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Doppelt hält besser

Studenten, Examensfeier, Graduate [Quelle: unsplash.com, Autor: Faustin Tuyambaze]

Quelle: unsplash.com, Faustin Tuyambaze

Ein Zweitstudium kann die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Doch es kostet Zeit und Geld – und sorgt bei Familie und Freunden oft für Unverständnis.

Nadine Martinis Stundenplan sieht aus wie der einer normalen Medizinstudentin: Physik, Chemie und Anatomie, gefolgt von Vorlesungen zu Augenheilkunde und Neurologie. Doch Martini kommt nicht wie viele ihrer Kommilitonen frisch vom Gymnasium oder aus einem Freiwilligenjahr. Sie ist 34 Jahre alt, hat schon ein Studium hinter sich und kann mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen.

Nach ihrem Schulabschluss studierte sie zunächst Biowissenschaft, arbeitete danach in der Forschung und wollte promovieren. Doch irgendwann war sie entmutigt: "Trotz guter Studienabschlüsse hangeln sich viele Absolventen eines naturwissenschaftlichen Studiums von Zeitvertrag zu Zeitvertrag oder finden überhaupt keinen Job", sagt Martini. Kurz entschlossen bewarb sie sich deshalb auf einen Studienplatz in der Humanmedizin – und wurde an der Universität in Mainz angenommen. Mit dem Zweitstudium will sie ihre zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Marco Peinelt ist überzeugt, dass diese Rechnung aufgehen kann: "Manch einer hat im ersten Studium ein Fach studiert, das auf dem Arbeitsmarkt weniger nachgefragt wird. Ein Zweitstudium kann helfen, sich beruflich besser aufzustellen", sagt der Job- und Karrierecoach. "Außerdem unterstützt es dabei, sich persönlich weiterzuentwickeln und sein Selbstwertgefühl zu verbessern."

Doch ein Zweitstudium belastet auch den Geldbeutel und frisst mitunter ziemlich an den Nerven. Wer an die Hochschule zurückkehrt, sollte sich den Schritt deshalb nicht nur gut überlegt haben, sondern ihn auch genau planen. Für viele wiegen die Vorteile schwerer als die Risiken: In einem Studentenblog berichtet etwa eine junge Frau davon, dass sie Wirtschaftswissenschaften studiert hat – aber nach zwei Jahren im Berufsleben bemerkte, dass die Fachrichtung nicht so richtig zu ihr passte. Also beschloss sie mit Mitte Zwanzig, sich für Psychologie einzuschreiben. Karrierecoach Peinelt kennt eine Betriebswirtschaftlerin, die mit fast 60 Jahren noch einen Master in Sozialer Arbeit macht, um sich für eine Dozentenstelle an einer Hochschule zu qualifizieren.

Aussichtslose Bewerbungsverfahren

"Es gibt diejenigen, die mit Hilfe eines Zweitstudiums ihre Karrierechancen verbessern wollen", sagt Peinelt. "Und es gibt jene, die ihr bisheriges Tun hinterfragen und glauben, dass sie ihrer Arbeit durch ein Zweitstudium wieder mehr Sinn geben können." Wichtig sei, dass jeder, der ein Zweitstudium beginnen möchte, wirklich weiß, wofür. Welches Fach soll es sein und warum? Ein Zweitstudium müsse nicht unbedingt auf das erste Studium aufbauen oder thematisch dazu passen. "Es ist viel wichtiger, dass es mit den eigenen Werten, Stärken, Wünschen und Träumen vereinbar ist", sagt Peinelt. "Wer ein Fach wählt, dessen Inhalte einen nur zu 20 oder 30 Prozent wirklich interessieren, sollte es lieber gleich lassen."

Außerdem sollte bei der Wahl des Studienfachs der Blick in die Zukunft nicht fehlen: Welche Berufsmöglichkeiten würde ein Zweitstudium in Betriebswirtschaftslehre oder Psychologie eröffnen – und das kurz-, mittel- und langfristig? Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten böten sich? Wie flexibel bin ich dann auf dem Arbeitsmarkt? Nadine Martini stellte sich diese Fragen auch und glaubt, dass ihre Entscheidung richtig war: Mit ihrem Studium der Medizin erfüllte sie sich einen lang gehegten Traum, ermöglichte es sich zugleich, sich tiefgehender mit Mikrobiologie und der HIV-Forschung auseinanderzusetzen, und wird als Ärztin zukünftig finanziell besser abgesichert sein.

Doch mit der Entscheidung für ein Zweitstudium ist es nicht getan. Denn es gilt oft noch einige formale Hürden zu meistern. Während manche Studiengänge zulassungsfrei sind, droht bei anderen ein aufwendiges – und teils aussichtsloses – Bewerbungsverfahren: Denn die Hochschulen vergeben nur drei Prozent ihrer Studienplätze in zulassungsbeschränkten Studiengängen an Studierende im Zweitstudium.

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