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Die schwarz-weißen Zeiten sind vorbei

Schachbrett (Quelle: freeimages.com, Autor: ColinBroug)

Quelle: freeimages.com, ColinBroug

Die Wahl des passenden Studiengangs ist folgenreich – und alles andere als leicht. Wenn du dich dann endlich für eine Richtung entschieden hast, bleibt immer noch die Frage: private oder staatliche Uni? Wir stellen beide Varianten gegenüber und lassen die Dekane der staatlichen TU München und der privaten Munich Business School ihr jeweiliges Modell verteidigen.

Von solch einem Wachstum träumen Ökonomen: Waren im Jahr 2000 noch ein Prozent aller Studenten an privaten Hochschulen eingeschrieben, so hat sich die Zahl bis 2011 verfünffacht. Die Zahl der privaten Hochschulen hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Damit befindet sich gut ein Viertel der deutschen Hochschullandschaft in privater Hand. 13 der privaten Hochschulen sind mit staatlichen Universitäten gleichgestellt, die meisten Studenten sind allerdings an Fachhochschulen eingeschrieben.

Innovationsmotor private Hochschule?

In Deutschland gelten Hochschulen in privater Trägerschaft als Innovatoren. Neue Lehrmethoden, neue Studienschwerpunkte, enge Kontakte zu ausländischen Partner-Universitäten, eine starke Orientierung am Arbeitsmarkt und der Beschäftigungsfähigkeit junger Akademiker. All das hatten sie den staatlichen Hochschulen in der Regel voraus und verschaffte ihnen einen klaren Wettbewerbsvorteil. Doch die schwarz-weißen Zeiten sind vorbei, heute weichen sie einem immer stärkeren Grau. Eine Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft aus dem letzten Jahr kommt zu dem Ergebnis: Private Hochschulen treten in immer direkteren Wettbewerb zu staatlichen Bildungseinrichtungen, denn die Zahl der Studenten steigt – und angehende Akademiker werden bei ihrer Studienwahl immer anspruchsvoller.

Privat = elitär?

Das Vorurteil der elitären Kaderschmieden ist hartnäckig – und geht teilweise an der Realität vorbei. Private Hochschulen sprechen viele Studenten an. Manche von ihnen hätten sonst kein Studium in Erwägung gezogen, stellt die Studie des Stifterverbandes fest. Private Hochschulen akademisieren nämlich frühere Lehrberufe, schaffen flexible Angebote, um auch Berufstätigen ein Studium zu ermöglichen, oder bieten Studiengänge in enger Kooperation mit ortsansässigen Unternehmen an – und motivieren damit auch Pragmatiker zum akademischen (Um-)Weg.

Wirtschaftliche Fächer führen die privaten Hochschulen an

Viele Einrichtungen konzentrieren sich auf interdisziplinäre Studiengänge und setzen ihren Schwerpunkt auf internationale Angebote. Andere wurden mit dem klaren Ziel gegründet, die Lehre und bestimmte Inhalte im Vergleich zu staatlichen Hochschulen zu verbessern, etwa die Bucerius Law School in Jura oder die Universität Witten/Herdecke in der Medizin. Die Kapazitäten von Privathochschulen reichen trotz ihrer steigenden Anzahl nicht an diejenigen staatlicher Einrichtungen heran: Die durchschnittliche Studentenzahl lag 2010 bei 1.051, an staatlichen Hochschulen waren es über 8.000. Privat Studierende müssen in der Regel hohe Studiengebühren in Kauf nehmen, was für einige ein Ausschlusskriterium bei der Studienwahl ist. Im Fächerangebot gibt es einen klaren Schwerpunkt: 60 Prozent aller Studierenden an privaten Hochschulen belegen wirtschaftsnahe Studiengänge.

Staatliche Hochschulen: der akademische Elfenbeinturm?

Überfüllte Hörsäle, chaotische Zustände nach der Umstellung auf das Bachelor- und Master-System: Ein Studium an einer staatlichen Hochschule hat seine Nachteile. Die Einrichtungen werden allerdings zum Großteil von staatlichen Geldern finanziert und haben daher verhältnismäßig mehr Mittel zur Verfügung als ihre privaten Pendants. Aber auch sie müssen um immer anspruchsvollere Studenten werben, um Mittel aus der Exzellenzinitiative und um namhafte Wissenschaftler.

Während private Hochschulen im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Sachen Studiensituation die Nase vorn haben, setzen staatliche Universitäten daher ihre Schwerpunkte meist in der Forschung: So belegte die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TUM bei einem viel diskutierten und umstrittenen Ranking des Handelsblatts Platz Eins der forschungsstärksten Universitäten. 

Aber bedeutet mehr Geld letztendlich auch bessere Studienbedingungen? Staatliche Universitäten haben jedenfalls dazugelernt. Sie versuchen, Studenten zunehmend besser zu betreuen und ihnen den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern.  Career Services, enge Kontakte zu Firmen und die Integration von Auslandsaufenthalten in der Studienorganisation gelten schon lange nicht mehr als Speerspitze der Innovation, sondern sind heute Standard.

Zwei Dekane im Interview

Wo sehen der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der TUM, Gunther Friedl, und der Dekan der MBS, Stefan Baldi, die Vorteile eines Studiums an ihrer Hochschule? Wir baten sie, in fünf Stichworten zu antworten.

Stefan Baldi von der Munich Business School (Quelle: Munich Business School)

Stefan Baldi, MBS:

  1. Kleingruppenprinzip: maximal 30 Studenten pro Klasse
  2. Internationalität: alle Studienangebote auch in englischer Sprache, über 50 Partnerhochschulen weltweit
  3. Hohe Service-Orientierung: intensive Betreuung vor, während und nach dem Studium, internes Career Center, International Office, Coaching-Programm
  4. Starke Projekt-Orientierung im Unterricht und an der Hochschule allgemein: Case Studies, Workshops, Gruppenarbeiten, außercurriculare Veranstaltungen
  5. Nähe zur Wirtschaft: Dozenten aus der Wirtschaft, Unternehmensvorträge, Career Day
Gunther Friedl von der TU München (Quelle: TU München)

Gunther Friedl, TUM:

  1. Inhalt: Enge Verzahnung von Management und Technologie
  2. Breite des Angebots: Großes Spektrum an Lehrveranstaltungen, zum Beispiel auch in den Naturwissenschaften oder in der Architektur
  3. Flexible Studienorganisation: Die TUM setzt auf Eigeninitiative ihrer Studenten
  4. Qualität der Lehre: Wissenschaftlich fundierte Ausbildung bei hochkarätigen und international erfahrenen Dozenten
  5. Akademische Laufbahn: Möglichkeit zur Promotion

Was unterscheidet Ihre Hochschule vom jeweils anderen Studienmodell?

Friedl: Wir bieten technikorientierte Vorlesungen. Bei uns lernen die Betriebswirte die Sprache der Maschinenbauer oder Elektrotechniker. Diese Veranstaltungen können nur von einer technischen Universität angeboten werden. Wir haben einen stärkeren Schwerpunkt in der Wissenschaft, private Universitäten können sich renommierte Wissenschaftler oft nicht leisten.

Baldi: Wir haben keine vollen Hörsäle mit Hunderten von Studenten, sondern wir arbeiten von Anfang an mit Kleingruppen von maximal 30. Für viele Veranstaltungen splitten wir das auch nochmal. Das bedeutet, dass wir auch in den Lehrformen ganz anders agieren können als eine staatliche Hochschule.

Wie sorgt eine Massenuni wie die TUM für kleine Gruppen?

Friedl: Meist haben staatliche Unis mehr Studenten, auch mehr Studenten pro Veranstaltungen in den Pflichtfächern. Das machen wir aber wett, indem wir die großen Veranstaltungen ergänzen um Tutorien in Kleingruppen mit 20 bis 25 Studenten. So ist das Betreuungsverhältnis besser und der der Vorwurf der Massenuni trifft nicht mehr zu.

Die MBS hat zwar kleine Gruppen, dafür aber hohe Gebühren...

Baldi: Das stimmt, allerdings bietet die MBS auch einen Mehrwert: Studenten können sich spezialisieren, es gibt regen Kontakt in die Wirtschaft. Auch die internationale Ausrichtung des Studiums eröffnet unseren Studenten viele Zukunftsperspektiven.

Aber wenn man ehrlich ist, gibt es in bestimmten sozialen Schichten Berührungsängste mit privaten Hochschulen. Das heißt, viele bewerben sich möglicherweise gar nicht bei einer privaten Hochschule. Sie haben es gar nicht auf ihrem Radar, dass sie auch an der MBS studieren könnten.

Sind die Studenten an der TUM sich selbst überlassen?

Friedl: Private haben tatsächlich bessere Betreuungsrelationen, auch wenn wir versuchen, mit Tutorien gegenzusteuern. Wir wollen die Eigeninitiative und die Persönlichkeitsentwicklung stärker fördern, indem wir ein breites Angebot machen. Wir erwarten natürlich auch von unseren Studenten, dass sie dieses Angebot annehmen. Wir zwingen sie nicht dazu. Die Studenten, die davon Gebrauch machen, die sind in der Regel besser aufgestellt als das vielleicht beim dem ein oder anderen Absolventen einer Privatuni der Fall ist.

Wir haben außerdem eine relativ große Studienfachberatung. Es gibt Auslandsbeauftragte, die Fachberatungen machen. Studenten bekommen bei uns viel Hilfe, wenn sie sie in Anspruch nehmen wollen. Das Angebot ist da. Das ist etwas, was es an staatlichen Hochschulen vor 10, 15 Jahren in dieser Breite nicht gegeben hat.

Da könnte man fast glauben, dass private Hochschulen ihren Studenten zu viel in Sachen Eigeninitiative abnehmen...

Baldi: Unsere Studenten haben sicherlich eine weniger freie Zeiteinteilung als die an einer staatlichen Hochschule. Das liegt an den Stundenplänen, außercurricularen Veranstaltungen und Gruppenarbeiten. Man braucht dafür natürlich auch ein gutes Zeitmanagement. Das gefällt nicht jedem und vielleicht gibt es auch Leute, die sagen, das sei nicht Studieren im klassischen Sinne. Wir sehen das als einen Vorteil der MBS und sind davon überzeugt, dass die Studenten sehr viel lernen durch diese Art der Studienorganisation und so besser auf Projekte und Beruf vorbereitet werden.

Wie fördern Sie Querdenker an der MBS trotz engem Stundenplan?

Baldi: Nur weil man einen strengen Zeitplan hat, heißt das nicht, dass man nur in eine Richtung denken kann. Vor allem durch unseren Mix verschiedener Lehr- und Lernformen regen wir zum Querdenken an. Hier lernt niemand nur stur auswendig, da das gerade in eigenständigen Projekten und Gruppenarbeiten keinen Erfolg bringt. Beim Thema Wirtschafts- und Kulturgeschichte geht es in Ergänzung zu den klassischen betriebswirtschaftlichen Inhalten beispielsweise auch um Philosophie. Das sind einfach Denkmodelle, mit denen man sich beschäftigt haben muss. Die nimmt man vielleicht nicht alle für sich an, aber man sollte sie gehört haben. Und die bringen die Studenten – und zwar jeden, nicht nur den, der Lust hat – dazu, über den Tellerrand zu schauen. Unsere Erfahrung ist, dass ein gewisser Zwang, sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen man sich freiwillig vielleicht nicht beschäftigt hätte, gerade auch in der Persönlichkeitsentwicklung einen wichtigen Schritt bedeutet.

Für die ganz großen eigenen Projekte bleibt neben dem Studium weniger Zeit. Trotzdem heißt ein straffer Plan nicht, dass jeder im Gleichschritt geht. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich selbst und seine Ideen zu verwirklichen: so ist zum Beispiel bei den sozialen Projektarbeiten die Themenwahl komplett frei und viele Studenten engagieren sich nebenbei bei einer unserer zahlreichen studentischen Initiativen.

Bei der Umsetzung der Bologna-Reformen war die MBS viel früher dran als die TUM, was hat das für Konsequenzen für die Studenten?

Friedl: Wir haben den großen Vorteil, dass wir relativ lange gewartet haben mit der Umstellung auf Bachelor und Master, sodass wir uns die Probleme, die an anderen Universitäten entstanden sind, relativ gelassen anschauen und daraus unsere Schlüsse ziehen konnten. Eines der Probleme war, dass Bachelor-Studenten keine Master-Studienplätze bekommen haben, obwohl sie weiterstudieren wollten. Wir haben nun dafür gesorgt, dass es für alle geeigneten Bachelor-Absolventen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch einen Master-Platz gibt. Und auch diejenigen, die kein technologisches oder betriebswirtschaftliches Grundwissen haben, können bei uns in einen Master einsteigen.

Baldi: Wir haben so früh wie möglich umgestellt. Das heißt, wir haben schon viel Erfahrung, die Kinderkrankheiten sind raus. Wobei ich auch sagen muss: Bei uns gab es gar nicht so viele Probleme. Viele Ziele, die durch den Bologna-Prozess allen Hochschulen auferlegt wurden, sind Dinge, die wir auch vorher schon gemacht haben. Insofern war der Umstellungsschock nicht so groß. Der straffe Stundenplan, der von vielen jetzt beklagt wird, hat schon immer zum Studium an der MBS gehört.

In welchen Bereichen werden Sie dem jeweils anderen Hochschulmodell immer einen Schritt voraus sein?

Baldi: Es gibt einfach Dinge, die staatliche Hochschulen nicht machen können oder nicht machen wollen, zum Beispiel wird uns der Vorteil der Kleingruppen bleiben. Wir sind, was die Service-Orientierung angeht, bereits auf einem sehr guten Niveau, an dem wir auch kontinuierlich weiterarbeiten. Weiterhin sind die Prioritäten anders als bei staatlichen Hochschulen, was das Verhältnis von Lehre und Forschung angeht. Auf diese Wettbewerbsvorteile setzen wir weiterhin. Wir werden uns in Zukunft allerdings nicht maßgeblich verändern: Natürlich gibt es bestimmte Inhalte, auf die wir – weil wir kleiner und flexibler sind – schneller reagieren können, um sie ins Studium zu integrieren. In anderen Dingen sind wir aber auch teilweise durch Akkreditierungsprozesse gehindert. Den ganz großen Coup gibt es nicht, mit dem wir alle anderen Hochschulen, ob privat oder staatlich, abhängen. Wir müssen einfach in jedem Gebiet immer einen Schritt voraus und immer ein bisschen besser sein.

Friedl: Staatliche Universitäten tun sich meines Erachtens leichter, wissenschaftlich herausragende Professoren zu beschäftigen. Die arbeiten unserer Erfahrung nach lieber an staatlichen Universitäten als an privaten. Wir rekrutieren Dozenten und Professoren teilweise von privaten Hochschulen und haben keine Probleme, die geeigneten Personen für uns zu gewinnen. Wir müssen offensichtlich ein Umfeld bieten, das für Wissenschaftler attraktiver ist. Und wenn man hervorragende Wissenschaftlicher gewinnt, dann schlägt sich das natürlich auf die Qualität der Lehre und vor allem der Lehrinhalte nieder. Und dort haben Studenten dann einen klaren Vorteil. 

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