Oxford, Cambridge & Co.: Lohnt sich eine Eliteuni?

Autor*innen
Stefanie Pfleger
Ein Balkendiagramm mit nach der Größe aufsteigend angeordneten Balken. Auf dem höchsten Balken befindet sich eine Zielflagge. Ein Mann steigt die Balken nach oben und greift nach der Flagge.

Ein Abschluss einer Spitzenuniversität gilt als Karriere-Sprungbrett – wird aber schnell sehr teuer. Was große Namen wie Oxford oder Cambridge wirklich bringen und wie sich der Alltag dort anfühlt.

e‑fellows.net präsentiert: Das Beste aus der F.A.Z.

Lies bei uns ausgewählte Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und von FAZ.NET.

An der University of Cambridge in Großbritannien ist Geschichte geschrieben worden. Und das nicht nur einmal. Hier studierte Isaac Newton, und Jahrhunderte später verschob Stephen Hawking von Cambridge aus die Grenzen unseres Verständnisses des Universums. Nun will auch die deutsche Masterstudentin Lara Weinzierl an der renommierten Universität Geschichte schreiben – ihre ganz eigene. Immerhin hat sie schon geschafft, wovon viele andere nur träumen: Sie hat einen der begehrten Studienplätze bekommen.

Die 24-Jährige wird den Moment, als sie die Zusage für ihren Studienplatz erhalten hat, nie vergessen. Sie saß in der Bibliothek ihrer damaligen Universität, der Frankfurter Goethe-Uni, als die Mail in ihr Postfach flatterte. "Das war sehr besonders. Es hat sich angefühlt, als würden sich die Arbeit der letzten Jahre und die Vorbereitungen für die Bewerbung auszahlen", so Weinzierl, die in der Bibliothekstoilette erst mal euphorisch ihre Mutter und ihre beste Freundin anrief.

In internationalen Ranglisten zählen Oxford und Cambridge seit Jahrzehnten zur Weltspitze. Im aktuellen Ranking des Magazins "Times Higher Education" liegt Oxford auf Platz eins, das Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf Platz zwei und Cambridge auf Platz drei. Die am höchsten platzierte Universität außerhalb der USA und Großbritanniens ist die ETH Zürich auf Platz elf. Studenten der Eliteuniversitäten versprechen sich eine exzellente Lehre, ein aufregendes Unileben, Karrierevorteile und Netzwerke. "Viele sehen das Elitestudium als Investition in sich selbst", sagt Wolfgang Gairing vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Doch überwiegt der Nutzen tatsächlich die Kosten? Ein Elitestudium kann schnell sehr teuer werden. Lara Weinzierl zahlt in Cambridge für ihren einjährigen Master knapp 43.000 Euro Studiengebühren.

Wer in Cambridge studiert, hat höhere Chancen auf einen guten Job

Bei Gebühren dieser Höhe wird der Blick auf die Rendite fast zwangsläufig. Drei Viertel derjenigen, die 2021/2022 ihr Studium im Vereinigten Königreich abschlossen, hatten 15 Monate später einen Job in einer hoch qualifizierten Position. Das zeigen zumindest Daten der Higher Education Statistics Agency. Die University of Cambridge liegt nach eigenen Angaben mit 91 Prozent deutlich darüber. Wer in Cambridge studiert, hat also höhere Chancen auf einen guten Job.

Die jährliche Absolventenumfrage der Studentenzeitung "Harvard Crimson" zeigt für das Jahr 2025, dass 64 Prozent direkt nach ihrem Abschluss an der amerikanischen Eliteuniversität in die Arbeitswelt starteten. Dabei dominierten die Branchen Finanzen (20 Prozent), Technologie (18 Prozent) und Beratung (13,5 Prozent). Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Einstiegsgehalt bei mehr als 90.000 US-Dollar im Jahr liegen werde. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für US-amerikanische College-Absolventen lag im Jahr 2025 bei etwa 69.000 Euro.

Lara Weinzierl hat ähnliche Abwägungen getroffen: Studienkosten gegen Jobaussichten. Seit Oktober 2025 studiert sie an der University of Cambridge einen Master in Bildungswissenschaften. Zuvor hatte sie ihr Lehramtsstudium an der Goethe-Universität Frankfurt mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen. Ihr Abitur beendete sie mit einem Notendurchschnitt von 2,2. Eine renommierte Universität habe sie lange Zeit gar nicht im Blick gehabt, sagt Weinzierl. Doch während eines Auslandssemesters am King's College London im Bachelorstudium änderte sich ihre Sichtweise.

Sie wollte sich von da an auf Bildungspolitik konzentrieren und suchte deshalb gezielt einen Studiengang an der Schnittstelle von Bildung, Macht und Politik. In Cambridge ist das möglich. Großbritannien sei für sie auch wegen der Sprache und der positiven Erfahrungen aus London naheliegend gewesen, sagt Weinzierl. Gleichzeitig weiß sie um die Strahlkraft des Namens.

"Das war anfangs schon etwas einschüchternd"

Doch wie ist es tatsächlich, dort zu studieren – zwischen den großen, fast palastartigen Innenhöfen und hohen Fassaden von Cambridge? Weinzierl ist dort in eine andere Welt eingetaucht. Formelle Abendessen, Bälle, Debattierklubs, intensive Betreuungsangebote durch Professoren und Studenten, die in traditionellen Roben herumlaufen. "Allerdings ist es auch nicht so rosarot, wie man es im Film sieht." Es werde beispielsweise irgendwann normaler, zu Dinner-Veranstaltungen zu gehen. "Und am Ende sitzt man auch oft einfach in ganz normalen Vorlesungsräumen", sagt sie. Außerdem sei der akademische Druck enorm hoch, und sie habe oft gar keine Zeit, an allen Events teilzunehmen.

In ihrem Masterstudium herrsche wenig Konkurrenzdenken. Viele ihrer Mitstudenten haben ihren Bachelor an renommierten Universitäten wie Yale oder Harvard abgeschlossen. "Das war anfangs schon etwas einschüchternd, weil man diese Namen ja kennt", sagt Weinzierl. Mit der Zeit habe sie jedoch gemerkt, dass sie fachlich keineswegs zurückliege – auch wenn der Name ihrer früheren Frankfurter Universität weniger bekannt sei. "Zweifel und Vergleiche bleiben immer. Man lernt aber irgendwann, besser damit umzugehen", sagt sie. "Gleichzeitig ist es sehr bereichernd, von so klugen Menschen umgeben zu sein. Man lernt jeden Tag dazu."

Dabei kann man auch Karriere machen, ohne eine Eliteuni besucht zu haben. Beispiel Europäische Kommission: Wer dort als Ökonom arbeiten möchte, braucht laut Stellenportal vor allem einen Hochschulabschluss und muss mindestens zwei EU-Sprachen beherrschen. Die Europäische Kommission betont auf Nachfrage, dass Bewerber nach "Fähigkeiten und Erfahrung" beurteilt würden und nicht nach dem Ruf ihrer Universität. Welche Abschlüsse oder Sprachkenntnisse erforderlich sind, stehe in den Ausschreibungen.

Das hat auch Johanna Bärnreuther gemerkt, die bei der EU-Kommission als Volkswirtin arbeitet. Zwar absolvierte sie einen Master of Philosophy in Environmental Policy in Cambridge und schätzt das gute Netzwerk, das dadurch entstanden sei. Doch nötig sei das nicht gewesen, wie sie später feststellte. "Ich würde Leuten nicht empfehlen, auf eine Eliteuni in Großbritannien oder Kanada zu gehen, wenn sie schon wissen, dass sie später für die EU arbeiten wollen", sagt sie. Sinnvoller seien oft kostengünstigere und gezielter vorbereitende Programme wie am College of Europe. Auch dort sei das Studium teuer, es gebe aber häufig Vollstipendien.

"Ein bekannter Hochschulname kann unser Interesse wecken, die Person hinter dem Papier kennenzulernen"

Bei der Unternehmensberatung McKinsey sah es lange Zeit anders aus. Viele deutsche Berater des Unternehmens haben zuvor eine Spitzenuniversität besucht. Davon will man nun aber wegkommen. "Wir suchen die besten Absolventinnen und Absolventen, unabhängig davon, an welcher Hochschule sie studiert haben oder woher sie kommen", sagt Jonathan Steinbach, der das Recruiting in Deutschland und Österreich verantwortet. "Es gibt Hochschulen, die früher kaum jemand auf dem Schirm hatte. Heute gelten sie in bestimmten Bereichen als echte Hotspots." Die Attraktivität britischer Universitäten habe dagegen zuletzt abgenommen.

Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY soll der Name der Universität ebenso eine nachgeordnete Rolle spielen. Laura Langbein, die den Bereich Talentgewinnung und Recruiting in Deutschland leitet, sieht ihn allenfalls als Türöffner. "Ein bekannter Hochschulname kann unser Interesse wecken, die Person hinter dem Papier kennenzulernen", sagt sie. Entscheidend sei jedoch, dass Menschen mit unterschiedlichen Bildungswegen bei EY vergleichbare Karrierechancen hätten.

Glaubt man den Personalverantwortlichen, schafft der Name der Universität vor allem Aufmerksamkeit, garantiert aber keinen Job. Statistisch landen Absolventen renommierter Universitäten jedoch überdurchschnittlich häufig in hoch bezahlten Branchen. Es könnte aber auch einen anderen Zusammenhang geben: Schon die Universitäten selektieren schließlich. "Bei einem vergangenen Auswahltag für die Stipendienvergabe habe ich in die Runde gefragt, wer schon alles Schülersprecher war", sagt Wolfgang Gairing vom DAAD. "Dann hat etwa die Hälfte der Leute die Hand gehoben." Die meisten Bewerber brächten also eine hohe Leistungsbereitschaft mit, gepaart mit entsprechenden Ergebnissen und Gemeinsinn.

Wohin es die Cambridge-Studentin Lara Weinzierl beruflich einmal verschlägt, ist noch offen. Sicher ist nur: Sie hat dafür einen guten Türöffner gefunden – wenngleich er auch sehr teuer ist.

© Alle Rechte vorbehalten. Copyright Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Bewertung: 0/5 (0 Stimmen)