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Qual der Wahl

Fragen abseits des Protokolls [Quelle: freeimages, Autor: adamci]

Quelle: freeimages, adamci

Tausende MBA-Anbieter weltweit werben für ihre Programme. Da fällt es schwer, das richtige zu finden. Denn den einen, besten Management-Studiengang für alle Bewerber, den gibt es nicht.

Für Nicole Römer war von Anfang an klar: Wenn schon viel Geld für einen Master of Business Administration (MBA) ausgeben, dann an der richtigen Management-Hochschule. Aber die sollte in Deutschland sein - nach längerer Zeit im Ausland wollte die 30-Jährige zurückkommen. Ihre Wahl fiel auf die WHU - Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz, laut dem wichtigsten Ranking europäischer Business-Schools, dem der "Financial Times" aus dem Jahr 2013, die bestplatzierte in Deutschland. "Entscheidend war für mich auch, dass die Hochschule ein sehr gutes Netzwerk von Ehemaligen auf der ganzen Welt sowie zu Unternehmen hat", sagt sie. Seit April dieses Jahres studiert sie im Vollzeit-MBA.

Dass sie dafür ihren Job bei einer amerikanischen Bank in München kündigen musste, war kein Problem für sie. "Ich wollte mich komplett auf das Programm konzentrieren."

Nicht jeder, der ein MBA-Studium anstrebt, weiß so genau, welches Programm für ihn das richtige ist. Schließlich gibt es laut Experten derzeit 8.000 bis 12.000 weltweit. Diese Schritte helfen bei der Wahl.

1. Der Programmtyp

Wer noch keine Managementerfahrung hat, kann sich mit einem MBA in kurzer Zeit das nötige Wissen aneignen. "Wer im Beruf auf der Stelle tritt und auf der Karriereleiter weiter nach oben steigen will oder plant, komplett die Branche zu wechseln, ist in einem MBA-Programm genau richtig", sagt Heidrun Hoffmann, Programmdirektorin an der WHU.

Die Entscheidung zwischen MBA oder Executive MBA (EMBA) für erfahrene Führungskräfte ist der erste Schritt: Während sich der MBA an jene mit wenig Berufserfahrung richtet, müssen Bewerber beim EMBA zwischen fünf und zehn Jahre Führungserfahrung vorweisen. Damit liegt der Altersdurchschnitt dort zwischen 35 und 40 Jahren, beim MBA sind die Studenten Mitte bis Ende 20.

2. Das Format

"Vollzeit-Programme lohnen sich in erster Linie für eher jüngere Berufstätige, die noch wenig Erfahrung in der Wirtschaft haben und sich vielleicht sogar beruflich umorientieren wollen", sagt Detlev Kran, Autor des MBA-Guide. Wer sich für das Vollzeit-Programm entscheidet, muss entweder seinen Chef von einer ein- bis zweijährigen Auszeit überzeugen oder kündigen. Damit ist das regelmäßige Einkommen weg, was bei zwei Jahren Studienzeit, wie es für viele Programme in den USA üblich ist, ins Gewicht fällt. Daher sind für viele die einjährigen Programme in Europa attraktiver.

Teilzeit-Angebote richten sich hingegen eher an jene, die mit Anfang 30 schon etwas Berufserfahrung haben und in ihrer Karriere vorankommen wollen. Teilzeit-Studenten müssen aber Job, Privatleben und Studium vereinbaren. Die Programme dauern in der Regel zwei Jahre, die Kurse finden meist am Wochenende statt. Dazu kommen pro Tag ein bis zwei Stunden Vor- und Nachbereitung.

Es gibt auch Online-Studiengänge mit virtuellen Kursen und wenig Präsenz an der Hochschule. Doch Jörn Meissner, Professor an der in Hamburg, gibt zu bedenken: "Bei einem MBA-Fernstudium geht viel von der Interaktion zwischen den Kommilitonen verloren, und darauf kommt es ja gerade an. Das Gruppenerlebnis ist über ein Fernstudium schwer zu vermitteln."

3. Das Renommee der Hochschule

Harvard, Columbia, Insead - wer nach einer Top-Hochschule sucht, wird in den wichtigen internationalen Rankings etwa von "Financial Times", "Bloomberg Businessweek" oder "Economist" fündig. Ein Abschluss dort verspricht eine angesehene Stelle und einen Gehaltssprung um bis zu 120 Prozent. "Eine renommierte Schule öffnet viele Türen, denn das Ehemaligen-Netzwerk ist groß, und man trifft überall auf der Welt Alumni. Das kann zum Beispiel helfen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden", sagt Meissner. Entscheide man sich für eine kleinere Hochschule, genieße man eine eher familiärere Atmosphäre. MBA-Experte Kran rät: "Geht es um einen Karrieresprung in einem mittelständischen Unternehmen, reicht der MBA-Abschluss einer deutschen Hochschule in der Regel aus. Ein deutsches Dax-Unternehmen oder Unternehmen in den USA schauen dagegen gezielt nach dem Namen des MBA-Anbieters." Wer einen Vollzeit-MBA anstrebt, sollte versuchen, bei einer sehr renommierten Hochschule akzeptiert zu werden. Teilweise wird nur einer von zehn Bewerbern genommen.

International renommierte Business-Schools haben zumindest eine oder mehrere der drei international wichtigen Akkreditierungen. "In den USA sollte man nach einer Akkreditierung des AACSB schauen", sagt Detlev Kran. International zählen zudem das europäische Pendant EQUIS und die britische AMBA.

4. Das Land

Die renommierten MBA-Anbieter, die in den Rankings die vorderen Plätze belegen, finden sich vor allem in den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich und mittlerweile auch Asien. "Weiß man schon, in welchem Land man später arbeiten will, macht es Sinn, auch in diesem Land seinen MBA zu machen. So lernt man die Kultur kennen und kann am besten Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen", empfiehlt Sörge Drosten, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants International.

Wer nicht an seinen Ort gebunden ist, sollte einen Auslandsaufenthalt in Erwägung ziehen, um Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen zu verbessern. Allerdings ist ein Studium im Ausland meist teurer.

5. Der Inhalt

Auch wenn die Lehrpläne in den echten MBA-Programmen in der Regel stets einem Muster folgen, haben die Anbieter unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte herausgebildet. "Zum Beispiel ist die Kellogg School in den USA besonders im Marketingbereich angesehen, die Universität Chicago dagegen vor allem im Finanzbereich", weiß Experte Kran. Fachliteratur und Berichte in Wirtschaftsmagazinen zeigen, wer welchen Schwerpunkt hat.

Daneben gibt es Studiengänge, die ihre Spezialisierung schon im Namen tragen wie "Human Ressource Management" oder "Sustainability Management". "Für alle, die von Anfang an genau wissen, in welche Richtung sie gehen wollen, kann ein spezialisierter MBA durchaus Sinn ergeben. Mehr Flexibilität erhält man natürlich mit einem allgemeinen Programm, das am Ende in der Regel die Türen in alle Bereiche öffnet", sagt Kienbaum-Manager Drosten.

6. Die Persönlichkeit

Schließlich geht es um die Frage, ob die Mentalität der Business-School passt. Die Notengebung etwa ist unterschiedlich, einige Business-Schools vergeben die Noten in Relation zur Leistung der Kommilitonen. Auch das entscheidet darüber, wie viel Ellbogeneinsatz im Studium gefragt ist. Hinzu kommt noch: "Während bei Hochschulen wie Harvard die Noten bei der Jobsuche eine entscheidende Rolle spielen und deshalb am Ende auch öffentlich gemacht werden, halten zum Beispiel Wharton, Stanford und Columbia die Noten geheim und wollen so mehr Gruppenmentalität und Experimentierfreude bei der Kurswahl fördern", sagt Experte Kran.

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