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"Zum Sprung an die Spitze wären 50 Millionen Euro nötig"

Frankfurt, Skyline, Main [Quelle: pixabay.com, Autor: Brigitte Neubert]

Quelle: pixabay.com, Brigitte Neubert

Nach 20 Jahren als Präsident kennt kaum einer die Szene besser. Udo Steffens leitet die Frankfurt School of Finance seit einer halben Ewigkeit. Was braucht es, um als deutsche Business School Harvard und Co. herauszufordern? Ein Interview.

Herr Steffens, stimmt es, dass sich Business Schools in Deutschland permanent miteinander vergleichen – und war das schon so, als Sie vor 20 Jahren Präsident in Frankfurt wurden?

Das stimmt. Diesen Wettbewerb, bei dem wir uns gegenseitig beobachten, gibt es verstärkt seit ungefähr fünf Jahren.

Und wie sieht das aktuelle Ranking aus?

Viele werden Mannheim ganz vorne sehen. Diese Position ist gleichwohl nicht gefestigt, es gibt Wettbewerb. Mannheim, die WHU in Vallendar, ESMT in Berlin und wir – das ist die aktuelle Spitze, würde ich sagen. Aber auch die Kölner nehmen Fahrt auf, Münster ebenso. Die Norddeutschen halten sich nach meiner Beobachtung etwas zurück. So oder so: Der Markt ist in Bewegung, auch die Bewertungsmaßstäbe ändern sich dynamisch.

Inwiefern?

Mit den Rankings und den internationalen Akkreditierungen ist eine neue, eigene Welt für Business Schools entstanden. In Deutschland haben wenige Business Schools oder Wirtschaftshochschulen eine hochwertige, auch international renommierte Akkreditierung. Neun sind von AACSB akkreditiert, sechs von EQUIS. Wir und nur drei weitere haben beide Akkreditierungen. Gemessen an der Wirtschaftskraft Deutschlands und unserer globalen Bedeutung, ist dies, verglichen mit Ländern wie Frankreich oder sogar Holland, eine kleine Zahl. Von Großbritannien und den Vereinigten Staaten gar nicht zu reden. In Deutschland sind die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten an Universitäten und Business Schools immer noch sehr zögerlich, wenn es um europäische Normen und Standards geht.

Warum ist das so?

Bei uns zählt der Abschluss an sich, weniger die Frage, an welcher Uni oder School er erworben wurde. Wir haben eine eher egalitäre Kultur – die ja auch ihr Gutes hat. Europäische, gebührenfinanzierte Business Schools stecken aber in einem Wettbewerb, bei dem eine exzellente Forschung und ein gutes Standing im MBA-Markt die Treiber sind. Die deutschen Top-Adressen orientieren sich eher europäisch und an den Schools in den Vereinigten Staaten. Dort wird Bildung gewissermaßen als Industrie mit entsprechendem Wettbewerb verstanden. Deutschen Wirtschaftsförderern ist meist nicht bewusst, welche Bedeutung Universitäten haben. Sie erkennen nicht, dass sie einen immensen Wirtschaftsfaktor darstellen und Wachstum und Innovation oft erst ermöglichen. Im Bewusstsein der Politiker sind Bildung und Forschung ein "Eh-da-Faktor".

Was, bitte?

Universitäten, Hochschulen – die sind doch eh da, das ist die Haltung. Sie werden vor allem über anonymisierte Steueraufkommen finanziert. Eine strategische Intervention wie in anderen Ländern findet selten statt. Dabei gibt es keine besseren Investitionen als jene in die intellektuelle Infrastruktur. Hier hat Frankfurt sicher einen Standortvorteil gegenüber anderen Städten – verglichen mit Paris oder London, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Hätten Sie sich vor 20 Jahren überhaupt getraut, Vergleiche mit internationalen Top-Adressen unter den Business Schools anzustellen oder sich anzusehen, was man übernehmen kann?

Nein, niemals. Die waren damals auf einem anderen Planeten und, verglichen selbst mit der Frankfurter Uni, weit entfernt. Das konnten wir noch nicht mal denken. Dafür fehlte uns allen, auch mir, die Erfahrung. Es war für uns vielmehr "learning by doing", mit Korrekturen zwischendurch. Erst allmählich haben wir erfasst und angenommen, dass wir uns auf einem Bildungsmarkt bewegen und entsprechend aufgestellt sein müssen.

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