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So funktioniert die Promotion neben dem Job

Mädchen Doktorhut Bücherstapel Mädchen jubelt (© Syda Productions - Fotolia.com)

© Syda Productions - Fotolia.com

Der Doktortitel verlangt Wissenschaftlern jahrelange Arbeit ab. Manche wagen die Herausforderung sogar neben dem Job. Das ist schwierig und zermürbend. Doch es gibt Wege, den Kraftakt zu meistern.

Markus Biederman hat sich extra einen Tablet-Computer gekauft. Selbst wenn er nur kurz im Auto warten muss, zieht er das schmale Gerät hervor, liest wissenschaftliche Artikel oder sucht nach neuen Texten. Biedermann arbeitet als Supervisor bei der Deutschen Flugsicherung, er ist Abteilungsleiter für Fluglotsen. Das bedeutet eine 40-Stunden-Woche im Schichtdienst. Aber Markus Biedermann promoviert auch. Neben dem Beruf.

Im vergangenen Jahr hat er einen berufsbegleitenden Studiengang an der Fachhochschule Frankfurt abgeschlossen, als sein Professor ihn fragte, ob er nicht noch eine Doktorarbeit schreiben wolle. Gedacht hatte Markus Biedermann daran bisher noch nie, aber kaum war der Vorschlag da, "fängt das an, in einem zu arbeiten", sagt er.

Er entschied sich dafür, informierte seinen Arbeitgeber und forscht nun neben seinem normalen Arbeitsalltag zum Einfluss des Menschen auf die Sicherheit in der Luftfahrt. Rund 28.000 Menschen erlangen jedes Jahr den Doktortitel, ermittelte das Statistische Bundesamt. Wie viele von ihnen neben dem Beruf promoviert haben, ist nicht bekannt.

Erst seit Kurzem erfassen Universitäten überhaupt die Zahl ihrer Promovenden. Im Wintersemester 2010/11 waren 16 Prozent aller arbeitenden Promovenden in der Wirtschaft oder bei sonstigen Arbeitgebern beschäftigt, heißt es im letzten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs. Allerdings ist unklar, wie viele davon zum Beispiel mithilfe ihres Arbeitgebers eine Industriepromotion durchführen und wie viele in ihrer knappen Freizeit forschen, so wie Markus Biedermann.

Infografik Promotion lohnt sich [Quelle: Infografik Die Welt]

An den Schreibtisch statt aufs Sofa

Fest steht aber, dass sie es besonders schwer haben. "Eine besonders förderliche Promotionsumgebung ist das natürlich häufig nicht", sagt Jörg Neumann, Geschäftsführer der Graduierten-Akademie der Universität Jena über die berufstätigen Promovenden. Eine reguläre Promotion in Vollzeit beschäftigt ihren Autor etwa drei Jahre.

Den Berufstätigen bleiben nur die Randzeiten. Während andere abends aufs Sofa fallen, müssen sie sich wieder an den Schreibtisch setzen. Und das über eine lange Zeit. "Die Promotion kann auch sieben Jahre oder länger dauern. Diese Zeit sollte man sich auch zugestehen", sagt Silke Hell, die an der Universität Konstanz für Personalentwicklung und Nachwuchsförderung für Promovierende zuständig ist. Ohne eine gute Strategie geht das nicht.

Markus Biedermann hat seine Arbeit in drei Schritte unterteilt: Recherche, Literatur durcharbeiten und Schreiben. Recherche geht am schnellsten. In dem Onlinekalender, den er mit seiner Frau führt, blockt er sich dafür Zeiten, egal wie kurz sie sind. "12.30 bis 13 Uhr: Literaturrecherche", steht dann da.

Trotzdem kommt die Promotion für ihn erst an dritter Stelle, hinter Familie und Beruf. Beide dürfen nicht leiden. "Die Promotion hat keine Deadline, ob man ein halbes Jahr länger braucht, ist wirklich egal", sagt er. Familienurlaube mit einer Frau und den zwei Kindern will er nicht ausfallen lassen. Auch Silke Hell rät dazu, feste Zeiten für Partner und Familie einzuplanen.

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Viele Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net promovieren. Du möchtest auch deine Doktorarbeit vorstellen? Schreib eine E-Mail an Julia Hausmann.

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