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Durchmachen lohnt sich auf keinen Fall!

Der dritte Tipp der Bildungsforscher: genug Pausen machen und zwischendurch Sport treiben. "Bewegung hilft dem Körper, Stress abzubauen", sagt der Stressforscher Tim Hagemann. Genug Schlaf, gesundes Essen und ein aufgeräumter Arbeitsplatz seien ebenfalls wichtig.

Neben diesen grundlegenden Empfehlungen gebe es Lese- und Lerntechniken, die konzertiertes Arbeiten unterstützen. Geht es vor allem um Faktenwissen, können Verfahren wie das sogenannte Speed-Reading helfen: Wer sich vornimmt, zügig zu lesen, und vermeidet, ständig zurückzuspringen, beschäftigt sich mehr mit dem Inhalt als damit, über die Bedeutung verschiedener Wörter nachzugrübeln. Außerdem verhindert es, dass die Gedanken beim Lesen abschweifen. Wenn es um kompliziertere Texte geht, kommt man damit jedoch nicht weiter.

Für schwierigen Stoff eignet sich eine Lesetechnik namens SQ3R, bei der sich der Text in fünf Schritten erschließen soll: Survey, Question, Read, Recite, Review. Für den ersten Überblick liest man zunächst Kapitelüberschriften, Bildunterschriften und Inhaltsverzeichnis. Dann bildet man Hypothesen, wovon der Text handeln könnte. In der dritten Phase soll man den Text gründlich lesen, wichtige Stellen unterstreichen und herausfinden, wovon der Text tatsächlich handelt. In der vierten Phase fasst man jeden Abschnitt zusammen. Im letzten Schritt wird der ganze Text wiedergegeben. Um zu testen, wie viel man verstanden hat, kann es helfen, Freunden oder der Familie in einfachen Worten in einer E-Mail zu schreiben, woran man im Moment sitzt.

Und was ist, wenn für all das keine Zeit mehr ist? "Fakten reinpressen, das kann kurzfristig klappen", sagt Lernforscher Rolf Schulmeister. Für wirkliches Verstehen brauche man aber mehr Zeit. Er rät: Wenn es schnell gehen muss, prägt sich das Gehirn Formen gut ein, weshalb dann Mindmaps helfen können. Oder Assoziationsketten: Das niederländische Wort für Huhn, kip, klingt nach Kippe – um die Vokabel zu lernen, merkt man sich ein Huhn mit einer Zigarette im Schnabel.

Durchmachen lohne sich auf keinen Fall. "Das Gehirn arbeitet nach einer schlaflosen Nacht so, als hätte man zwei Flaschen Wein getrunken", sagt Rolf Schulmeister. Wer unbedingt noch auf die letzte Minute lernen muss, sollte sich lieber rechtzeitig schlafen legen und morgens früh aufstehen – und auch dann nur die wichtigsten Fakten wiederholen. Kaffee und Energiedrinks steigern die Lernleistung übrigens nicht. Sie können hibbelig machen und so die Konzentration schwächen.

Was machen die Unis?

Die Leistungsanforderungen in meinem Fach sind hoch oder sehr hoch – das sagte jeder zweite Befragte den Konstanzer Forschern. Noch nie haben das so viele Studenten so empfunden. Langsam reagieren die Unis auf den gestiegenen Stresspegel. Einige haben zum Beispiel die Regelstudienzeit aufgeweicht: In Hannover kann man sich für den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften acht Semester Zeit lassen, genauso viel Zeit hat man für Psychologie in Konstanz, und die private Zeppelin Universität in Friedrichshafen hat inzwischen alle Bachelorstudiengänge verlängert. Um den Stress am Semesterende zu verkleinern und das Pensum während des Semesters zu entzerren, haben mehrere Unis in Deutschland und Österreich angefangen, ihre Studiengänge in Lernblöcke aufzuteilen. Dadurch lernt man nicht alle Fächer parallel, sondern nacheinander. Klausuren schreibt man nach einem Lernblock, danach beginnt der nächste Block.

Trotzdem: Wer über den Büchern hängt, obwohl schon längst nichts mehr in den Kopf geht, der vertraut besser auf Freunde, die einem sagen: "Genug gelernt!" – als darauf, dass der Dozent oder der Modulplan einem noch ein bisschen mehr Zeit einräumen.

Mitarbeit: Wlada Kolosowa

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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