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"Alleine wird man nichts"

Tobias Pusch hat im Jahr 2002 für seinen Master of Laws in Harvard studiert. Er fühlt sich der Institution bis heute verbunden – auch wegen der Menschen, die er über sie kennenlernen konnte. Während er von seinem Fahrer durch den Berliner Berufsverkehr gesteuert wird, erklärt er sein Verständnis von Netzwerken: "Ich vergleiche es gerne mit einem Berg Spaghetti auf einem Teller. Wenn man an einem Ende zieht, weiß man zwar nicht, wo sich was bewegt. Aber dass sich etwas bewegen wird, ist sicher."

Für Pusch hat das Prinzip Pasta schon mehrmals zum Ziel geführt. Zum Beispiel als er vor zwei Jahren ein neues Unternehmen, Push Founders, gründete, um jungen Unternehmern gegen Gebühr beim rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aufbau ihrer Firma behilflich zu sein. Den ersten Mitarbeiter lernte er über einen Kontakt im Harvard Alumni Club kennen, der zweite war ein Harvard-Student auf der Suche nach einem Ferienjob. "Da musste ich gar nicht erst den Lebenslauf lesen", sagt der Anwalt "Unter den Alumni besteht eine Verbundenheit, die garantiert,dass man sich aufeinander verlassen kann."

Dieser Zusammenhalt ist für manche Studierende wichtiger als für andere, sagt Pusch. "Wenn man sowieso schon ein gutes Netzwerk durch seine Familie hat, dann ist das Netzwerken weniger wichtig." Bei allen anderen aber könnten Univerbindungen den entscheidenden Unterschied ausmachen. Das legen auch Forschungsergebnisse einer Gruppe um die Ökonomin Suqin Ge von der Virginia-Tech-Universität nahe: Während es für Männer keinen Unterschied machte, ob sie eine der US-Eliteunis besuchen, verdienten Frauen dadurch 14 Prozent mehr. Ökonomen um den Harvard-Forscher Raj Chetty fanden einen ähnlichen Trend unter Studierenden aus armen Haushalten.

Zögerliche Geisteswissenschaftler

Nicht nur für direkt benachteiligte Gruppen kann das Netzwerken ein mächtiges Instrument sein. Christian Haas, Geschäftsführer von Absolventum, dem Alumninetzwerk der Uni Mannheim, sieht auch für diejenigen gute Chancen, die sich wegen ihrer Fächer bei der Jobsuche schwerer tun, etwa Philosophen, Sozialwissenschaftler oder Germanisten, wie er selbst.

Sie müssten sich nur darauf einlassen. "Netzwerken ist ein Begriff, dem viele zunächst ablehnend gegenüberstehen." Dabei verlaufe gerade für Geisteswissenschaftler der Schritt in die Privatwirtschaft selten reibungslos, weil Personalern nicht immer gleich klar sei, was deren spezielle Fähigkeiten seien. "Über Netzwerke kommt man direkt mit den Verantwortlichen ins Gespräch und so auch an Stellen, die vielleicht noch gar nicht ausgeschrieben sind."

Absolventum, mit 7.600 Mitgliedern Deutschlands größtes Alumninetzwerk, bietet deshalb die unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme: Die Alumni sehen sich bei Fußballspielen, im Theater oder bei Unternehmervorträgen. In Regionalgruppen treffen sich die Ehemaligen auch in anderen Teilen Deutschlands und der Welt. Anstatt organisch zu wachsen, vergrößern die Mitglieder ihr Netzwerk so per Jahresbeitrag – was die Kontakte leichter verfügbar, aber auch oberflächlicher macht.

Üblich ist diese Art der Alumnipflege in Deutschland noch lange nicht. Im Jahr 2011 konnten die Stockpulse-Gründer Stefan Nann und Jonas Krauß an der Uni Köln von solchen Strukturen höchstens träumen. Trotzdem fanden sie zunächst einander und dann die richtigen Leute. Sie mussten dafür nur engagierter und ausdauernder vorgehen. Gelohnt hat sich die Mühe allemal, so Nann, denn: "Alleine wird man nichts." Schon gar nicht erfolgreich.

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