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Im Fach Betriebswirtschaftslehre wird in St. Gallen, Zürich und München am stärksten geforscht. Das zeigt das neue Handelsblatt-Ranking. Viele Unis werden mittlerweile eher wie Konzerne geführt als wie Behörden. Wer Leistung bringt, erhält mehr Personal – und oft auch mehr Geld.

Auf den ersten Blick mag man St. Gallen für ein kleines Nest halten. Schön ist die Altstadt, schön sind die Berge drum herum – und alles ist so übersichtlich. Kein Wunder, die Stadt hat nur 75 000 Einwohner.

Doch wenn es um die Spitzenforschung in der Betriebswirtschaftslehre geht, ist St. Gallen ein Zentrum Europas. Und im deutschsprachigen Raum ist es das Zentrum schlechthin.

An keiner anderen Uni veröffentlichen die Betriebswirte so viele so prominente Publikationen in internationalen Fachzeitschriften wie dort oben auf dem Berg über der St. Gallener Innenstadt, wo die Uni ihren Sitz hat. Im BWL-Ranking des Handelsblatts – das alle zwei Jahre die forschungsstärksten Wissenschaftler und Fakultäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz kürt – liegen die Nordschweizer nach 2012 erneut ganz vorn – und das mit Abstand. Auf den Plätzen dahinter: Uni Zürich und die TU München. Es folgen die beiden Wiener Hochschulen, die WU und die Uni.

Für das Ranking werden alle Publikationen gezählt, die die Betriebswirte einer Universität in den letzten zehn Jahren in prominenten Fachzeitschriften der Betriebswirtschaftlehre veröffentlicht haben. Je renommierter das Journal, desto mehr Punkte gibt es. Die Datenarbeit übernimmt dabei ein Team der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.

Für die meisten Universitäten, die im Ranking gut abgeschnitten haben, war die Fokussierung auf die Spitzenforschung kein zufälliger Erfolg, sondern ein bewusst geplanter. So etwa bei der Technischen Uni München, die vor fünf Jahren noch auf Rang zwölf zu finden war: "Wenn wir Stellen ausschreiben, schauen wir sehr auf die Publikationsliste der Bewerber", sagt Holger Patzelt, Vizedekan der TU.

Gefördert durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern konnten die Münchener Betriebswirte zuletzt zahlreiche neue Professuren schaffen. Viele davon sind sogenannte Tenure-Track- Stellen, bei denen die spätere Beförderung zum ordentlichen Professor von Anfang an in Aussicht gestellt wird. Diese sind besonders begehrt, schließlich ist die Zeit vor der Berufung auf den eigenen Lehrstuhl für viele Forscher eine mit großen Unsicherheiten.

Die Investitionen zahlen sich aus: Im Schnitt haben die TU-Forscher eine um die Hälfte höhere Zahl an prominenten Publikationen als die lokale Konkurrenz von der LMU. Aus der Kombination von Betriebswirtschaft und Ingenieurwesen, die an der Technischen Uni im Vordergrund steht, ergeben sich viele spannende Forschungsfragen. Überhaupt steigen die Technischen Hochschulen auf: Neben München konnten auch die in Darmstadt und Aachen einen Satz nach vorn machen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Fakultäten ist die richtige Organisation: An der TU München orientiert man sich mehr und mehr am Vorbild der Departments, wie sie im angelsächsischen Raum üblich sind – auch viele andere Top-Unis gehen denselben Weg. Die Lehrstühle sind, was die Mitarbeiterzahl angeht, deutlich kleiner als früher, man teilt sich die Sekretariate – und die Doktoranden sind nicht mehr so fest an einen Professor gebunden wie es lange üblich war. Heute forschen alle zusammen.

Doch manche Uni hat auch mit klassischen Strukturen Erfolg. An der TU Darmstadt – deren lediglich neun Professoren mit die höchste Pro-Kopf- Punktzahl erreichen – hat man sich ebenfalls entschieden, stärker interdisziplinär zusammenzuarbeiten, hat die Lehrstuhlstruktur aber beibehalten. "Wir haben das eher kulturell gelöst, weniger strukturell auf der Fachgebietsebene", sagt Dekanin Ruth Stock-Homburg.

Strukturelle Änderungen gab es dennoch: So hat man drei inhaltlich ausgerichtete Forschungssäulen geschaffen. In diesem Rahmen arbeiten die einzelnen Spezialisten interdisziplinär zusammen. Mehrmals pro Semester trifft man sich, um gemeinsame Publikationen und andere Projekte voranzutreiben.

In Darmstadt, München, St. Gallen und an vielen anderen Unis gibt es inzwischen Anreizsysteme, die eher an einen Konzern erinnern als an einen Staatsbetrieb. So werden Forschungsmittel und Mitarbeiterstellen je nach Leistung vergeben. Wer viel publiziert, bekommt mehr. An manchen Unis – etwa in Frankfurt – bekommen Forscher inzwischen sogar einen leistungsabhängigen Bonus. Lange Zeit wäre das völlig undenkbar gewesen im Staatsdienst. Doch um im Wettbewerb um die hellsten Köpfe mithalten zu können, muss auch der Staat neue Wege gehen: Längst werben die Fakultäten mit Aufschlägen zur Grundbesoldung um prominente Neuzugänge.

Wer sich an den Fakultäten umsieht, der merkt: Bisher ist die Spitzenforschung in der BWL noch immer eine Männerdomäne. Unter den zwanzig forschungsstärksten Betriebswirten findet sich derzeit keine Frau, die erste folgt auf Platz 28.

Doch Experten sind optimistisch, dass sich das bald ändert. Ein Grund: Die neuen Tenure-Track-Laufbahnen sind wegen ihrer Planbarkeit viel besser mit einem Familienleben vereinbar. Die früher immer vorhandene Gefahr, nach der Habilitation arbeitslos zu werden, ist damit deutlich kleiner. "In zehn Jahren wird die Quote aus Frauen und Männern ganz anders sein", ist sich auch Holger Patzelt sicher. Schließlich sei das Verhältnis bei den Nachwuchswissenschaftlern schon jetzt viel ausgeglichener.

Die Rangliste und eine Beschreibung der Methodik findet sich hier: www.handelsblatt.com/bwl-ranking

Die forschungsstärksten BWL-Fakultäten im deutschsprachigen Raum [Quelle: Handelsblatt]

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