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So finanziere ich das Studium

Mädchen kalkuliert am Handy und macht Notizen [Quelle: pexels.com, Autor: bongkarn thanyakij]

Quelle: pexels.com, Autor: bongkarn thanyakij

Bald beginnt das Wintersemester. Wie kommen Studenten in Corona-Zeiten an Geld? Ein Überblick über die besten Wege.

Studenten stehen vor einem weiteren ungewöhnlichen Semester. Wie schon das Sommer- wird auch das nahende Wintersemester von der Corona-Pandemie beherrscht sein. Ein paar Präsenzvorlesungen werden sich mit Online-Veranstaltungen abwechseln.

Die anderen Dauerthemen für die Hochschüler bleiben allerdings. Wie finde ich ein WG-Zimmer oder einen Wohnheimplatz? Und wie finanziere ich das alles? Etwa 700 Euro braucht ein Student im Monat, in teuren Städten wie München auch mehr. Glück hat derjenige, dem die Eltern alles bezahlen. Oft können sie aber nur einen Teil oder gar nichts übernehmen. Immerhin gibt es bis zum Alter von 25 Jahren noch Kindergeld in Höhe von 204 Euro im Monat (von Januar an 219 Euro). Zudem helfen das staatliche Bafög, Stipendien, Studienkredite oder ein Nebenjob. In Zeiten von Corona hat sich hier einiges verändert.

So sind Studentenjobs derzeit schwieriger zu finden, weil einige Unternehmen Finanznöte haben und die Zahl der Mitarbeiter kleiner halten wollen. Hilfe bieten die Studierendenwerke und spezielle Jobportale für Studenten wie Youngcapital, Campusjäger oder Freelance Junior. Nach einer Auswertung des Personaldienstleisters Studitemps schwankten die Durchschnittslöhne von 12.000 vermittelten Studentenjobs im Jahr 2019 zwischen 15,23 Euro pro Stunde (Arbeiten mit IT-Bezug), 14,98 Euro (soziale Betreuung) und knapp über 10 Euro für Inventur- und Küchenhilfen sowie Kassierer.

Wer wegen der Pandemie in eine akute finanzielle Notlage geraten ist – zum Beispiel weil der Nebenjob gekündigt wurde oder die Eltern weniger zahlen können –, der kann Überbrückungsgeld beantragen. Das geht über das Web-Portal ueberbrueckungshilfe-studierende.de. Maximal 500 Euro dürfen die Studierenden dafür auf ihren Konten haben. Wenn der Antrag genehmigt wird, bekommen sie dann für Mai bis August zwischen 100 und 500 Euro im Monat, die nicht zurückgezahlt werden müssen. 60 Prozent der Antragsteller erhielten zuletzt die Höchstsumme. Allerdings wurde bisher nur rund die Hälfte der Anträge genehmigt. Grund waren laut Regierung in 30 Prozent der Fälle fehlende oder unleserliche Dokumente, bei 20 Prozent verstrich die Frist für Nachbesserungen. Nur neun Prozent hatten zu viel Geld auf dem Konto.

Auch beim Studienkredit der KfW, dem erfolgreichsten Finanzierungsangebot für Studenten mit 330.000 Vertragsabschlüssen seit 2006, gibt es Corona-Erleichterungen. Die Zinszahlung wurde bis Ende März nächsten Jahres ausgesetzt. Danach soll sie aber wieder fällig und vom Darlehen abgezogen werden. Bisher mussten 4,36 Prozent Zins bezahlt werden. Nach der jährlichen Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) war das die teuerste Finanzierungsvariante (der Vergleich der Studienkredite findet sich kostenlos unter www.che.de). Studenten erhalten bis zu 650 Euro im Monat, im Schnitt sind es aktuell 535 Euro. Der Vorteil des KfW-Kredits ist, dass er für alle staatlichen Hochschulen, alle Semester und alle Studiengänge offen ist, auch für das Zweitstudium und die Promotion.

Bei anderen Krediten ist das oft nicht der Fall. So dient der zweitbeliebteste Kredit, der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes, nur der Sicherung und Beschleunigung des Studiums in fortgeschrittenen Studienphasen. Für maximal zwei Jahre kann man Auszahlungen von 100, 200 oder 300 Euro im Monat beantragen, also weniger als bei der KfW. Der Bildungskredit ist mit anderen Angeboten wie Bafög und KfW-Studienkredit kombinierbar. Er ist eines der zinsgünstigsten Angebote überhaupt: Derzeit werden nur 0,72 Prozent verlangt. Er wird auch zur Förderung einer rein schulischen Berufsausbildung sowie für ein Auslandsstudium oder -semester sowie für Praktika im Ausland gewährt, allerdings nicht für die Promotion. Sogar zinsfrei sind Darlehen einiger Studierendenwerke für die dort eingeschriebenen Hochschüler. Teilweise werden sie aber nur kurz als Übergangsdarlehen gewährt.

Teuer sind hingegen einige Bankangebote, die es teilweise nur regional gibt, etwa von Sparkassen, teilweise in Kooperation mit Hochschulen. Die ganz kostspieligen wie die der Deutschen Bank oder der DKB mit Zinsen von acht und sechs Prozent wurden zwar eingestellt. Aber die Deutsche Apotheker- und Ärztebank verlangt zum Beispiel noch rund vier Prozent. Noch teurer können Bildungsfonds werden, denn hier investieren private Anleger ihr Geld, um eine ordentliche Rendite zu erzielen. Hier hängt die Höhe des Zinses vom späteren Einkommen ab. Wer dann viel verdient, muss besonders viel zurückzahlen. Da sich die Fonds in der Regel auf Bewerber und Fächer konzentrieren, die anschließend hohe Gehälter versprechen, sind die Geförderten besonders von hohen Rückzahlungen betroffen. Beispiele für solche Fonds sind etwa die Angebote der Deutsche Bildung Studienförderung oder von Brain Capital für MBA-Studiengänge.

Der Vorteil solcher Fonds ist unter anderem, dass höhere Kredite von mehr als 1.000 Euro möglich sind. Man sollte allerdings gut überlegen, ob man der Versuchung einer hohen Förderung erliegen will, denn so türmt sich eine hohe Rückzahllast im Berufsleben auf. "Naturgemäß ist der Lebensstandard in Ausbildungsphasen nicht vergleichbar mit dem von Berufstätigen. Überdimensionale Ansprüche auf Kosten der Zukunft sollten hinterfragt werden", rät Ulrich Müller vom CHE. "Es sind zuerst alle Möglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverpflichtung auszuschöpfen, also etwa Jobben, Bafög oder Unterstützung durch die Eltern."

Die meisten beherzigen das. Nur etwa 74.000 Studenten nutzten zuletzt Studienkredite, das sind lediglich 2,6 Prozent der Eingeschriebenen. Ähnlich viele Studierende, rund 60.000, bekamen Stipendien. Die sind aber oft an überdurchschnittliche Leistungen oder ein besonderes Engagement, etwa im Sozialen, gebunden. Zwei Drittel arbeiten nebenbei. Und mehr als 80 Prozent werden von den Eltern unterstützt.

Können die Eltern wegen zu geringen Einkommens nicht zahlen, hilft das Bafög. Es wird nur gewährt, wenn das Gehalt der Eltern bestimmte Grenzen nicht überschreitet. In der Krise verlieren die Eltern mitunter ihren Job oder sind in Kurzarbeit. Dann können sie eventuell weniger oder keinen Unterhalt für ihr Kind leisten. Auch hier gibt es wegen Corona eine Erleichterung: In solchen Fällen ist ein sogenannter Bafög-Aktualisierungsantrag möglich. Das Bafög-Amt legt dann das aktuelle Einkommen der Eltern zugrunde und nicht wie sonst die Einkünfte im vorletzten Kalenderjahr.

Bezahlt werden von Herbst an bis zu 861 Euro im Monat bei Unterbringung außerhalb des Elternhauses. Das Einkommen des Studierenden darf den Betrag von 5.421 Euro im Jahr nicht übersteigen. Studierende dürfen zudem kein Vermögen von mehr als 8.200 Euro haben. Wer verheiratet ist, in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt oder Kinder hat, für den erhöht sich der Vermögensfreibetrag um 2.300 Euro pro Person. Hilfe leistet das Bafög-Amt der Hochschule.
Wer ein paar Semester im Ausland studieren will (sofern das in diesen Zeiten möglich ist), kann auch dafür eine Förderung in Anspruch nehmen. Den Austausch mit einer europäischen Uni fördert das EU-Programm Erasmus. Für andere Auslandsaufenthalte gibt es vom DAAD Zuschüsse. Und auch die jeweiligen Gastländer haben Förderprogramme bis hin zu Wohngeld, die auch deutsche Studierende in Anspruch nehmen dürfen.

Wer sich auf einem oder mehreren dieser Wege sein Studium finanziert, der sollte wissen, dass er in Zukunft sogar Steuern sparen kann. Die von den Studenten getragenen Kosten eines Zweitstudiums wie Hochschulgebühren, Bücher oder Miete können unbegrenzt als Werbungskosten (Anlage N) abgesetzt werden. Die Studenten sollten dann jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben, auch wenn sie gar nicht oder wenig arbeiten. Die Werbungskosten können in die Zukunft vorgetragen werden und mindern dann später im Berufsleben das zu versteuernde Gehalt. Die Kosten eines Erststudiums sind hingegen nur absetzbar, wenn im Rahmen einer beruflichen Anstellung studiert wird.

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