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Die "Verfasste Studierendenschaft" vertritt Studierende

Ein kleines Stück Papier

Der Sieg ist zu erkennen an einem kleinen Stück Papier. Jahrelang haben Isabella Albert und ihre Mitstreiter dafür gekämpft. Jetzt klebt es außen an der Pforte eines der Institutsgebäude der Uni Heidelberg, etwas behelfsmäßig und leicht zu übersehen. Auf dem Papier stehen die Worte des Triumphes: "Verfasste Studierendenschaft".

Isabella Albert ist 27 und so etwas wie die Cheflobbyistin der Studenten. Sie ist eingeschrieben an der FH Aachen, doch ihr Studium liegt auf Eis, seit sie im Vorstand des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (FZS) ist, des Dachverbands der Hochschulvertretungen.

Statt sich um ihre Karriere als Ingenieurin zu kümmern, spricht sie in Landtagen, liest Gesetzestexte und ist bis 22 Uhr auf ihrem Diensthandy erreichbar. Den letzten Urlaub hatte sie Ostern, "ein paar Tage", sagt sie, das letzte freie Wochenende? Schwer zu sagen. Die Wochenenden sind ihre Hauptarbeitszeit. Das Problem ist nur: Kaum einen interessiert das. Wenn Studentenvertreter gewählt werden, liegt die Wahlbeteiligung an vielen Unis oft im einstelligen Bereich. Und vom FZS haben die meisten noch nie gehört, egal, wie sehr sich Albert und ihre Kollegen aufreiben.

Wenn man sie fragt, warum es sich trotzdem zu kämpfen lohnt, spricht sie vom Zettel draußen an der Pforte. Seit knapp drei Jahren dürfen Studenten nun in Baden-Württemberg Vertreter wählen und ihr Budget selbst verwalten. Das nennt man "Verfasste Studierendenschaft". 35 Jahre lang gab es kein Gesetz dafür – anders als in fast allen übrigen Bundesländern. Dann kam es zum Regierungswechsel und auf Druck der Studenten zum neuen Gesetz. Für Isabella Albert ist das ein Erfolg: "Jetzt können wir bei Missständen zum Beispiel Klagen gegen die Universitäten finanziell unterstützen, das ging früher nicht." Das heißt: Wer an der Uni zum Opfer von Ungerechtigkeiten wird, kann sich jetzt wehren. Bei Problemen mit der Zulassung etwa. Das ist für Studenten gut, die sehr unterschiedliche Interessen haben. Unabhängig vom Fach und davon, wer später mal welches Gehalt verdienen wird.

Power from the People

Auch für Jan Duscheck und seine Kollegen von der Uni-Klinik Leipzig hat es sich gelohnt, gemeinsam zu kämpfen: Nach vielen Monaten Protest wurde ein neuer Lohn beschlossen. "Das nützte uns und allen, die nach uns kamen", sagt Duscheck, "das ist etwas, worauf man stolz sein kann." Dass sich eine Interessenvertretung lohnt, zeigt auch eine neue Studie. In Ländern wie den USA und Deutschland, heißt es da, bekämen Angestellte in Firmen mit gewerkschaftlicher Vertretung mehr Geld, und es gehe dort gerechter zu. Die Studie heißt Power from the People, und ihr Auftraggeber stand bisher nicht im Verdacht, Propaganda für Gewerkschaften zu machen: Es ist der Internationale Währungsfonds.

Dass sich die größte Interessengruppe des Landes, die 2,7 Millionen Studenten und die Hunderttausenden Absolventen, wegen ihrer Unterschiedlichkeit nicht dauerhaft zusammenschließen, ist vielleicht gar nicht schlimm. Aber sie sollten auch bei kurzfristigen Anliegen wissen, welche Ressourcen sie anzapfen können, um ihre Ziele zu erreichen. Das Internet zum Beispiel, aber auch ganz altmodische Interessenvertretungen, die vor allem dann helfen, wenn ein Konflikt länger dauert. Mehrere Monate wie im Falle von Jan Duscheck, 35 Jahre wie bei Isabella Albert.

Manchmal ist es so einfach: Wenn sich alle zusammentun, profitiert davon der Einzelne. Und wenn Einzelne sich wehren, gewinnen am Ende alle. Bin ich zu egoistisch? Vielleicht nicht egoistisch genug.

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