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Wie dein Studium dich verändert

E-Book Lesen Mädchen E-Learning [Quelle: Unsplash.com, Anna Demianenko]

Quelle: Unsplash.com, Anna Demianenko

Du wolltest so viel wie möglich über ein Fachgebiet erfahren, wissenschaftliches Arbeiten erlernen und dir wichtige Soft Skills aneignen – dafür bist du an die Uni gegangen. Doch in Tausenden von Stunden in Seminaren, Diskussionen und Bibliotheken passiert mehr mit dir, als auf dem Lehrplan steht. e-fellows.net hat nachgefragt, was das Studium mit Studenten macht.

Jura: Negativ: Ich habe mir Pessimismus und einen Fokus auf Probleme und Risiken angewöhnt, da wir ja nur mit den Fällen lernen, bei denen etwas schiefgeht. Da komme ich Kollegen mit anderer Fachrichtung oft seltsam vor. Die damit verbundene Vorsicht hat auch positive Seiten und vermeidet viele Fehler […]. Auch haben der extreme Lerndruck und die Versagensangst sich nicht gerade positiv auf die psychische Konstitution ausgewirkt. Positiv ist das strukturierte Denken, Assoziieren und die Problemlösungskompetenz sowie […] die Beschäftigung mit vielen verschiedenen Bereichen und Konstellationen. […]

Theoretische Physik: Ich promoviere in theoretischer Physik. Die größte Veränderung ist, dass ich nicht mehr nervös werde, wenn ich ein Thema (egal welcher Art, auch in ganz anderen Gebieten) nicht verstehe. Ich habe das Selbstvertrauen erlangt, dass ich eine Thematik irgendwann verstehen werde, wenn ich mich nur lang genug damit befasse.

Medizin: […] Ich habe einen besseren Blick für Scharlatane bekommen und Angst vor Situationen, in denen nahe Angehörige oder ich den medizinischen Betrieben quasi ausgeliefert sind (OPs, größere Zahnbehandlungen, Dinge, bei denen man nicht zuschauen kann...).

Mathe: Das Mathematikstudium hat mich definitiv total verändert. Neben Frustrationstoleranz und Demut lehrt es einen […] wirklich, analytisch zu denken. Ich löse mittlerweile auch private oder freizeitliche Probleme mit dieser Herangehensweise – und es klappt besser :)
Und man wird glücklicher, wenn man erkennt, wie viel man aus seinem Kopf herausholen kann, wie viel ohne jedes Hilfsmittel in einem steckt.

Germanistik: Der haptische Reiz von Büchern hat sich nach fünfeinhalb Jahren Studium und gefühlten fünfeinhalb Tonnen von A nach B geschleppter Bücher definitiv verloren. Außerdem ist das mit dem Glauben an irgendetwas Metaphysisches inzwischen so eine Sache geworden ... Dafür aber glaube ich jetzt umso fester an Typographie und kann nicht anders, als jeden Menschen (auch die, die es eh wissen) darauf hinzuweisen, dass der Apostroph in "Rosi's Haarsalon" erstens falsch und zweitens kein Apostroph ist. Außerdem habe ich ein diebisches Vergnügen daran gefunden, mein Leben zwischendurch mal als Roman zu lesen. Wenn zum Beispiel nebenan die Bib abgerissen wird, während ich das letzte Zeichen meiner Master-Arbeit schreibe, dann finde ich das schon ziemlich befriedigend und passend. Womit wir dann aber wieder bei der Metaphysik wären.

Jura: Ich habe das Gefühl, dass ich nach dem Studium und dem Ref bei vielen Dingen vorsichtiger geworden bin und die Risiken mehr im Blick habe.

Maschinenbau und Informatik: Ich bin ein ständig gelangweilter und fauler Zyniker geworden, der fast nichts ernst nehmen kann.

Mathe: Im Mathematikstudium ist die Frustrationstoleranz ins Unermessliche gestiegen, so schnell bringt mich nichts mehr aus der Ruhe. Dazu gehört natürlich auch, mal länger an etwas zu knobeln, […] unkonventionelle Lösungen zu finden […].

Jura: […] Ich habe unterwegs viel über mich selbst gelernt. Insbesondere, mich nicht (zu sehr) mit anderen zu vergleichen […].

Bauingenieurwesen: Ich habe erst vor Kurzem mein Tagebuch durchgeblättert, das ich vor circa zehn Jahren, in den ein bis zwei Jahren vor meinem Abi geschrieben habe. Eigentlich habe ich nicht das Gefühl, dass sich meine Persönlichkeit seit dieser Zeit besonders verändert hätte. […] Ich habe Bauingenieurwesen studiert. In unserer Branche ist der Umgangston eher direkt, sachlich, meistens recht freundschaftlich, ohne Intrigen und Herumgezicke. Viele meiner Kommilitonen waren aktiv, ob sportlich oder in anderen Bereichen. Ich denke aber nicht wirklich, dass uns unser Studium so gemacht hat, sondern dass das Studium und das ganze Milieu für Leute attraktiv ist, die grundsätzlich so drauf sind. Gelernt habe ich sicher viel – […] rein menschlich habe ich mich meiner Meinung nach aber sehr wenig verändert.

Informatik: […] Ich glaube, alles rational lösen zu können. Ich kann googeln und erwarte das auch von anderen, inklusive Wiederholung, wenn man nicht sofort fündig wird! Bei Bedarf HÄUFIG! Und nein, nur weil ich mehr Zeit und Energie reinstecke, um Probleme zu lösen, und damit auch erfolgreich bin, heißt das nicht, dass ich "das doch eh besser kann" und meine Verwandtschaft es erst gar nicht zu versuchen braucht, ihre Probleme aller Art selbst zu analysieren, egal ob computerbezogen oder nicht!

Jura: Die beiden Staatsexamina haben einem Demut gelehrt. Der Berufseinstieg hat einen dagegen arrogant gemacht. Ansonsten: Ich habe gelernt, dass nahezu jede Thematik spannend wird, sobald man sich intensiver damit beschäftigt.

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Kommentare (4)

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  1. Anne Kremer

    Hallo und ups, das war keine böse Absicht. Wir berichten nie absichtlich einseitig über Studienfächer (weil du schreibst: "wieder"). Bei der Selektion war maßgeblich zum einen, dass die Personen berichtet haben, wie ihr Studium sie verändert hat (und nicht, was sie im Studium gelernt haben – das war nicht die Frage), und zum anderen schlicht der Posting-Zeitpunkt. Es tut mir Leid, wenn dadurch bei dir der Eindruck entstanden ist, wir würden absichtlich einseitig berichten.

  2. Anonym

    Sehr schade, dass man für die Medizin wieder den einen negativen Kommentar ausgewählt hat und die durchaus vorhandenen, positiven Zitate verschweigt. Bei den Juristen hat man ja auch vier Kommentare untergebracht...

  3. Anonym

    Vielen Dank für dein Lob und deine Anregung. Der Input für diese Sammlung stammt aus einer Community-Frage, und dort haben wenig Geisteswissenschaftler geantwortet.

  4. Anonym

    Generell eine gute Idee, aber mehr Abwechslung wäre schön gewesen. Die Geisteswissenschaften sind sehr schwach vertreten, stattdessen gibt es 4 Jurastudenten.

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