von Julia Büttner

Unister Holding GmbH

Vom Wohnheim-Start-up zu 350 Mitarbeitern

Die Unister Holding GmbH hat eine ungewöhnliche und rasante Gründungsgeschichte. Als Thomas Wagner, Geschäftsführer der Unister Holding GmbH, gemeinsam mit e-fellow Daniel Kirchhof das Studentenportal Unister-Netz gründete, standen sie am Beginn ihrer Karriere im Internet-Business. Heute, sieben Jahre später, führen sie ein profitables Unternehmen mit 350 Beschäftigten.

Die Rubrik "e-fellows als Gründer" ist umgezogen

Akutelle Gründer-Porträts findest du im e-fellows.net blog in der Kategorie "Gründer".

PEOPLE Unister Daniel Kirchhof

Alumnus Daniel Kirchhof (31) studierte BWL an der Universität Leipzig, dem Dublin Institut of Technology und der HHL - Leipzig Graduate School of Management. Seit 2002, also fast von Beginn an, ist er bei Unister dabei. Heute ist Daniel Kirchhof Gesellschafter und Finanzleiter der Unister Holding GmbH. "Wir haben uns damals alles selbst beigebracht", sagt er.


Angefangen hat alles 2001 in Frankfurt am Main. Das dritte Semester war gerade vorbei, Thomas Wagner absolvierte sein Praktikum bei Ernst und Young und Daniel Kirchhof bei KPMG. Beide waren damals Anfang zwanzig und kannten sich vom Leipziger Studium. Thomas Wagner berichtete begeistert von einem Zeitungsartikel über eine britische Online-Community für Studenten. Während die Gründungen von Facebook (2004) und StudiVZ, das erst 2005 den deutschen Markt eroberte, damals noch in weiter Ferne lagen, war Thomas Wagner so inspiriert von dem Projekt, dass er ein eigenes Studentennetzwerk für Deutschland aufbauen wollte. Auch Daniel glaubte an die Idee und wurde Mitstreiter.

Eine Küche voller Rechner

Ihr Startkapital liehen sie sich oder nahmen es von ihren Ersparnissen: 38.500 Euro. Nicht viel, aber genug, um Rechner und Software anzuschaffen. Statt eines Businessangels halfen Freunde. Die Studenten begannen zu recherchieren und zu programmieren, jede freie Minute floss in die Arbeit an der Community. Schnell stand das Wohnheimzimmer in Leipzig voller Rechner, wenig später war sogar die Küche einer Dachgeschosswohnung von PCs okkupiert.

Erfolg hat, wer Probleme löst

Am 1. Oktober 2002 war es soweit: die Website startete live im Internet. Zu diesem Zeitpunkt war Unister bereits ein kleines Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. "Alles, was wir in der Gründungsphase brauchten, haben wir uns selbst erarbeitet", erinnert sich Daniel an die Pionierphase von Unister zurück. "Erfolgreich waren wir, weil wir Probleme lösen konnten. Wie programmiere ich die Plattform und wie finde ich aktive User? Natürlich haben wir uns viel mit anderen über unsere Ideen unterhalten, aber Berater hatten wir nicht."

Warum nicht einfach selber machen?

Die Studentencommunity Unister-Netz entwickelte sich rasant. Bald merkten die Freunde, dass sich ihre Seite zwar zu einem reichweitenstarken Portal entwickelte, es jedoch schwierig ist, mit dieser Community Geld zu verdienen. Sie nutzten ihr gewonnenes Know-How beim Aufbau weiterer erfolgreicher Websites und konnten das Erlösmodell durch den Vorstoß in andere Geschäftsfelder ausweiten. Sie begannen damit, Internet-Nutzer auf die Seiten von Versicherung und Reiseanbietern weiterzuleiten und auf Provisionsbasis Erlöse zu erwirtschaften. Der nächste Schritt war der Aufbau eines eigenen Vertriebs für Versicherungen und Reisen. Unister wuchs zum Dienstleistungsunternehmen heran. Schon im März 2003 durchbrach Unister die Gewinnschwelle, die Zahl der Mitarbeiter stieg und man hat sich beispielsweise unter den deutschen Reisevermittlern und Versicherungsmaklern einen Namen gemacht. Mit den Shoppingsites von best-price.com kamen erste internationale Portale hinzu.

Unerschrockenes Handeln

Woher nimmt man den Mut, mit Anfang zwanzig gleich in mehrere unbekannte Branchen einzusteigen? "Warum soll man nicht anfangen?" kontert Daniel unerschrocken. "Unsere Kompetenz liegt im Online-Marketing und in der Suchmaschinen-Optimierung. Jede neue Branchenkompetenz kann man sich aneignen. Wir haben uns einfach keine Angst machen lassen von Leuten, die einem erzählen, alles sei irre kompliziert. Wir haben es einfach probiert, erst im Kleinen und dann im Großen."

Neue Geschäftsfelder, neue Domains

Und das große Ganze läuft hervorragend: Unister expandiert, die Gründer erschließen immer neue Geschäftsfelder. Heute betreibt Unister Internetportale für Reisen, Shopping, Finanzen, Autos und Nachrichten. Die Domains haben einprägsame, selbstsprechende Namen: www.reisen.de, www.geld.de oder www.auto.de. Über 67 Millionen User besuchen die Portale der Unister Holding GmbH monatlich. Im November 2008, mitten in der Finanzkrise, kaufte Unister mit kredit.de die bisher teuerste deutsche Domain für 892.500 Euro, um ein Vergleichsportal für Finanzierungen zu etablieren.

Das Gründen liegt in der Familie

Gibt es ein Gründer-Gen in der Familie Kirchhof? Daniel möchte zunächst abwehren, bemerkt dann aber, dass schon seine Großeltern ein mittelständisches Unternehmen führten. Auch seine Eltern betreiben ein eigenes Gartencenter. "Es hat mir einfach Spaß gemacht, von Anfang an Verantwortung zu tragen", beschreibt Daniel Kirchhof seine Lust am Unternehmertum.

Vorschau statt Rückschau

Wenn man in nur sieben Jahren ein Studentenprojekt zu einem Unternehmen ausbaut, das 350 Menschen beschäftigt, gibt es dann nicht einen Punkt, an dem man sich auf die Schulter klopft und sagt: "Jetzt habe ich aber wirklich was geschafft?" "Nein. Es ist immer so viel zu tun, dass ich darüber noch gar nicht nachgedacht habe", meint Daniel Kirchhof. Als Gesellschafter, der sich um die Finanzen des Unternehmens kümmert, ist er beschäftigt damit, Unister voranzubringen. Und das gelingt ihm augenscheinlich trotz Finanzkrise: "Wir wachsen weiter und liegen voll im Plan."

Daniels Unternehmen

  • Unternehmensname: Unister Holding GmbH
  • Branche: Internet
  • Produkt: Internetportale, Reisen, Versicherungen, Medien, Nachrichten
  • Gegründet: 2002
  • Beschäftigte: 350
  • Website: www.unister-gmbh.de

Daniel Kirchhof über sich und sein Unternehmen

Unser Unternehmen haben wir gegründet, weil...
es ein interessantes Projekt war und wir einen Businessplan dafür entwickelt hatten, der vielversprechend war.

Unser Unternehmen ist profitabel, weil...
... wir Wert auf zeitnahes Controlling legen und Korrekturen schnell umsetzen können. Außerdem sind wir Marketingspezialisten, hartnäckig und haben viel Liebe zum Detail..

Unternehmer sein liegt mir, denn...
... ich liebe es, eigene Ideen zu verwirklichen und schätze die Freiheit und Verantwortung, die ich als Unternehmer habe.

Wenn ich nicht unser Unternehmen leite, dann...
... kümmere ich mich um meine Familie.

In fünf Jahren...
... werden wir viele neue Mitarbeiter haben und weitere Geschäftsfelder erschließen.

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Viele Konkurrenten in einem Geschäftsbereich sind kein Grund zu verzagen, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass es da etwas zu verdienen gibt. Ein Großteil des Erfolgs sind immer Fleiß und Ausdauer. Ich empfehle dranzubleiben, sich aber nicht an der ersten Idee festzuklammern. Oft ist es erst die zweite, dritte oder zehnte Idee, die den Erfolg bringt.


Kommentar schreiben

Sicherheitstext eingeben:*

* Pflichtfelder