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Von Chören, Kirchen und Krümeln

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Teil 3: Stipendiat Jan Thomas schreibt an der Princeton University ein Buch über Wirtschaftsethik. Zehn Monate lang forscht er dort zu diesem Thema. Ein perfekter Ort dafür, denn an der Privat-Uni wird die Kirche hochgehalten. Dafür musste sogar die Bibliothek in den Keller weichen.

Es regnet nachts um halb elf. Unter dem Gewölbe der Blair Arches, bekannt aus den Filmen "A Beautiful Mind" und "Batman Begins" zeigen einige kleine Chöre, was sie neben der Akademie im Repertoire haben. Die "Princeton-Nassoons" sind smarte Jungs. Als Botschafter der ältesten A-Capella-Combo in den USA singen sie sich rund um den Globus mit einer charmanten und glaubwürdigen Art. Ob auf den Bermudas oder in Brasilien - überall sind die Sänger schon gewesen, auch in Bayern. Der "Tiger Town Blues" besingt das Maskottchen von Princeton. "Old Nassau" ist die Uni-Hymne. Die Farben der Uni sind auf den Krawatten der jungen Herren im Smoking kaum zu übersehen: sattes Schwarz mit kräftigem Orange im Tiger-Look. Sieben A-Capella-Gruppen sind so etwas wie Princetons eigentümliche Studentenverbindungen.
 

A-Capella-Bands und Eating-Clubs
 "No girl in town" heißt es in einem selbst komponierten Lied. Das erinnert an die Zeit bis in die 70er Jahre hinein. Frauen waren damals im konservativ-christlich geprägten Ort noch nicht zugelassen. Hannah Arendt war die erste Frau mit Professur in Princeton. Für ein Semester war die bekannte politische Theoretikerin hier. Ebenso strikt geht es in dem Dutzend Eating-Clubs zu - auch ein Princetoner Unikat. Wie zum Beispiel der Ivy Club, in dem bis heute in einer elitären Runde gespeist wird. Rein kommt nur, wer vorgeschlagen und von allen ohne Veto akzeptiert wird - ähnlich wie beim Rotary und Lions Club.
 

Gründung mit der Bibel
 "Dei sub numine viget" - unter Gottes Licht läuft es. Das steht unter dem Logo der Princeton University zwischen Lorbeerkranz und Schild. Auf ihm thront die Bibel, das Neue Testament als höchstes Gut. Die Alma Mater von Princeton wurde - wie alle Ivy-League-Hochschulen - als Kontrast zu den staatlichen Unis gegründet, die liberaler in Sachen Religion waren. Das gefällt mir als Christ und Theologe. Auch die neu-gotische Uni-Kirche wurde im Neubau ein Stockwerk höher gelegt. Die Bibliothek musste in den Keller weichen. Dem religiösen Leben wird in Princeton durch Fellowships unterschiedlicher Konfession mehr Raum gegeben als im säkulareren Deutschland.
 

Goldene Schilder
 Ähnlich wie in Heidelberg, der ältesten Universität Deutschlands, finden sich auch in Princeton die Namen edler und bekannter Stifter. Nur ist das in den USA und vor allem an den Privat-Unis viel häufiger der Fall. Die Gravuren sind auch auf Gullydeckeln, Parkbänken und Buchrücken zu finden. Jede Professur, jeder Hausbau und jedes Stipendium trägt einen wichtigen Namen. Und es kommen laufend neue hinzu, denn die Namensvergabe und Zweckgebundenheit der Spenden ist integraler Bestandteil der Hochschulpolitik.
 

Oxford-Tradition und Princeton-Fortschritt
 Neulich wurde ein neues Studentenheim im gotischen Stil errichtet. Säure wurde auf die Außenwände gekippt, um das altertümliche Flair zu erhalten. Das moderne Gebäude nebenan war vorher per Bulldozer platt gewalzt worden. Egal ob Britische Traditions-Uni oder US-Eliteschmiede. Wer sich zwischen den Top-Adressen der Ivy League entscheiden kann, hat auf jeden Fall gewonnen. In der Uni-Bibliothek Princeton ist neben dem Katalog ein Grundstein aus Oxford eingelassen. Kein Zufall, denn die britische Elite-Uni ist das Vorbild Princetons. Jedes Jahr beginnen Top-Absolventen von Princeton ein Zweitstudium an der ältesten Uni von Großbritannien, meist mit dem Rhodes-Stipendium. Princeton hat alles. Doch ihm fehlen im Vergleich zu Oxford 600 Jahre Geschichte.
 

Eliteschmiede mit Bodenhaftung
 "Wer einen Princeton-Abschluss hat, braucht nicht auch noch Noten vorzuweisen", ist ein ungeschriebenes Gesetz, das auf dem Campus kursiert. Denn Princetonians können Ansprüche haben. Besonders Unternehmen wie McKinsey, Boston Consulting oder Oliver Wyman drängeln sich um die besten Tiger-Köpfe. Der Karriereservice der Uni unterstützt sie darin, denn es gebe nur zwei Wege, Princeton zu verlassen. Man wird berühmt oder reich - ganz nach dem Motto: "You learn, earn, and will give back". Ich bin gespannt, was ich nächstes Jahr mache.
 

Alltagsproblemchen in der Ivy League
 Und ganz nebenbei: Auch hier bekommen Professoren mal Powerpoint-Präsentationen nicht gestartet, die Sekretärin ist nicht immer freundlich, Studenten kommen (manchmal) zu spät zum Unterricht, und in der Mensa kleben Krümel am Boden - trotz Ivy-League-Hochschule.

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