt das Potenzial: "Deutschland ist ein Bildungstransitland", mahnt der Vizegeneralsekretär des Stifterverbandes, Volker Meyer-Guckel. "Wir investieren viel Geld in ausländische Studierende, tun aber zu wenig, um sie erfolgreich zum Abschluss zu führen und zum Bleiben zu motivieren", sagte er bei der Vorstellung des "Hochschul-Bildungs-Reports 2020" des Verbandes mit der Unternehmensberatung McKinsey.

Die Zeit drängt: Aktuell hat jeder fünfte Student einen ausländischen Pass - nach den Prognosen des Reports werden es schon 2025 40 Prozent sein. Aktuell brechen jedoch 41 Prozent der Ausländer ihr Studium ab. Und von den Erfolgreichen bleiben nur 44 Prozent in Deutschland. Gelänge es, die Abbruchquoten auf das Niveau der Deutschen von 30 Prozent zu senken und wenigstens 52 Prozent der Ausländer für einen Job in Deutschland zu begeistern (so viel sind es bei den EU-Ausländern) würde die Republik pro Jahr rund 10.000 Fachkräfte dazugewinnen. Wenn sich jedoch nichts ändert, kommt das den Staat extrem teuer: Denn die Investitionen pro Absolvent und Berufseinsteiger in den deutschen Arbeitsmarkt betragen für einen ausländischen Studenten bei den aktuellen Ausfall und Rückkehrquoten rund 134.000 Euro - dreimal so viel wie für einen deutschen Berufseinsteiger.

Gelingen kann eine Wende aber nur, wenn Hochschulen und Wirtschaft sich mehr bemühen: Ideal wäre es, wenn der Bund die Finanzierung des ausländischen Studenten übernähme, fordert Meyer-Guckel. Nach der jüngsten Grundgesetzänderung ist das nun zumindest rechtlich möglich. Dann könnte Berlin zugleich Anreize setzen, damit die Ausländer besser betreut und mehr von ihnen bis zum Abschluss gebracht werden. Die Wirtschaft sei gefragt, um mehr Praktika anzubieten und bei der Vermittlung in einen Job zu helfen.

Eine alarmierende Auslandsmüdigkeit zeigt sich bei den deutschen Studenten: Der Anteil derer, die ihr Studium zum Teil in fremden Ländern absolvieren, stagniert seit Jahren bei sechs Prozent. Dazu kommt: Inzwischen zieht es 54 Prozent in die Schweiz, Beneluxländer oder nach Österreich - 2001 waren es 28 Prozent. "Nichts gegen ein Studium in diesen teilweise deutschsprachigen Ländern", sagt McKinsey-Direktor Jürgen Schröder. "Aber Fakt ist, dass deutsche Studierende dort wahrscheinlich nicht in dem Maße die Fähigkeiten erlernen, die global aufgestellte Unternehmen auf außereuropäischen Märkten benötigen."

Unternehmen müssten daher viel mehr Praktika im Ausland anbieten und enger mit Hochschulen kooperieren. Die wiederum müssten Auslandsaufenthalte innerhalb der Regelstudienzeit ermöglichen. Schließlich hapert es oft am Geld: Nur jeder zehnte Studierende mit bildungsfernem Hintergrund habe sich für ein Auslandsstudium entschieden - im Gegensatz zu jedem sechsten Studierenden aus bildungsnahen Familien. Daher fordern Stifterverband und McKinsey eine "Auslandsgarantie" des Bundes: Dafür müsse der das Auslands-BAföG komplett als Zuschuss vergeben.

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