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Die geschenkte Klausur

Unverhofft kommt oft

Zu einer meiner mündlichen Prüfungen wurde ich einmal vom Prüfer mit folgenden Worten begrüßt:

"Wollen Sie nicht die Hiwi-Stelle an unserem Lehrstuhl übernehmen? Ich zahle auch besser als ihr derzeitiger!"

Ein tolles Angebot – innerhalb der ersten drei Minuten einer mündlichen Abschlussprüfung allerdings keins, das man mit seinem potentiellen Chef, äh Prüfer, besprechen möchte. Zum Glück blieb es bei diesem einen Exkurs – und ich konnte (trotz Absage) in der restlichen Prüfung punkten.

Klausur? Geschenkt!

Erstes Semester Altgriechisch. Anspruchsvolles Fach, anspruchsvolle Uni, anspruchsvolle Prüfungen – zumindest nahm ich das an. Umso schlimmer für mich, dass ich am Prüfungstag mit Fieber im Bett lag.

Beim Nachholtermin führte der Dozent einen Kommilitonen und mich in ein kleines Arbeitszimmer. Als wir Platz genommen hatten, verabschiedete er sich mit den Worten: "In ungefähr einer Stunde geben Sie die Klausur dann bei meiner Sekretärin ab!"

Ich starrte ihn etwas fassungslos an und fragte nach der Prüfungsaufsicht. Von meinem Kommilitonen erntete ich natürlich strafende Blicke. Der Dozent meinte nur, wir seien ja alt genug, um zu wissen, was wir machen – und verließ den Raum.

Die Klausur haben wir natürlich bestanden. Nur gegenüber meinen Mitstudenten, die die reguläre Prüfung mitgeschrieben hatten, schäme ich mich auch heute noch ein bisschen.

Abgelaufen

Es war die letzte Klausur meines Studiums. Nervös war ich kaum, denn ich war gut vorbereitet. Ich freute mich sogar auf diese Klausur, denn danach würde das Pauken ein Ende haben.

Soweit so gut – die Prüfung startete und ich legte los. Die Fragen waren knackig, aber meine wochenlange Vorbereitungszeit zahlte sich aus. Nach ungefähr einer halben Stunde tippte mich einer der Prüfungsaufseher an die Schulter und sagte: "Es tut mir leid, aber ich kann Sie nicht weiterschreiben lassen. Bitte legen Sie Ihren Stift weg." Ich sah ihn verständnislos an. "Ihr Ausweis ist ungültig – abgelaufen. Sie dürfen nur mit einem gültigen Personalausweis an der Prüfung teilnehmen." Ich erwiderte, dass das gar nicht sein könne. Auch mein Argument, dass ich doch schon angefangen hätte, die Aufgaben zu bearbeiten, interessierte ihn wenig. Ich musste die angefangene Klausur abgeben und den Raum verlassen.

Draußen kontrollierte ich meinen Ausweis. Er war tatsächlich abgelaufen – seit einem halben Jahr.

Tränen lügen nicht – oder doch?

Für mein Kolloquium in Sprachwissenschaft habe ich den ganzen Sommer durchgepaukt. Damit ich mir den Stoff gut einpräge, habe ich die ganzen hochtrabenden Fachtermini in normales Deutsch übersetzt.

Bei meinem Prüfer kam das gar nicht gut an: Er wollte die Fachausdrücke von mir hören, die ich plötzlich nicht mehr parat hatte.

Im Prüfungsstress bin ich kurz in Tränen ausgebrochen. Die Reaktion des Prüfers war Verwunderung. "Ich wusste nicht, dass sie das Thema so persönlich betrifft", meinte er zu mir. Wenn er wüsste ... 

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