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OECD empfiehlt Studiengebühren

Geld Gebühren Kosten [Quelle: Pixabay.com, Autor: moerschy]

Quelle: Pixabay.com, moerschy

Der deutsche Staat soll wieder für das Studium kassieren – oder mehr Geld investieren.

Die Industrieländerorganisation OECD hat Deutschland empfohlen, über die Neu-Einführung von Studiengebühren nachzudenken. "Gemessen am Bruttoinlandsprodukt investiert Deutschland relativ wenig ins Bildungssystem", sagte OECD-Vizegeneralsekretär Stefan Kapferer bei der Vorstellung des aktuellen OECD-Bildungsberichts. Daher müsse man "entweder mehr Mittel ins System bringen oder neu über Studiengebühren diskutieren". Kapferer war vor dem Wechsel zur OECD Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Gebühren hätten auch den Vorteil, dass "junge Leute es sich vielleicht besser überlegen, ob sie ein Studium überhaupt beginnen oder nicht doch eine Lehre machen", so Kapferer. Jene Studenten, die einige Semester hinter sich hätten, wären angesichts des investierten Geldes vielleicht motivierter, das Studium "auch zu Ende zu bringen". So könnten Gebühren helfen, die hohe Abbrecherquote von 28 Prozent zu senken.

Insgesamt gibt Deutschland 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung aus. Das ist seit 2010 nahezu unverändert und liegt deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,3 Prozent. Die Kosten der Hochschulbildung zahlt in Deutschland zu 86 Prozent die öffentliche Hand. Im Schnitt der EU-Länder, die auch OECD-Mitglied sind, sind es nur 78 Prozent. In der gesamten OECD sogar nur 70 Prozent. Das kommt daher, dass in sehr vielen Ländern die Studenten Gebühren zahlen und somit das Gesamtbudget steigt.

Rektorenpräsident Horst Hippler warnt schon länger: "Die Hochschulen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand" – trotz der Hochschulpakte, über die der Bund Milliarden zuschießt. Doch seit den 1970er-Jahren ist die Zahl der Studenten von 500.000 auf 2,7 Millionen gestiegen. Die Zahl der Studenten pro Professor stieg von 30 auf 60.

Ab 2007 hatten sieben Bundesländer Studiengebühren von 500 Euro pro Semester eingeführt. Doch nach und nach stiegen sie wieder aus – vor allem dort, wo SPD und Grüne die Regierungsgeschäfte von der Union übernahmen. 2014 schaffte Niedersachsen als letztes Land die Gebühren ab. Das Argument gegen Studiengebühren: Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern würden von einem Studium abgehalten. Zudem lockt Gebührenfreiheit viele zusätzliche ausländische Studenten hierher. Sie gelten als wertvollste Ressource gegen den Mangel an Hochqualifizierten.

Zuletzt mehrten sich die Stimmen wieder, die sich für Studiengebühren starkmachen. Eine Umfrage des Münchener Ifo-Instituts zeigte jüngst, dass es in der Bevölkerung dafür inzwischen sogar eine knappe Mehrheit gibt.

Die Politik allerdings wagt sich nicht so recht an das Thema ran: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verwies auf die Länder, die sich nun mal pro Ausstieg entschieden hätten. Dem wollte Kultusministerpräsidentin Brunhild Kurth aus Sachsen (ebenfalls CDU) nichts hinzufügen.

OECD empfiehlt Studiengebühren [Quelle: Handelsblatt]

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