Partner von:

Mit Brief und Siegel

[Quelle: freeimages.com, Autor: some_bo]

Quelle: freeimages.com, some_bo

Millionengeschäft Akkreditierung: Wie Hochschulen geprüft werden.

Hält der Studiengang, was er verspricht? Ist das Ziel tatsächlich erreichbar? Und passt auch die Prüfungsordnung? Diese Fragen müssen sich nicht mehr nur private Hochschulen stellen lassen. Seit der Bologna-Reform und der Umstellung auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master schicken staatliche und nicht staatliche Universitäten und Fachhochschulen ihre Studiengänge durch einen Tüv - Akkreditierung nennt sich das.

Zehn Akkreditierungsagenturen werben darum, diese Prüfung für die Hochschulen durchzuführen. Einige durchleuchten Studiengänge jedes Fachs, andere haben sich auf bestimmte Disziplinen fokussiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern herrscht in Deutschland dabei ein gewisser Wettbewerb. Und der "ist durchaus erwünscht", sagt Frank Börsch, Vizegeschäftsführer des Akkreditierungsrats, der das deutsche Akkreditierungssystem regelt und organisiert.

Die Agenturen sind als Stiftungen oder gemeinnützige Vereine auf einem hochspezialisierten Markt unterwegs, der von außen nur schwer zu durchschauen ist und auf dem viel Geld fließt: Laut einem Papier des Wissenschaftsrats, dem obersten deutschen Beratergremium in Hochschulfragen, aus dem Jahr 2012 geben die Hochschulen in Deutschland pro Jahr zwischen 7,5 und 20 Millionen Euro nur für diese Verfahren aus. Einen Studiengang anerkennen zu lassen kostet etwa 10.000 bis 15.000 Euro, für die Evaluierung der gesamten Hochschule sind es bis zu 100.000 Euro.

Formal müssen sich die Agenturen dabei exakt an die vorgeschriebenen Kriterien und Verfahrensregeln halten. Mit der Akkreditierung ist die offizielle Anerkennung verbunden - und die muss auch den europäischen Bildungsstandards entsprechen. In Feinheiten unterscheiden sie sich dann doch: mehr Service, schnelleres Tempo oder zusätzliche Dienstleistungen? Da sind die Agenturen frei. Die Konkurrenz sorgt so aus Sicht des Akkreditierungsrats für eine gewisse Qualitätssicherung. "Für die Hochschulen ist es auf jeden Fall ganz hilfreich, dass sie zu einer anderen Agentur gehen können, wenn sie nicht zufrieden sind", sagt Börsch vom Akkreditierungsrat.

Wie Marktschreier preisen die Agenturen ihre Angebote dennoch eher nicht an. Hochschulen seien eine "Kundschaft, die eine aggressive Werbung nicht schätzen würde", sagt Henning Dettleff, der frühere Vizechef der auf Wirtschaftsstudiengänge spezialisierten Agentur Fibaa. Häufig erhält der Prüfer den Zuschlag, mit dem man schon in den vergangenen Jahren regelmäßig zusammengearbeitet hat.

Es gibt eine Möglichkeit, um die Einzelprüfungen herumzukommen. Das ist der Weg, den die TU Dresden gegangen ist. Zwei Jahre lang wurde sie dafür von den Prüfern der Agentur Acquin begleitet, beobachtet und mehrfach evaluiert. Im Sommer 2015 bekam sie das begehrte Siegel der Systemakkreditierung, bei der das gesamte Qualitätsmanagement der Hochschule bewertet wird. Dieser ultimative Tüv wird für die Hochschulen immer interessanter. Knapp 30 Verfahren sind abgeschlossen, etwa 20 weitere haben begonnen.

Die größte Erfahrung mit dieser für Hochschulen ungewohnten Prüfung haben die formal nicht gewinnorientierten Akkreditierungsagenturen selbst. Und so unterstützen sie heute über kommerziell tätige Beratungstöchter die Universitäten und Fachhochschulen mit Schulungen oder Seminaren - häufig auch bei den Vorbereitungen für anstehende Akkreditierungen.

Für die Hochschulen ist es auf jeden Fall ganz hilfreich, dass sie zu einer anderen Agentur gehen können, wenn sie nicht zufrieden sind.

Frank Börsch, Vizegeschäftsführer des Akkreditierungsrats

Auf dem kleinen Markt profitieren dadurch oft mehrere Agenturen von einem Verfahren. So wurde die Fachhochschule der Wirtschaft etwa von der Acquin-Tochter Acquinus bei der Entwicklung akkreditierfähiger Anrechnungsverfahren beraten. Das Siegel gab es dann von der Fibaa. "Aus unserer Sicht ist es sehr wichtig, dass da eine klare Trennung gewährleistet ist", sagt Börsch vom Akkreditierungsrat. In den Anfangsjahren habe es immer wieder Grenzfälle gegeben, bei denen der Akkreditierungsrat eingreifen musste. Mittlerweile habe sich das jedoch eingespielt.

Akkreditierte Studiengänge in Deutschland [Quelle: Handelsblatt]

Dabei bleibt die Verbindung oft eng, wie ein Blick auf die Homepage einiger Agenturen zeigt: Häufig sind die verantwortlichen Berater und Geschäftsführer der Beratungstöchter auch als Referent in den Akkreditierungsverfahren selbst beschäftigt. "Wenn wir beraten, führen wir die Akkreditierung nicht durch", unterstreicht aber Marion Moser, stellvertretende Geschäftsführerin von Acquin. Auch der frühere Fibaa-Vize Dettleff betont: Innerhalb der Agentur gebe es klar getrennte Verfahren und separate Laufwerke für die entsprechenden Dateien zu Beratung und Akkreditierung. Auch bei freiberuflichen Mitarbeitern, häufig Professoren, die als Gutachter oder Experten helfen, gebe es eine klare Sperrliste, um Überschneidungen zu vermeiden.

Je länger die Agenturen am Markt sind, desto schwieriger wird aber in einigen Fällen die Trennung. Darf eine Agentur etwa eine Systemakkreditierung durchführen, wenn sie vor einigen Jahren beim Aufbau des Qualitätsmanagements einer Fakultät derselben Hochschule beraten hat? Viele dieser Fragen werden auf dem kurzen Dienstweg geklärt - mittels eines Anrufs beim Akkreditierungsrat: "Wir wollen verhindern, dass der Eindruck entsteht, dass die Agenturen ihr eigenes Süppchen kochen", sagt Börsch, "das ist für die Akzeptanz des Akkreditierungsverfahrens sehr wichtig."

Ein bisschen transparenter soll das System zudem werden: Ende September beschloss der Akkreditierungsrat, dass bei allen Verfahren, die nach dem 1. Januar 2016 beginnen, die Akkreditierungsentscheidung und das vollständige Gutachten veröffentlicht werden müssen - auch wenn eine Hochschule den Tüv nicht besteht.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Du bist noch auf der Suche nach einem passenden Studiengang? e-fellows.net stellt dir ausgewählte Unis und Programme vor - ob Master, Promotion oder MBA.

Aktuelles zum Studium

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren