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Geld erhalten sie nicht, jedoch eine Extraportion Arbeit

Zwei Milliarden Euro investieren Bund und Länder bis 2020, um den Hochschulen zu helfen, den Andrang der Studierwilligen zu bewältigen und die Studienbedingungen zu verbessern. Über 250 Projekte kennt der sogenannte Qualitätspakt Lehre. Doch nur ein einziges Vorhaben richtet sich explizit an "besonders motivierte Studierende": eine Kursreihe an der Hochschule Kaiserslautern.

Brauchen die staatlichen Unis also neben der Massenbildung keine Pflege der Leistungsspitze? Kommen die Überflieger auch gut alleine klar? Oder sollte man die Bestenförderung den privaten Hochschulen überlassen? Jedes Jahr veröffentlicht die Studienstiftung des deutschen Volkes, das wichtigste vom Bund getragene Begabtenwerk, ein Ranking derjenigen Universitäten, an denen prozentual die meisten Studienstiftler eingeschrieben sind. Die ersten Plätze belegen seit Langem Privatuniversitäten.

Langsam wächst die Zahl derjenigen, die das für keine gute Entwicklung halten. Eine Dean’s List gibt es auch in Köln, Frankfurt und Würzburg. Neben einer Urkunde erhalten die Notenkönige – hier in den Wirtschaftswissenschaften – einen Professor als Mentor an die Seite. Zudem können sie bei regelmäßigen Treffen mit Unternehmensvertretern ihre Chancen auf interessante Praktika und Jobs steigern.

In Bonn klagte der Asta gegen die Elitenförderung – und bekam recht

Einen wissenschaftlichen Mehrwert bietet die Dean’s List dagegen selten. Dieses Ziel verfolgt seit einiger Zeit die Berliner Humboldt-Universität. Für deren Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz ist die Pflege besonderer Talente vom ersten Semester an eine Frage der Gerechtigkeit. "Wenn jeder Student sein Potenzial optimal entfalten soll", so Olbertz, "müssen wir auch den Leistungsstärkeren etwas bieten." An der Humboldt-Universität ist das der frühe Kontakt zur Forschung.

Im sogenannten Q-Programm der HU können Studierende eigene Forschungsfragen bearbeiten oder sich in laufende wissenschaftliche Projekte einklinken. Auf Antrag erhalten sie dafür ein kleines Budget sowie die Unterstützung von Doktoranden. Für ein weiteres Zusatzangebot nutzt die HU das Deutschlandstipendium, das Stipendienprogramm von Bund und Privatwirtschaft für begabte Studierende. Die meisten Unis leiten das Geld nur relativ einfallslos an die Begünstigten weiter. Die HU dagegen vereint die Stipendiaten in Themenklassen. Hier können sie sich über Fächergrenzen hinweg zu einer Fragestellung zusammentun, etwa zur Energiewende oder zum Bild des Alters in der Kunst.

Die Humboldt-Uni möchte mit dem Q-Programm die Universitätsidee ihres Namensgebers beleben: die Einheit von Forschung und Lehre vom ersten Semester an. In akademischen Sonntagsgebeten wird diese Einheit stets beschworen. Doch das forschende Lernen braucht Zeit und eine individuellere Betreuung. Wenn im Schnitt 64 Studenten auf einen Professor kommen, ist beides nur selten vorhanden. Also muss die Universität auswählen.

Im Prinzip darf sich jeder HU-Student für die Q-Kurse bewerben. Anders in Bonn, wo die Universitätsleitung auf die Idee kam, die Begabtesten auszuwählen, und sich damit Ärger einhandelte. Als bisher erste Universität hat die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität vor drei Jahren ein sogenanntes Honors-Programm aufgelegt, ein Bonusangebot für die Studierenden mit den besten Noten. Rund 100 Studenten werden jedes Jahr aufgenommen. Geld erhalten sie nicht, jedoch eine Extraportion Arbeit.

Die Honors-Studenten müssen neben dem normalen Bachelorpensum Kurse in Wissenschaftstheorie belegen, einen Kurs aus einem anderen Fach sowie ein Seminar besuchen, das eigens für Honors-Studenten angeboten wird. "Das Programm setzt einen Gegenakzent zur Spezialisierung des Bachelors", sagt Prorektor Jürgen von Hagen. Kürzlich hat der Wirtschaftswissenschaftler gemeinsam mit einem Theologen ein Honors-Seminar angeboten. "Hungrig und hoch motiviert" seien die Studierenden gewesen, schwärmt von Hagen, "das hat Riesenspaß gemacht".

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