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Absolventen Abschlussfeier Abschluss Studium [Quelle: Unsplash.com, Autor: Baim Hanif]

Quelle: Unsplash.com, Baim Hanif

Über beruflichen Erfolg entscheidet auch die Wahl der richtigen Hochschule. Eine exklusive Rangliste der WirtschaftsWoche zeigt, welche Universitäten am besten auf die Karriere vorbereiten.  

Auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne steht Yağmur Damla Dokur vor dem Ort, an dem sie im vergangenen Jahr am meisten gelernt hat. Sie lehnt am Metalltor einer Garage, hinter ihr rumpelt und scheppert es: "Hier verbringe ich zurzeit etwa 100 Stunden pro Woche", sagt die Studentin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). 

Den Grund sieht man im Innern der Garage. Ein halbes Dutzend junger Männer in roten Overalls hievt das Chassis eines Rennwagens auf ein Holzgerüst. Daneben, zwischen Akkuschraubern, Paletten und Bierkisten, stehen zwei schwarz-gelb lackierte Autos, die aussehen wie die kleineren Geschwister von Formel-1-Boliden. In der Montagehalle am Stadtrand basteln Karlsruher Studenten an Wagen für die Formula Student, einen Wettbewerb, bei dem Universitäten auf der ganzen Welt mit eigenen Fahrzeugen gegeneinander antreten. 

Die Rennserie spiegelt die technologische Entwicklung. Es begann mit einem benzinbetriebenen Auto, zwei Jahre später kam ein Elektrofahrzeug dazu, 2017 ließen die Studenten autonome Fahrzeuge gegeneinander antreten. Das Karlsruher Modell KIT17D schaffte es auf den zweiten Platz.

Dokur ist als organisatorische Leiterin mit dafür verantwortlich, dass auch die kommende Saison ein Erfolg wird. Vor vier Jahren zog die gebürtige Türkin nach Karls ruhe, um Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, seit 2016 ist sie Teil des 80-köpfigen Formula-Student-Teams. Die angehenden Ingenieure bauen Fahrgestelle aus kohlenstoffverstärktem Kunststoff, berechnen die Aerodynamik von Spoilern und programmieren die Elektronik für die Motoren. Die Doppelbelastung sei zwar stressig, sagt Dokur. Aber sie kann damit rechnen, dass sich der Aufwand lohnt. Absolventen des KIT sind nicht nur theoretisch gut ausgebildet. Sie haben auch die praktischen Fähigkeiten, dieses Wissen anzuwenden, und die Fähigkeit zur Teamarbeit lernen sie in der Montagehalle ebenfalls. Deshalb sind sie bei Unternehmen besonders beliebt.  

Karrierefaktor Hochschule  

Zu diesem Ergebnis kommt das exklusive Hochschulranking der WirtschaftsWoche. Mehr als 500 Personalverantwortliche aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen fragte der Personaldienstleister Universum Global danach, von welchen Universitäten sie in verschiedenen Fächern am liebsten Absolventen rekrutieren – und auf welche Kriterien sie dabei achten. 

Die Essenz: Es lohnt sich, die Hochschule mit Bedacht zu wählen. Denn mit dem Abschlusszeugnis der richtigen Alma Mater macht es sich leichter Karriere. "Es gibt in Deutschland eine Handvoll Top-Hochschulen", sagt Axel Keulertz, der die UniversumStudie als Berater für Employer Branding seit mehreren Jahren verantwortet. "Wenn man dort seinen Abschluss macht, ist das bei der Jobsuche ein wichtiges Pfund." 

Das KIT etwa belegt in den Fächern Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen jeweils den zweiten Platz, nur geschlagen von der RWTH Aachen. Im Fach Informatik schafft es Karlsruhe sogar auf den ersten Platz. In Volkswirtschaftslehre und Jura belegt die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) den Spitzenrang, in Betriebswirtschaftslehre die Uni Mannheim

Die Perspektive des Rankings ist ungewöhnlich. Normalerweise zählt in den einschlägigen internationalen Ranglisten vor allem akademische Brillanz: Wie viele Aufsätze die Professoren in welchen Journals publizieren, wie viele Drittmittel sie für die Forschung einwerben, wie viele Doktoranden sie betreuen. In diesen Listen sind deutsche Unis nie vorne, stattdessen dominieren angelsächsische Einrichtungen wie Harvard, Oxford oder Stanford. 

Diese Elite-Unis sind weltweit berühmt – auch weil sie im Vergleich zu deutschen Hochschulen mehr Geld haben. Die ETH Zürich etwa wird vom Schweizer Bund getragen, der jährlich umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro an die Hochschule überweist. US-Universitäten wie Harvard oder Yale verfügen über zweistellige Milliardenvermögen und könnten auch als Investmentfonds mit angehängter Universität durchgehen. Zum Vergleich: Die gesamte Exzellenzinitiative der Bundesrepublik Deutschland, die bis Ende 2017 über zehn Jahre lief, verteilte in dieser Zeit 4,6 Milliarden Euro. 

Für Dieter Imboden ist das bei Weitem nicht genug, um an die internationale Spitze aufzuschließen. Der emeritierte Professor an der ETH Zürich leitete eine internationale Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung die Exzellenzinitiative evaluierte. Sein ernüchterndes Fazit: Das Programm nivelliere Unterschiede, anstatt Spitzenleistung zu fördern. Eigentlich seien das deutsche Universitätssystem und die Menschen, die darin arbeiten, fantastisch, sagt Imboden: "Aber sie kämpfen im internationalen Vergleich mit sehr kurzen, stumpfen Spießen." 

Keine Frage, ein Abschluss von Harvard oder der ETH beeindruckt immer. Doch Personaler deutscher Unternehmen achten nicht nur auf Prestige. Für sie zählt, ob Absolventen Erfahrung in der Projektarbeit haben, ob sie zweisprachig ausgebildet sind, ob sie die aktuellen Probleme der Branche kennen – und lösen können? Das Ranking der WirtschaftsWoche zeigt, welche Hochschulen diese Themen besonders ernst nehmen. 

Aber wie schaffen es die besten Universitäten, jene Absolventen hervorzubringen, die in Unternehmen sofort bereit zum Durchstarten sind? Und welche Lehrmethoden wenden sie an, um die jungen Menschen auf eine sich immer schneller wandelnde Berufswelt vorzubereiten? 

Diese Aufgabe wird immer aufwendiger. 2,85 Millionen Studenten sind in diesem Wintersemester an deutschen Hochschulen eingeschrieben, so viele wie noch nie. Das Beratungsunternehmen CHE Consult prognostiziert, dass die Zahl der Studienanfänger bis 2050 bei mehr als 425.000 pro Jahr bleiben wird. Die Hochschulen werden damit zu den größten Berufsbildungsanstalten – und das verändert auch den Arbeitsalltag zwischen Hörsaal und Mensa.

Volker Meyer-Guckel zum Beispiel spricht von einem "kulturellen Wandel in den Köpfen" der Hochschulverantwortlichen: "Das Bewusstsein, dass ein Studium auch auf den Arbeitsmarkt vorbereiten soll, ist deutlich gestiegen", sagt der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Es sei klarer denn je, dass man sich nicht nur um den wissenschaftlichen Nachwuchs kümmern müsse. Wer das Angebot bereitstellt, sollte die Nachfrage kennen. Dieses ökonomische Gesetz gilt auch für Hochschulen. Um ihre Studenten auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, müssen sie dessen Anforderungen kennen – und dafür brauchen sie Kontakte in die Führungsebene. Das KIT hat davon eine Menge. Nach einer Studie des Elitenforschers Michael Hartmann hatten im Jahr 2014 mit Abstand die meisten der damals mehr als 520 Dax-Vorstände ihren Abschluss in der badischen Stadt gemacht. 

Für den KIT-Präsidenten Holger Hanselka eine schöne Werbung und eine gute Gelegenheit: "Wir stehen mit diesen Absolventen natürlich in engem Kontakt", sagt er. Dadurch erfuhr Hanselka, dass Masterstudenten am besten international ausgebildet werden – daraufhin wurden die Lehrpläne bilingual angelegt. Jeder Absolvent muss nun auch auf Englisch argumentieren können.

Die Bedürfnisse der Wirtschaft sind für den KIT-Präsidenten ein wichtiger Orientierungspunkt. "Die wenigsten unserer Absolventen landen in der Wissenschaft", sagt Hanselka, "wir bilden für die Wirtschaft aus." Das verändert auch die Erwartung an die Professoren. Sie sollen den Studierenden in den Vorlesungen und Seminaren nicht bloß Lehrbuchwissen präsentieren: "Jeder, der hier lehrt, ist auch Forscher oder Forscherin", sagt Hanselka, "und neue Erkenntnisse aus der Forschung finden unmittelbar Eingang in die Lehre."

Moderne Methoden

Moderne Methoden  

Wie das genau aussieht, lässt sich einige Hundert Meter von Hanselkas Büro entfernt betrachten. Im achten Stock der Fakultät für Maschinenbau eilt Albert Albers durch den Flur des Instituts für Produktentwicklung. "Wir können die Ingenieure des 21. Jahrhunderts nicht mit Methoden des 20. Jahrhunderts ausbilden", sagt der 60-jährige Institutsleiter. Früher hieß es: Wissen schnell aufnehmen, in der Klausur schnell wiedergeben, danach schnell wieder vergessen. "Das haben wir seit mehr als zehn Jahren konsequent verändert", sagt Albers, "zum Teil gegen Widerstände von Andersdenkenden".  

Ein Ergebnis dieses Umdenkens ist die Lehrveranstaltung Integrierte Produktentwicklung. In den Arbeitsräumen in Albers' Institut sitzen 42 Studenten an einem viermonatigen Projekt für einen großen Autobauer. Es geht um die Herausforderungen der Elektromobilität, mehr darf man noch nicht verraten. In Kleingruppen sollen sie eine Lösung für ein wichtiges Problem des Unternehmens finden. An blaue Stellwände sind Projektpläne geheftet, mit Abgabefristen und Aufgabenzuteilungen. Auf Skizzen halten die Studenten mögliche Lösungen fest, zwei Türen weiter, in einer Werkstatt, gefüllt mit Trennscheiben, Fräsen und dem Duft von Sägespänen, fertigen sie Prototypen. "Hier lernen unsere Studierenden professionelles Arbeiten", sagt Albers, "das macht sie für den Arbeitsmarkt kompetent und attraktiv." Am Ende stellen die Studenten ihre Ergebnisse Vorständen und Entwicklern des kooperierenden Unternehmens vor. Albers nennt das "Hochzeitsmesse" und meint es nur halb scherzhaft. Hier hat schon so manch angehender Ingenieur seinen zukünftigen Arbeitgeber kennengelernt.

Für Tim Mescon erfüllt das KIT damit ein Kriterium einer guten Hochschule. Er hat in den USA als Professor und Hochschulpräsident gearbeitet. Heute ist er für das Europageschäft der Akkreditierungsorganisation AACSB zuständig, die vor allem die Qualität von wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten begutachtet. Eine erfolgreiche Hochschule zeichne sich zwar auch durch gute und vor allem sichtbare Forschung aus. "Aber genauso wichtig ist die Frage, ob Absolventen gleich als vollwertige Mitarbeiter einsteigen und das Unternehmen weiterbringen", sagt Mescon. Die Beschäftigungsfähigkeit sei derzeit eines der Schlüssel themen. "Institutionen, die Geld vom Staat bekommen", sagt Mescon, "sind es der Öffentlichkeit schuldig, dass ihre Absolventen auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar sind."

Die Hochschulen werden dazu gezwungen, ihre Stellung im Bildungssystem zu überdenken. Das weiß auch Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin. Sein Ziel ist es deshalb, allen Absolventen seiner Universität attraktive Berufsfelder zu eröffnen. Leichter gesagt als getan, wenn das Fächerspektrum von Zoologie bis Ägyptologie alles abbildet, was das akademische Menü so hergibt. Die FU nahm sich daher vor, insbesondere die fächerübergreifenden Fähigkeiten der Studierenden zu schulen. Mit Beginn des Bologna-Prozesses wurden Kurse in IT-Kompetenz, Kommunikation oder Projektmanagement zur Pflicht erklärt. 

Endlich pragmatisch  

Alt war bei der Umsetzung des Prozesses im Jahr 2006 noch Studiendekan. Er erinnert sich an einen holprigen Beginn dieser berufsqualifizierenden Maßnahmen. Einmal handelte er sich richtig Ärger ein – weil er seine Begeisterung darüber äußerte, wenn Hochschullehrer über die Praktika ihrer Studierenden nachdenken. "Heute sehen das die meisten viel pragmatischer."

Dass sich die reformierten Curricula auszahlen, belegt ein Blick ins Hochschulranking. Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Selbstständigkeit zählen für die befragten Personaler zu den wichtigsten Einstellungskriterien. Die FU Berlin hat sich insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften seit dem Jahr 2010 stark verbessert. In der Volkswirtschaftslehre kletterte sie 17 Plätze nach oben bis auf Rang fünf. In Betriebswirtschaftslehre verbesserte sie sich um 24 Plätze und rangiert an 15. Stelle. Auch die Berliner Humboldt-Universität (HU) hat sich in diesem Zeitraum nach oben gearbeitet. In BWL belegt sie den achten, in VWL den siebten und in Naturwissenschaften sogar den vierten Platz. Eine mögliche Erklärung dafür, dass die Absolventen aus Berlin mittlerweile bundesweit bei Unternehmen beliebt sind, könnte im Standort liegen. "Berlin ist zwar keine Wirtschaftsmetropole", sagt Niels Pinkwart, "aber eine Start-up-Metropole, nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa." Der Prodekan für Studium und Lehre der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der HU kann die Entwicklung der digitalen Gründerszene der Hauptstadt vor dem eigenen Bürofenster beobachten. Im Stadtteil Adlershof, weit weg vom Campus in Berlin-Mitte an der prestigeträchtigen Straße Unter den Linden, sitzen unter anderem die Institute für Informatik, Mathematik und Physik in einem neuen Gewerbepark. An jeder freien Ecke des Stadtteils sieht man unfertige Gerüste von neuen Bürogebäuden, Baukräne und Betonmischer. Viele kleine Unternehmen aus der Technologiebranche siedeln sich hier an.  

Für die HU-Studenten sind das gute Vorbilder. "Absolventen haben nach ihrem Abschluss immer die Perspektive, etwas Eigenes aufzubauen oder in einem Start-up Erfahrung zu sammeln", sagt Pinkwart, der den studentischen Gründern auch als Mentor hilft. In fast allen Branchen würden Leute gesucht, die Digitalisierungserfahrung haben. "Unternehmen schätzen es auch, wenn man mal diese Erfahrungen gemacht hat, und sie wissen: Wer in Berlin war, hat diesen Geist oft mitbekommen."

Bisweilen werden die Hochschulen jedoch Opfer ihres eigenen Erfolgs. Bernhard Beckert ist am Karlsruher Institut für Technologie Dekan der ältesten Informatikfakultät Deutschlands. Seine Studenten sind laut WirtschaftsWoche-Ranking bei Personalverantwortlichen die beliebtesten Informatiker. Das belegen auch Beckerts Zahlen: Die Jobsuche seiner Studenten dauert im Schnitt zwei Monate, 90 Prozent landen auf einer Vollzeitstelle. "Die schreiben drei Bewerbungen und haben danach wahrscheinlich drei Angebote", sagt Beckert. 

Das merken die angehenden IT-Experten schon während des Bachelors. Wenn sie ihre Projekte auf Konferenzen vorstellen, locken große Technologiefirmen gleich mit Kooperationsangeboten oder Praktikumsplätzen. Recruiter von Beratungen bitten sie per LinkedIn-Nachricht zum Mittagessen. 

Beckert sieht das ambivalent. Sicher, es ehrt ihn und seine Arbeit, dass die Absolventen begehrt sind. Aber er rekrutiert aus den Studierenden auch seine zukünftigen Doktoranden. Dafür will er die besten, nur er bekommt sie nicht immer. "Wir müssen mit den Gehältern der Industrie konkurrieren", sagt Beckert. Das sei, formuliert er diplomatisch, in der Tat herausfordernd. 

Ranking nach Fächern

Ranking der WirtschaftsWoche für Informatik und Elektrotechnik an Fachhochschulen [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking für BWL und Wirtschaftsingenieurwesen an FHs [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking für Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik an FHs [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking für BWL und VWL an Universitäten [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking für Jura und Wirtschaftsinformatik an Universitäten [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking der WirtschaftsWoche für Informatik und Elektrotechnik an Unis [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking für Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen an Universitäten [Quelle: WirtschaftsWoche]
Ranking der WirtschaftsWoche für Maschinenbau an Unis [Quelle: WirtschaftsWoche]

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Kommentare (2)

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  1. Julia Schmidpeter

    Vielen Dank für deinen Kommentar! Beim Einbauen des Artikels wurde leider eine Grafik vergessen. Wir haben diese nun ergänzt.

  2. Anonym

    Warum ist für den Studiengang Elektrotechnik nur das Fachhochschulranking, nicht aber das Universitäten Ranking aufgelistet, wenn es doch sogar vorher im Artikel erwähnt wird?

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