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Marsmission statt Promotion

Schach, König, Krone, Intelligenz [Quelle: pexels.com, Autor: Pixabay]

Quelle: pexels.com, Pixabay

Abitur mit 1,0, an der Uni mit 16, dann den Masterabschluss mit 21. Jetzt will Fabian Vogel die Welt ein bisschen besser machen.

Seinen Intelligenzquotienten will er nicht verraten, aus Angst, darauf reduziert zu werden. Dass er deutlich über dem Durchschnitt liegt, scheint offensichtlich. Fabian Vogel fällt zwischen den vielen Kommilitonen am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität nicht sonderlich auf. Der Hanauer spricht selbstbewusst und mit ruhiger Stimme. 2017 war er mit 16 Jahren der jüngste Student Hessens. Inzwischen ist er, mit 21, der wohl jüngste Master-Absolvent des Landes.

Aber alles auf Anfang. Vogel wird im August 2000 in Mainz geboren und wächst im Hanauer Stadtteil Mittelbuchen in behüteten Verhältnissen auf. Schon als Kleinkind ist klar: Fabian ist anders als andere Kinder. Seinen Eltern, der Vater ist Informatiker bei der Deutschen Bahn, die Mutter Ärztin für Allgemeinmedizin, verlangt er viel ab. Er und sein eineinhalb Jahre jüngerer Bruder bauen als Kleinkinder Staubsauger und Kassettenrekorder auseinander, um deren Funktionsweise zu verstehen. Gleichzeitig fragen sie ihren Eltern Löcher in den Bauch. "Das hat mich schon manchmal an meine Grenzen gebracht", sagt seine Mutter Annabelle Vogel.

Viele "Was ist was?"-Bücher verschlingt der kleine Fabian schon vor der Schule. Früh besiegt er seine Eltern regelmäßig im Schach. Als es ihm zu langweilig wird, spielt er, ohne das Brett zu sehen. Seine Mutter sagt ihm, wohin sie ihre Züge macht, er sagt ihr, wohin sie seine Figuren stellen soll. Nach wenigen Zügen heißt es für die Mutter: Schachmatt. Ein Gespräch mit der Kinderpsychologin, als Fabian fünf Jahre alt ist, bezeichnet die Mutter als "Aha-Erlebnis". Dabei wird klar: Der Junge gehört zu den 0,1 Prozent der intelligentesten Kinder.

Kurz vor seinem sechsten Geburtstag kommt er in die Schule. Noch vor den Herbstferien schickt sein Lehrer ihn dort in die zweite Klasse. Von der dritten, die für ihn immer noch "unerträglich langweilig" gewesen ist, springt er in die fünfte Klasse und ist 2008 mit sieben Jahren der jüngste Schüler an der Karl-Rehbein-Schule, einem Gymnasium in Hanau. Nach der siebten Klasse schlägt ihm der Schulleiter vor, direkt in die neunte zu oder gar auf ein Internat für Hochbegabte zu wechseln. Da ist Vogel gerade neun Jahre alt. Im Gymnasium will er sich aber lieber "Zeit lassen", wie er sagt und alle acht Klassen normal durchlaufen.

Nebenbei konzentriert Vogel sich auf seine Hobbys: Er spielt Geige und Klavier, nimmt an Mathematik-Wettbewerben teil, spielt Tennis, mag Turmspringen und tanzt - Formationstanz. Mittlerweile habe er das Abzeichen für Super Goldstar III, den höchsten vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband vergebenen Amateurrang, sagt Vogel. Damit dürfe er grundsätzlich auch bei Profiveranstaltungen mittanzen.

2015 veröffentlicht Vogel sein erstes E-Book über das bei Jugendlichen beliebte Onlinespiel "Clash of Clans". Sein Einsteigerhandbuch erklärt Taktiken und Spielweisen, um im Spiel möglichst schnell voranzukommen. Der Ratgeber kommt an. Mehr als 1300-mal ist er bisher verkauft. Ein neues Buch ist bereits in Planung: Es soll ein Krimi werden, mehr will Vogel nicht verraten.

In der zehnten Klasse beginnt er, mit gerade zwölf Jahren, parallel zur Schule eine Mathevorlesung an der Goethe-Universität zu besuchen. Er besteht die Klausur mit 1,0 und das, obwohl er verkehrsbedingt 30 Minuten zu spät zum Test erscheint. Sein damaliger Physiklehrer in der Oberstufe, Robert Schnabel, erinnert sich gern an den Jungen. Der seit knapp zwei Jahren pensionierte Schnabel war damals stellvertretender Leiter der Karl-Rehbein-Schule in Hanau. Für ihn ist Vogel ein "singuläres Ereignis" in seiner 37 Jahre dauernden Lehrtätigkeit. Der Junge fällt nicht nur durch seine fachlichen Leistungen auf. Viele seiner Mitschüler unterstützt er auch auf dem Weg zum Abitur mit Nachhilfe in Physik und Mathematik. Zwischen Vogel und dem Zweitältesten der Klasse liegen damals vier Jahre. Spürbar sei das jedoch nie gewesen. Dass Vogel in der Oberstufe oft in der Schule fehlt, um in Frankfurt zu studieren, hat Schnabel seinen Worten nach nie gestört. Und Vogel besteht die Tests und Klausuren in der Schule auch so stets mit Bestnoten. 

Sein Abitur schließt Fabian Vogel 2016 mit 15 Jahren und einem Notendurchschnitt von 1,0 ab. Noch im Sommer jenes Jahres immatrikuliert er sich für das Informatikstudium an der Goethe-Universität. "Im Onlineformular für die Immatrikulation konnte ich mein Geburtsjahr gar nicht angeben", erzählt Vogel. Er habe dann mit dem Dekan abgesprochen, sich zunächst als 16 Jahre alter Student einzuschreiben. Sein Geburtsdatum wurde später per Hand geändert.

Nach wenigen Semestern beginnt Vogel 2017 parallel mit dem Bachelor in Mathematik, weil er sich nicht ausgelastet fühlt. 2019 schließt er den Bachelor in Informatik ab, 2021 den Master in Mathematik, beides natürlich mit 1,0. Sein ehemaliger Professor Matthias Kaschube, bei dem Vogel seine Bachelorarbeit geschrieben hat, beschreibt Vogel als "sehr persistent und zielorientiert". Das Alter seines Studenten habe er bis zur Abgabe der Abschlussarbeit nicht gekannt. Der Professor für Computertechnik, der an seinem Lehrstuhl unter anderem an der Enträtselung des menschlichen Gehirns arbeitet, ärgert sich allerdings, dass Vogel sein Angebot ausgeschlagen hat, bei ihm zu promovieren. "Es nervt schon, wenn man solche Leute verliert."

Seit 2018 arbeitet Vogel stattdessen bei der Lufthansa-Tochter zeroG, zunächst als Werkstudent, seit 2019 als Data-Scientist. Dort experimentiert er mit Künstlicher Intelligenz und bringt Computern bei, Alltagsobjekte zu erkennen. Das sei gar nicht einfach, denn "Computer sind doch ein bisschen dumm", sagt Vogel. Eine Promotion, wie von Kaschube angeboten, sei bisher nicht geplant. Jetzt, wo er sein Studium abgeschlossen habe, wolle er sich erst einmal auf seinen Job konzentrieren.

Fabian Vogel blickt gelassen in die Zukunft. Er wolle versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sagt er. Dafür müsse er nicht unbedingt den Nobelpreis gewinnen. Sein Vorbild sei eher der amerikanische Multiunternehmer Elon Musk, der mit seiner Firma SpaceX unter anderem plant, Menschen zum Mars zu bringen. Das ist etwas ganz nach dem Geschmack von Fabian Vogel. Bei solch einer Mission dabei zu sein "wäre schon richtig cool".

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