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Seilschaften für Anfänger

[Quelle: unsplash.com, Autor: Naassom Azevedo]

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Viele stolpern durchs Studium – ohne Idee, was danach kommen soll. Hochschulgruppen versprechen Hilfe. Aber wie nützlich sind sie?

BWL oder Jura? Massenstudiengänge an Massenuniversitäten erfreuen sich ununterbrochener Beliebtheit. Mehr als 320.000 Studenten haben im vergangenen Jahr ein Studium in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften begonnen – mehr als in jeder anderen Fächergruppe. Die Konsequenz: überfüllte Hörsäle und Studenten, die sich oft alleingelassen fühlen. Das sorgt für Frustration. Zugleich ist die Liste an möglichen Berufen nach einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Studium herausfordernd lang. Gegen teils hohe Kosten versprechen private Business und Law Schools eine Alternative: enge Verbindungen zu Unternehmen sowie übersichtliche Klassen und intensive Betreuung wie sonst nur an der Schule. Stehen Studenten an staatlichen Einrichtungen, zumal an Massenuniversitäten, im Vergleich dazu regelrecht im Abseits? Nicht unbedingt. Dort versprechen Hochschulgruppen Orientierung und Unterstützung.

Alexander Brauch studiert Jura an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, so wie mehr als 4.000 weitere Studenten an seinem Fachbereich. Zu Beginn seines Studiums habe er nicht wirklich gewusst, was ihn erwartet. "Das geht vielen so", sagt er. Diese Unsicherheit, was da kommt, betreffe aber nicht allein das Studium. Vom späteren Berufsleben hätten viele ebenfalls keine konkrete Vorstellung. "Die Praxis kommt einfach zu kurz", sagt er. Während seiner Einführungswoche im Studium ist Brauch auf "Elsa" gestoßen, eine europaweite Vereinigung für Jurastudenten – beim Weihnachtsmarktstammtisch der Frankfurter Hochschulgruppe. Die Mitglieder hat er beim Glühweintrinken kennengelernt. "Da waren Studenten aus höheren Semestern dabei, die schon kurz vor ihrem Examen standen. Die haben viel über das Studium und mögliche Nebenjobs erzählt – das hat wirklich sehr geholfen."

Von den Studenten, die zwischen 2007 und 2009 ein Jurastudium aufgenommen haben, hat knapp jeder Vierte das Studium wieder abgebrochen – Studiengang- und Hochschulwechsler nicht eingerechnet. Das zeigen Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2014, die die Ursachen von Studienabbrüchen in Jura untersucht haben. Die Gründe für einen Abbruch sind demnach meist komplex. Aber stattliche zwei Drittel der Studenten nannten den Wunsch nach praktischen Tätigkeiten als einen von mehreren Gründen – nur Schwierigkeiten, das Lernpensum zu bewältigen, spielten eine größere Rolle. Eine Umfrage der Unternehmensberatung EY ergab zudem, dass Studenten vor allem Praktika, Berufserfahrung und Kontakte als wichtig für ihre Karriere ansehen. Sind die Universitäten diesen Studenten also häufig zu akademisch und nicht praxisorientiert genug?

Kontakte sind alles – für beide Seiten

Brauch ist dieser Meinung und arbeitet mit seiner Hochschule daran, dass sich das – zumindest für "Elsa"-Mitglieder – während des Jurastudiums in Frankfurt ändert. Der 21-Jährige ist inzwischen Präsident der örtlichen Hochschulgruppe, die knapp 600 Mitglieder zählt. Mit mehr als 50.000 Mitgliedern ist der Verband laut eigenen Angaben die weltgrößte Vereinigung von Jurastudenten. Aber wer steckt hinter dem Verein? Die Partner von "Elsa" sind Kanzleien, Beratungsunternehmen wie KPMG oder EY sowie Banken wie die Commerzbank. Aber auch das Bildungsministerium, der Deutsche Anwaltverein und die ARD. "Elsa" sieht sich selbst als "Möglichkeit, sich zu engagieren und weiterzubilden". Für die Partner ist der Verein auch ein Recruiting-Pool, voll ambitionierter Jungjuristen. Die Gastvorträge und Besuche von Kanzleien, die die Frankfurter Hochschulgruppe gemeinsam mit Partnerunternehmen organisiert, findet Brauch besonders hilfreich, "gerade für Studenten, die noch in der Orientierungsphase sind". Diese Veranstaltungen zeichneten ein realistischeres Bild von der Arbeitswelt, als Vorlesungen und Seminare es könnten – und sie verschafften wertvolle Kontakte.

Doch nicht alle Hochschulgruppen sind vornehmlich karriereorientiert. So sind auch die meisten Parteien mit Studenteninitiativen an Universitäten vertreten. Auch gibt es ehrenamtliche Zusammenschlüsse, die sich für wohltätige Zwecke oder eine gemeinsame Sache einsetzen.

Gut für den Lebenslauf?

Karriere- und netzwerkorientierte Vereinigungen gibt es unter den Hochschulgruppen dennoch zuhauf. Etwa "AIESEC", die sich auf die Vermittlung von Praktika und sozialen Projekten im Ausland spezialisiert hat. Der BVH wiederum ist der Bundesverband der Börsenvereine, der BDSU ein Sammelverband von studentischen Unternehmensberatungen. Viele dieser Hochschulgruppen sind im Verband Deutscher Studierendeninitiativen (VDSI) organisiert. So auch der Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (BDVB).

Dem ist auch Simon Bornscheuer beigetreten. Der Student möchte beruflich durchstarten. Seinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre hat der 25-Jährige an der Universität Marburg gemacht. Parallel war er ein paar Semester lang stellvertretender Vorsitzender der örtlichen Hochschulgruppe des BDVB und Mitglied in einem Finanzclub. "Den Hochschulgruppen bin ich vor allem beigetreten, um meinen Lebenslauf zu pushen", gibt Bornscheuer zu. "Weil ich wusste, dass viele Business Schools darauf Wert legen."

Mit knapp 8.000 Mitgliedern – ein Viertel davon Studenten – ist der BDVB die größte Interessensvertretung von Wirtschaftswissenschaftlern in Deutschland. Als stellvertretender Vorsitzender hat Bornscheuer Unternehmens-Workshops mitorganisiert und Veranstaltungen geplant. "Dadurch habe ich viele motivierte Kommilitonen kennengelernt und Kontakte zu Unternehmen geknüpft." Noch während seines Masters in "International Business" an der Universität Maastricht nimmt Bornscheuer an Events des Verbands teil. Hinter dem BDVB stehen zahlreiche Partner, etwa das Stellenportal Stepstone, das Magazin "Wirtschaftswoche" und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PWC, KPMG und Deloitte. Wie die Partner von "Elsa" hoffen die, dass sie im Kurs bei talentierten Studenten steigen.

Nur vage Vorstellungen vom Beruf

David Eder hat Ende 2014 sogar eine eigene BDVB-Hochschulgruppe gegründet. Der 29-Jährige studiert im Master BWL an der Universität Bayreuth. "Ich wollte damals noch was neben der Uni machen", sagt er. "Das Angebot an Hochschulgruppen hat mich einfach nicht so überzeugt." Nach einer Vorlesung habe er dann seine Idee für eine Hochschulgruppe präsentiert – zehn Kommilitonen hätten mitgemacht. "Für mich war es wichtig, persönliche Netzwerkkontakte zu Unternehmen herzustellen", sagt Eder. Es sei zum Beispiel viel leichter, Vorträge und Workshops mit einer Hochschulgruppe im Rücken zu organisieren.

Und die hätten oft sehr positive Folgen: Über die Jahre seien unter den Mitgliedern seiner Hochschule zahlreiche Kontakte zu Unternehmen entstanden, die nicht selten zu Praktika geführt hätten – etwa beim Bundesligaklub Schalke 04, bei PWC oder regionalen Firmen. Veranstaltungen wie ein BWLer-ABC und Vorträge von Unternehmen wie Siemens oder Blackrock vermittelten vor allem Studienanfängern wichtige Kompetenzen und ein realistisches Bild vom Arbeitsleben, sagt Eder. "Für mich war das aber immer mehr als ein Karriereoptimierer. Da sind viele Freundschaften entstanden."

Doch hilft die Mitgliedschaft in einer Hochschulgruppe wirklich beim Berufseinstieg? "Generell bewerten wir jedes universitäre und außeruniversitäre Engagement positiv – was zählt, ist das Gesamtbild der Bewerbung", sagt Daniela Beste. Sie arbeitet bei der Unternehmensberatung EY als Team-Koordinatorin für Graduate Recruiting, also für Berufseinsteiger mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung. "Viele Absolventen haben eher vage Vorstellungen vom Beruf, es fehlen oft die praktischen Erfahrungen", sagt sie. Hochschulgruppen könnten somit für Studenten eine Möglichkeit sein, Fähigkeiten aufzubauen und Menschen kennenzulernen, die schon im Beruf stehen. Ganz ähnlich äußert sich KPMG. Von einer Pressevertreterin heißt es: Eine Mitgliedschaft in Studentenvereinigungen wie "Elsa" und BDVB könne für die persönliche Entwicklung positiv sein. "Spezifische Vorteile oder Nachteile hat das in unserem Recruiting-Prozess jedoch nicht."

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