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Studentinnen sind gestresster als ihre männlichen Kommilitonen

Frau, Depression, Trauer, Einsamkeit, Studium [Quelle: unsplash.com, Autor: Eric Ward]

Quelle: unsplash.com, Eric Ward

Seit die Corona-Maßnahmen begonnen haben, scheint es Studentinnen schlechter zu gehen als Studenten. Ist das ein Zeichen von noch immer fehlender Gleichberechtigung oder hat es andere Gründe?

Die Corona-Krise offenbart, wie groß die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch unter den Studierenden noch sind. Zwar belasten die Folgen der Pandemie auch viele männliche Studenten. Sie sind gestresst von der Isolation, der Onlinelehre, den Risiken durch das Virus – aber es sind offenbar viel weniger als unter den weiblichen Kommilitonen. In einer Umfrage der Krankenkasse KKH gaben 70 Prozent der Studentinnen an, dass sie sich schwerer motivieren können, seit die Maßnahmen gegen das Virus begonnen haben. Unter den Studenten sagten das 59 Prozent.

Die KKH hat in einer aktuellen Umfrage rund 1.000 Studierende nach vielen unterschiedlichen Gemütszuständen gefragt: Dass es ihnen schlechter gehe als vor der Pandemie, antworteten stets mehr Studentinnen als Studenten. Wie kann es sein, dass Studentinnen und Studenten die Pandemie so unterschiedlich erleben?

Achim Wortmann beobachtet die junge Generation jeden Tag. Er ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Northern Business School, einer privaten Hochschule in Hamburg. Als es neulich in seinem Kurs um Influencermarketing ging, fragte er die Studierenden, wofür sie sich am meisten interessierten: 95 Prozent der Antworten entsprachen dem Klischee. Die Männer gaben Fitness, Ernährung und Profisport an, die Frauen Mode, Beauty und Lifestyle. Von den Studierenden, die Wortmann unterrichtet, arbeiten 80 Prozent nebenher, schätzt er. Wortmann ist schon vor der Pandemie aufgefallen, dass die Frauen andere Jobs haben als die Männer: Sie kellnern oder arbeiten im Einzelhandel, während ihre männlichen Kommilitonen eher in der Industrie jobben oder im Büro eines Mittelständlers.

Anerzogen oder angeboren?

Als Corona kam, verloren viele Studentinnen in Wortmanns Kursen ihre Arbeit, weil Restaurants und Geschäfte schlossen. Manche mussten Kredite aufnehmen, um überhaupt weiterstudieren zu können. "Die haben sich große Sorgen gemacht", erzählt er. Der Professor kann stundenlang darüber reden, wie sehr Frauen im Arbeitsleben trotz aller Fortschritte noch benachteiligt werden. Auch unter seinen Studierenden beobachtet Wortmann immer wieder tradierte Rollenbilder. Aileen Könitz, Expertin bei der KKH für psychiatrische Fragen, bestätigt das: Junge Frauen verrichteten noch mehr Arbeit in einem Pärchenhaushalt als der Mann.

Quellen: KKH, Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, e-fellows.net 

Klaus Hurrelmann glaubt dagegen nicht daran, dass sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur durch fehlende Gleichberechtigung erklären lassen, sondern dass sie teilweise auch angeboren sind. "Wir wissen seit Jahrzehnten aus Studien, dass Mädchen und Frauen im Vergleich zum männlichen Geschlecht viel empfindsamer, viel sorgenvoller sind, was ihre Gesundheit und ihre Lebensgestaltung betrifft", sagt der 77 Jahre alte Jugendforscher. Auch Könitz sagt: "Frauen haben eher eine hohe Symptomaufmerksamkeit als Männer." Das mache sie sensi­bler und oft auch pessimistischer.

Hurrelmann hat auch in diesem Jahr wieder seine Studie "Junge Deutsche" mit rund 1.000 Befragten veröffentlicht. Viele seiner Ergebnisse decken sich mit den Antworten, die die Studierenden in der KKH-Umfrage gegeben haben. "Jungen Frauen bereiten alle negativen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen mehr Sorgen als jungen Männern", steht dort. Oder: Junge Frauen erlebten viel öfter eine Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit, in ihren Freundschaften und bei ihrer finanziellen Situation. All das Negative hat aber auch positive Seiten: Während die Pessimistinnen auf Krisen reagieren, ignorieren sie Optimisten oft viel zu lange. Wortmann sagt: "Ich habe den Eindruck, der Ernst des Lebens ist den Frauen eher bewusst."

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