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Schanghai - Abenteuer in einer anderen Welt

Shanghai, Skyline, China, Nacht [Quelle: freeimages.com, Autor: bhavitnaik]

Quelle: freeimages.com, bhavitnaik

Wer in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai studieren will, muss leidensfähig sein. Es warten windige Berater und andere Fallen - aber der Aufenthalt kann sich trotzdem lohnen.

Als jüngst das Bundespräsidialamt die erste Amtsreise des deutschen Staatsoberhaupts durch China plante, suchten die Beamten einen geeigneten Platz in der Volksrepublik, an dem der frühere ostdeutsche Pastor seine geplante Grundsatzrede halten konnte, in der Joachim Gauck den Kommunismus verdammen wollte. Die chinesische Hauptstadt Peking war der herrschenden Kommunistischen Partei zu nah am politischen Zentrum. Also flog Gauck nach Schanghai, Chinas Wirtschaftsmetropole. Dort, im größten verfügbaren Vorlesungssaal der Universität Tongji, die vor fast 110 Jahren von der deutschen Regierung als "Deutsche Medizinschule" gegründet wurde, mahnte Gauck nach ein paar Einleitungsworten die chinesische Regierung, eine Universität müsse ein "Ort freier Forschung und freier und offener Debatten" sein.

Genau dies ist auch nach Ansicht vieler chinesischer Professoren in Gefahr, seit eine Kampagne zur Reideologisierung unter Chinas Präsident Xi Jinping die Hochschullehrer des Landes offiziell davor gewarnt hat, Lehrbücher zu verwenden, die "westliche Werte verbreiten". Seit neuestem müssen die Professoren Listen ausfüllen, welches Material nichtchinesischer Herkunft sie in ihren Veranstaltungen einsetzen. Klar begrüßt werden von der Pekinger Führung die Schriften nur eines Denkers aus dem Westen: Karl Marx, dessen riesige Steinstatue Gauck auf dem Tongji-Campus in Schanghai begrüßte.

Der Glanz der Stadt, von deren mondäner Uferpromenade aus der Blick auf eine der atemberaubendsten Wolkenkratzer-Skylines der Welt hinausreicht, legt Zeugnis ab von der Modernität eines der Zentren der neuen Welt. Wahr ist allerdings ebenso, dass Schanghai in China liegt, einem Land, in dem nach vielen Jahren der steten Öffnung ein wieder stärker zu vernehmender reaktionärer Geist vorherrscht. Wer als deutscher Gaststudent ein oder mehrere Semester in China verbringt, erlebt eine Nation, die sich von der westlichen Welt fundamental unterscheidet. Genau das ist für viele der Grund, herzukommen.

23 Hochschulen gibt es in der Stadt

Denn Schanghai ist ein Abenteuer. Bars, Restaurants und Clubs gibt es hier im Überangebot und in jeder Preisklasse: An 23 Hochschulen in der Stadt können nach Angaben der chinesischen Regierung Ausländer studieren. Den besten Ruf hat wohl die Fudan-Universität, die berühmt ist für ihre Studiengänge für Literatur, Sozialwissenschaften, Geschichte und Journalismus. Die Hochschule Jiaotong, die gerade erst ihren 120. Geburtstag gefeiert hat, genießt ein nicht minder großes Ansehen in den naturwissenschaftlichen Fachbereichen wie Ingenieurwissenschaften oder Biologie. Auf die Plakate, mit denen sie für ihr Jubiläum warb, druckte die Jiaotong-Universität ein Foto ihres prächtigen Eingangstors, das an die Verbotene Stadt in der Hauptstadt Peking erinnert. Auch gute chinesische Ökonomen haben hier studiert. Chinas früherer Präsident Jiang Zemin, der aus Schanghai stammt, ist ein Jiaotong-Absolvent und war für Elektroingenieurwesen eingeschrieben.

Am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg der Tongji-Universität studieren nicht nur Chinesen drei Jahre lang auf Master Maschinenbau oder Wirtschaftswissenschaften. Auch deutsche Gaststudenten, die an einer der Partneruniversitäten in der Bundesrepublik eingeschrieben sind, können hier für ein oder zwei Semester ein Auslandsstudium absolvieren. Die Organisation des Aufenthalts in der Fremde ist für die deutschen Tongji-Studenten vergleichsweise gut - so wie an der privaten MBA-Schmiede China Europe International Business School (Ceibs), wo Auslandsstudenten sogar einen kompletten Management-Abschluss erlangen können. Das hat seinen Preis: Knapp 400.000 Yuan (54.000 Euro) kostet der 18 Monate dauernde MBA-Kurs an der Ceibs, die von der chinesischen Regierung und der Europäischen Kommission gegründet wurde. Auch Professoren aus Deutschland lehren hier. Unterrichtssprache ist Englisch.

Auch an der Tongji-Universität finden für deutsche Gaststudenten die Lehrveranstaltungen nicht ausschließlich auf Chinesisch statt - ein großer Vorteil gegenüber anderen Hochschulen in der Stadt, in der es Auslandsstudenten ohne ausgezeichnete Kenntnisse der Landessprache schwer haben. Trotzdem lag die Zahl deutscher Studenten, die für mindestens ein Semester nach China gehen, bereits 2012, dem Jahr der jüngsten Erhebung, bei jährlich über 6000. Damit läge die Volksrepublik an siebter Stelle der beliebtesten Studienländer der Deutschen. Weil die Bedeutung des Wirtschaftsstandorts China seitdem nochmals stark gestiegen ist, dürften es inzwischen sogar noch mehr sein.

Denn die Exotik des chinesischen Auslandsjahrs hebt sich im Lebenslauf in den Augen vieler Personalverantwortlicher wohltuend ab. Auch wenn etwa nicht wenige deutsche Medizinstudenten, die eigentlich an den Krankenhäusern der Tongji-Universität im Operationssaal assistieren sollen, in der Realität von ihren chinesischen Professoren eher wenig betreut werden und die Monate in Asien in der Folge zu ausgedehnten Reisen durch das Reich der Mitte und nach Japan nutzen: Was das Jahr fern der deutschen Heimatuniversität für das eigentliche Studium an fachlichen Fortschritten bringt, ist aber nicht nur im Fall China mit seiner schwer zu erlernenden Sprache und dem für Deutsche gewöhnungsbedürftigen Frontalunterricht fraglich. Sondern nicht selten auch beim Erasmus-Aufenthalt in Südfrankreich oder Barcelona, der sich im Nachhinein als eine große Party herausstellt.

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