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Pauken auf dem Laufband

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Teil 2: Jan Thomas schreibt an der Princeton University ein Buch über Wirtschaftsethik. Wenn ihm Zeit dazu bleibt. Denn die Kurse an der Uni halten ihn auf Trab. Da muss der Lernstoff schon mal mit aufs Laufband.

Diese Woche war die erste mit richtigen Veranstaltungen an der Uni. Ich habe Star-Ökonomen wie Paul Krugman oder dem Psychologen John Darley zugehört. Diese geballte wissenschaftliche Prominenz fasziniert mich. Auch Gastwissenschaftler aus Harvard, Yale und Oxford geben ihre Forschung zum Besten. Genauso kommen hochrangige Politiker und Manager, die man in Deutschland nur aus dem Fernsehen kennt. In Princetons Hallen gehen sie alle ein und aus.
 

Papierflut zum Pauken
 Graduierte Studenten müssen in Princeton hunderte Seiten für nur eine Seminarsitzung durchpauken und kritisieren. Im verschulten Uni-System der USA ist das nötig, denn hier wird auch die mündliche Mitarbeit bewertet. Allein in der ersten Woche hat mein Drucker rund 500 Seiten ausgespuckt – doppelseitig bedruckt. Mit dem Blackboard im Netz und den Recherche-Tools der Uni-Bibliothek habe ich den Papierstapel auf meinem Schreibtisch noch um ein paar Bücher aus der Bibliothek erhöht.
 

Büffeln bis um Mitternacht
 Meist bis weit nach Mitternacht brüte ich im Lesesaal über den neuesten Büchern zur Wirtschaftsethik. Manchmal tappe ich auf sechs Stockwerken zwischen mehr als zwölf Millionen Titeln auch im Dunkeln - wenn die Glühbirnen durchgebrannt sind. Auch das kommt mal vor in Princeton. Verlaufen kann man sich aber zwischen den riesigen Regalen der Bibliothek auch bei Licht. Ob auf Arabisch, Chinesisch oder Isländisch - die wichtigsten Publikationen aller Herren Länder stehen hier in Originalsprache. Auch deutschsprachige Buckrücken findet man viele. Da verliert man schon mal den Überblick. Nur der Vatikan und die Kongressbibliothek der USA haben mehr Bücher als Princeton.
 

Das Gehirn auf dem Laufband stählen
 Was von außen wie ein Palast aussieht, ist innen das Fitnessstudio der Princeton University. Studenten rinnen hier die Schweißperlen von der Stirn, während sie auf Trimmer, Rennrad oder Laufband um die Wette strampeln. Gerüstet mit Wasserflasche, I-Pod und dem neuesten Buch aus der Bibliothek heißt es auch beim Sport: Keine Zeit verlieren. Also nicht nur die Muskeln, sondern auch die grauen Zellen stählen. In Deutschland würde das wohl als streberhaft gelten, hier ist es äußerst in, das Buch mit auf das Laufband zu nehmen.
 

Meinung ist gefragt
 Die Klassen hier sind relativ klein. Auf einen Professor kommen sieben Studenten. In den Vorlesungen sitzen maximal 40 Studenten. In Princeton geht also niemand in der Menge verloren. Verstecken kann man sich aber auch nicht darin. In den Precepts müssen die Studenten eigene Stellungnahmen abgeben, die dann in kleinen Gruppen heftig diskutiert werden. 1905 erfand der ehemalige Präsident Woodrow Wilson diese Lernmethode. An dieses Gebot der Princeton-Bildung muss ich mich als eingefleischter Zuhörer deutscher Vorlesungen noch gewöhnen. Doch der energische Austausch mit nachdenklichen, sachverständigen Kollegen trainiert das eigene Denken schnell.
 

Auf den Spuren von Joschka Fischer
 Es gibt zahlreiche Institute in Princeton, die versuchen Theorie und Praxis zu verbinden. Die klügsten Forscher erklären hier Studenten, was sie wissen müssen, um noch besser zu werden. Bekannte Philosophen wie Peter Singer lehren am "Center for Human Values". Politikexperten wie Wolfgang Danspeckgruber von der Woodrow Wilson School betreuen Kurse wie zum Beispiel den von Ex-Außenminister Joschka Fischer, als der 2006 als Gastdozent in Princeton war. Das ermöglichen Stipendien aus Stiftungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 17 Milliarden Dollar.
 

Gewichtsprobleme? Frag den Tutor
 Aus rund 80 Ländern kommen junge Leute nach Princeton, um zu studieren. Rund 20 Prozent Ausländer machen hier ihren Abschluss. Um den mit Magna cum laude zu bestehen, bietet die Uni viele Hilfen an. "Bei uns wird es nicht gern gesehen, dass jemand scheitert", sagt einer der Professoren. Von Gewichtsproblemen über Lernprobleme bis hin zu Beziehungsstress: Erfahrene Tutoren kümmern sich um jedes Problem.

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