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Ich bin Karriereurlauberin

Urlaub, Erholung, Ausblick, Hotel [Quelle: unsplash.com, Autor: Evan Kirby]

Quelle: unsplash.com, Evan Kirby

Früher lag ich den ganzen Sommer bei Opa im Liegestuhl, heute muss mein Urlaub sich rechnen: Er muss mich weiterbringen, sich selbst erklären. Warum?

Martin*, Tim* und Lukas* sind letzten Sommer von Wien nach Bukarest mit dem Fahrrad gefahren, um "einmal an die eigenen Grenzen zu gehen, schauen, was der Körper alles aushält". Tami* gibt drei Wochen lang Kindern Englischunterricht in einer Schule in Peru. Bettina* macht den Sommer über einen Französisch-Sprachkurs in Marseille, "damit das Auslandssemester in Lyon sich auch ausgezahlt hat." Und dann sind da sowieso alle Annas* und Flos*, die vom ersten Ferientag an in einem runtergekühlten Büro sitzen und ihr drittes, viertes, siebtes Praktikum machen.

Bisschen übertrieben, oder? Sind doch Ferien.

Ich wollte es anders machen

Ich bin auf einer Almwiese über der Baumgrenze auf 1.700 Meter Seehöhe. Hinter dem Hügel geht schon die rote Sonne auf. Es ist 5.30 Uhr und die Kühe drängen sich um mich. Sie wollen alle was von der Maulgabe, einem Gemisch aus Weizenkleie und Salz, mit dem ich sie seit zwei Wochen jeden Morgen füttere. Seit zwei Wochen falle ich jeden Abend um neun Uhr ins Bett und stehe auf, wenn draußen noch der Morgennebel in den Tälern hängt.

"Ich wollte mal weg von Autos, von Handys, von Nachrichten und mal wirklich ganz raus, Natur, Berge und so", erklärte ich vorher, wenn wer fragte, warum ich während meiner Ferien unbezahlt auf einer Alm arbeiten wollte.

Diesen Sommer wollte ich es wirklich anders machen als die anderen. Ich wollte raus aus meinem Umfeld, rein in die Natur und in eine Welt, wo es zuallererst immer um "die Viecher" geht. Ich wollte herausfinden, ob ich mit der Einsamkeit auf einer Alm klarkomme und ich das vielleicht sogar gut finde. Ich wollte wissen, wie es ist, 1.000 Höhenmeter über dem Rest der Gesellschaft und ohne Handyempfang, fließendes Wasser und Strom zu leben.

Die ersten Tage klappten erstaunlich gut. Ich mochte die Müdigkeit in den Beinen am Abend, die frische Luft und wenn die Kälber meine Hände ableckten.

Am dritten Tag schaute ich schon, während ich die Kühe fütterte, immer wieder verstohlen auf mein Handy: Gibt es vielleicht doch Netz? Ich machte Selfies mit Kühen und verschickte sie an Freunde. Ich dachte bald daran, diesen Text zu schreiben.

Ich merkte, dass ich die Ruhe und die Natur genoss, aber auch vor allem das Bild von mir darin. Ich dachte daran, wie ich in der Zukunft von meinem Aufenthalt auf der Alm profitieren würde: Ich wanderte gern über die Alm und fütterte die Tiere morgens (Fitness! Frische Luft! Gute Story!), ich mochte es, abends in der Wiese zu sitzen und mir den Sonnenuntergang anzuschauen (Fotos!), ich diskutierte gern mit den Almgästen über geschlossene und offene Grenzen (Horizont!).

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