Begabte und die Partnersuche

Intelligent, aber einsam

Intelligenz ist attraktiv. Wer also intelligent ist, müsste es auch leichter haben bei der Partnersuche. Möchte man glauben. "Haben intelligente Leute es schwerer, einen Partner zu finden?" lautete die Umfrage eines anonymen Mitglieds in der e-fellows.net community. Die Antworten waren unerwartet eindeutig.

 

Auf der anderen Seite ist das Gras bekanntlich immer grüner, und kein Leid ist größer als das Selbstmitleid. Auch unter der Crème de la Crème des deutschen Nachwuchses: "Ja, Intelligente haben es schwerer, einen Partner zu finden", klickten rund 70 Prozent der etwa 220 Teilnehmer (Stand: 8. Mai). Knapp 30 Prozent meinten, es gäbe hier keinen Unterschied zwischen Intelligenten und Anderen. Und fast keiner meinte, Intelligente hätten es leichter als der Rest bei der Partnersuche.

Perfektionisten auf Partnerfang

Engagiert, hochmobil, ehrgeizig und perfektionistisch - Eigenschaften, die für die Karriere taugen, mit Beziehungen aber oft schwer vereinbar sind. Geschätzte 50 Prozent der
e-fellows.net-Stipendiaten sind Singles, etwas über 15 Prozent leben in einer Fernbeziehung.

"Wir sind nicht aufeinander angewiesen"

Stipendiatin Katrin brachte mit einer Antwort eigentlich alle Gründe für die Einsamkeit der Begabten auf den Punkt. Dafür heimste sie auch außergewöhnlich viele "Daumen hoch!"-Bewertungen der anderen e-fellows ein (hier in leicht gekürzter Fassung zitiert):

  1. Wir haben hohe Ansprüche an uns selbst und dadurch auch an andere. Wir tendieren zum Perfektionismus, dem auch der Partner standhalten muss.
  2. Wir haben sooooo viele Möglichkeiten. Unser Abi ermöglicht uns, den weiteren Berufsweg "herauszupicken" - mit Quali in der Tasche reduziert sich das Angebot an Jobmöglichkeiten drastisch. Wir verwenden wahnsinnig viel Zeit darauf, an unserem "perfekten Leben(slauf)" zu basteln. Springen von Kontinent zu Kontinent, die Welt steht uns offen. Vielleicht tendieren wir daher auch dazu, bei der Partnerwahl zu denken, wir hätten unglaublich viele Optionen. Der, den wir jetzt haben, passt vielleicht nicht mehr zu unserer Weiterentwicklung. Wir treffen jemanden, aber wer weiß, vielleicht kommt was Besseres nach?
  3. Wir sind nicht aufeinander angewiesen, wir brauchen uns nicht. Zumindest nicht so sehr wie Menschen mit geringerem Einkommen. Wir können auch als Singles gut leben und wollen die "Freiheit" genießen. Wir sehen Partner nicht als Partner fürs Leben, sondern für die Sonnenseiten. Vielleicht tendieren wir sogar dazu, in schwierigen Zeiten lieber allein zu sein, um unsere Schwächen nicht offenbaren zu müssen.
  4. Wir sind zu mobil und zu wenig sesshaft. Es ist verdammt anstrengend, mit uns auf Dauer zusammen zu sein, mit uns sesshaft zu werden oder uns überhaupt erst richtig gut kennenzulernen. Wir wollen jemanden, der uns "ebenbürtig" ist - aber wenn beide so viel unterwegs sind - wer steckt dann zurück? Und wie funktioniert das, wenn der Mann trotzdem auch irgendwie zum "Anlehnen" sein soll und die Frau "hilfsbedürftig"?
  5. Wir sind zu sehr "Fassade" und zu wenig "Mensch". Wir freuen uns nicht über die Schönheit der Liebe und des Lebens, weil unser Kopf zu voll ist mit "ach so wichtigem" Kram aus der Geschäftswelt. Wir gehen nicht richtig auf den Partner ein.
  6. Wir sind kompliziert und müssen alles aus- und zu Tode diskutieren. Wir sind es gewohnt, dass wir "alles immer so gut meistern" - nur in der Beziehung geht das eben nicht mit Hilfe von Formeln und vorgefertigten Schemata.

"Mann will wohl lieber das hilflose, naive Dummerchen"

Es folgten Beiträge, in denen viele Frauen ein weiteres für sie typisches Dilemma beklagten: Intelligente Frauen suchten sich immer einen Mann auf Augenhöhe oder drüber. Viele intelligente Männer hätten allerdings kein Problem mit einer weniger intelligenten Frau oder fänden solch eine sogar noch attraktiver. "Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass der größere Teil der Männer Frauen, die nicht so intelligent sind, attraktiver finden. Leider wahr. Mann will wohl lieber das hilflose, naive Dummerchen", schrieb Stipendiatin Anne.

Ein anonymer Kommentator wollte das nicht ganz gelten lassen: "Wenn ein Mann eine Frau attraktiv findet, heißt das noch lange nicht, dass er sie auch als Freundin haben möchte."

Fazit: Den Begabten fliegt alles zu? Das Wichtigste vielleicht gerade nicht.

 

 

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