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"Man muss sich nur trauen"

"Ein bisschen wie eine Ehe"

Zeit ist nicht der einzige kritische Faktor bei der Gründung. "Der häufigste Grund des Scheiterns sind Konflikte im Team", sagt Karin Kricheldorff vom "Centre of Entrepreneurship" der TU Berlin. Die effektive Kommunikation der Teammitglieder spielt eine wichtige Rolle. "Eine gemeinsame Gründung ist ein bisschen wie eine Ehe", meint Carlo Hanuszkiewicz von Niyok. Es sei wichtig, eine Vision zu teilen und bei den wichtigen Entscheidungen einig zu sein. Und dass man Dinge ansprechen kann, wenn es mal nicht so gut läuft. "Wenn es irgendeine Auseinandersetzung gab, sind wir aktiv aufeinander zugegangen", erzählt Hanuszkiewicz.

Ein produktives Team besteht meist aus Mitgliedern verschiedener Fachbereiche, die sich ergänzen. Das können Kommilitonen sein oder Gleichgesinnte, die man beim Netzwerken kennenlernt. Plattformen wie Linkedin können da weiterhelfen, auch Inkubatoren an Universitäten verbinden interessierte Studierende. "Es ist wichtig, dass über die wissenschaftlichen Grenzen hinaus kooperiert wird", sagt Dominik Ewald. Er ist Mitgründer von zwei Agrartechnologie-Start-ups, Monitor Fish und Smart Cloud Farming, die Monitoring-Systeme für die Fischzucht und den Ackerbau entwickeln, auch "precision farming" genannt. Gerade in der Landwirtschaft müsse die Arbeit fächerübergreifend sein, um Innovationen nach vorne zu bringen. "Wenn man zu sehr Fachidiot ist, verpasst man den Sprung auf den Markt, weil man meistens nur auf eine Sache fokussiert ist", sagt Ewald.

Es ist eine schwierige Hürde für junge Start-ups, es von der Entwicklungsphase erfolgreich auf den Markt zu schaffen. Staatliche Fördermittel wie das Exist-Gründerstipendium oder das Berlin-Startup-Stipendium ermöglichen die ersten finanziellen Schritte, dann müssen sich die jungen Unternehmen am Markt finanzieren. Studierenden fehlt es aber oft an Erfahrung im Umgang mit Geldgebern und Kunden. Immer mehr Universitäten bieten inzwischen Formate, um die nötigen unternehmerischen "soft skills" zu vermitteln und Start-ups in Inkubatoren zu unterstützen.

"Wir bemühen uns, die Teams so früh wie möglich in Kontakt mit dem Markt zu bringen", sagt Karin Kricheldorff über das Programm der TU Berlin. Viele Teams, die aus der Wissenschaft kämen, seien zu stark auf ihr Produkt fokussiert und entwickelten es unter Umständen an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Feedback von anderen Start-ups, potentiellen Herstellern und Investoren kann dabei helfen, die eigene Idee weiterzuentwickeln. "Oft denkt man, man hat die Idee des Jahrhunderts und will sie mit niemandem teilen. Das ist das Schlimmste, was man machen kann", sagt Hanuszkiewicz. Die Gründer von Niyok haben die Kokos-Zahnpasta laufend an potentiellen Kunden getestet. "Das Wichtigste war für mich der Austausch mit Gleichgesinnten und ein gutes Netzwerk", sagt auch Ewald. Dadurch könne man sein Wissen enorm erweitern. "Viele meiner Ideen kommen von anderen Ideen."

Scheitern als Positiverfahrung

Eine flächendeckende Erfolgsquote für studentische Start-ups gibt es nicht. Am "Centre for Entrepreneurship" in Berlin überleben letztendlich 65 Prozent der geförderten Start-ups. Falls es mal nicht klappt, heißt es aber nicht unbedingt, dass das Unternehmen insolvent gegangen ist. Oft tüfteln die Unternehmer einfach an einer neuen Idee, wie im Fall Ewalds. Während des Studiums arbeitete er zunächst an dem Projekt Next Eat, einem Anbauverfahren für geschlossene Ökosysteme in Containern. Es bekam keine Förderung, da es noch nicht weit genug entwickelt war. "Ich habe aber gemerkt, dass Precision farming im Kommen ist, weil wir so ressourcenschonend wirtschaften können", erzählt Ewald. Also baute er mit Kollegen die zwei anderen Start-ups Monitor Fish und Smart Cloud Farming auf, die durch Sensoren und Algorithmen den Anbauprozess in Echtzeit auswerten. Diese Technologie könnte das Verfahren mit den Containern in Zukunft ermöglichen. "Das Projekt ist also noch nicht tot" sagt Ewald. Er konzentriert sich nur auf andere Projekte, während Next Eat weiter in der Forschung ist.

Das Scheitern einer Geschäftsidee ist in Deutschland noch immer negativ belegt. "Das Thema Scheitern wird in den USA viel positiver gesehen, es ist ein Erfahrungszusatz", sagt Kricheldorff. Es werde auch weniger Wert auf einen vollwertigen Abschluss gelegt. "Das ist manchmal sehr formal in Deutschland. In den USA gibt es eine ganz andere Herangehensweise." Deutschland liegt noch immer hinter anderen entwickelten Ländern, was Start-up-Gründungen betrifft. Auf dem sogenannten "Global Entrepreneurship Index", der das unternehmerische Klima eines Landes analysiert, steht Deutschland auf Platz 15. Großbritannien, Frankreich, und die Niederlande stehen weiter oben, die Vereinigten Staaten führen auf Platz eins. "Es gibt einen großen kulturellen Unterschied, wie mit dem Thema in den USA umgegangen wird", meint Kricheldorff.

"Die deutschen Unis sind nicht schlechter"

An Orten wie dem Silicon Valley gibt es eine enge Verschränkung von Investoren, etablierten Unternehmen und Universitäten. Dieses Ökosystem ist in Deutschland noch nicht so weit entwickelt. Investoren seien eher risikoavers und würden oft schon Umsätze sehen wollen, nicht nur ein cleveres Businesskonzept, sagt Kricheldorff. Im Silicon Valley sei es einfacher, schnell an Geld zu kommen und Ideen auszuprobieren. "Der deutsche Investor ist wie der deutsche Bürger an sich: eher verhalten, wenn es darum geht, Geld auszugeben", meint Ewald. Dafür gebe es in Deutschland bessere staatliche Förderungen als in den Vereinigten Staaten und ein großes Engagement der Universitäten, sagt Kricheldorff. "Die deutschen Unis sind nicht schlechter, das System ist einfach anders."

Die jungen Unternehmer lassen sich von den Strukturen in Deutschland jedenfalls nicht abschrecken. Die studentischen Teams sind sich einig: Wer eine gute Idee hat und Lust aufs Gründen, sollte es einfach versuchen – auch im Studium. "Man muss sich einfach trauen", sagt Julia Baumbach von Lawio. "Man muss einfach kämpfen", meint Seipold von MyDrams. Und Hanuszkiewicz findet: "Das Wichtigste ist, Spaß an der Sache zu haben." Denn als Studierende hat man die besten Voraussetzungen und nicht viel zu verlieren.

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