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Warum Gender-Sprache (kein) Unsinn ist

© e-fellows.net – Luzia Schoser/Theo Schneidt

Brauchen wir Gender-Sprache? Diese Frage spaltet die e-fellows.net-Redaktion: Während Redakteur Sebastian "Schluss mit dem Gender-Gaga" machen will, wünscht sich sein Kollege Theo "geschlechtergerechteres" Deutsch. 

Lieber Theo,

wenn du wissen willst, wie aufgeklärt du bist, mach einen einfachen Test: Was stimmt mit diesen berühmten Sätzen nicht?

Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt, von denen den einen die Belgier bewohnen, den anderen die Aquitanier und den dritten jene, die welche in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier heißen.

Klar, du hast es sofort gemerkt. Der Autor dieser Sätze ist Römer – Julius Caesar, um genau zu sein – und sprachlich ein Sexist der übelsten Sorte. Richtig muss es natürlich heißen:

Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt, von denen den einen die belgische Personen bewohnen, den anderen die Personen aus Aquitanien und den dritten jene, die welche in ihrer eigenen Sprache keltische Personen, in unserer Personen aus Gallien heißen.

Liest sich gut, oder? So empfiehlt es schließlich ein Onlinewörterbuch zum geschickten Gendern. Wenn du ehrlich bist, geht es aber noch griffiger. Wie wäre es mit:

Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt, von denen den einen Belgier_innen bewohnen, den anderen Aquitanier_innen und den dritten jene, die welche in ihrer eigenen Sprache Kelt_innen, in unserer Gallier_innen heißen.

Gib's zu, Theo: Irgendwie überzeugt dich das Ergebnis immer noch nicht. Vielleicht sind es die BelgierInnen oder besser noch die Belgiex? Vielleicht lieber gleich im generischen Femininum, von manchen Feministinnen "umfassende Frauisierung" genannt, einfach durchgehend: "die Belgierinnen", "die Aquitanierinnen" und "die Gallierinnen".

Ein Glück, dass die Römer von der Debatte um geschlechtergerechte Sprache verschont blieben. Aufgebrachte Attentäter_innen hätten sonst den unbekannten Autor Julius Caesar mit 23 Dolchstößen auf dem Kapitol niedergestreckt, während "Der Gallische Krieg" ungelesen in der Schublade verstaubt wäre.

Wie sexistisch ist die deutsche Sprache?

Dabei haben Gender-Befürworter wie du eigentlich gute Argumente: Sprache hat große Macht. Sie lenkt die Art und Weise, wie wir unsere Welt wahrnehmen. Sie spiegelt die sozialen Verhältnisse, die in unserer Gesellschaft herrschen. Und sie verstärkt Klischees über Mann und Frau, die längst in die Mottenkiste gehören.

Du musst keine Studien wälzen, um zu erkennen, dass bereits Kinder Berufe anderes bewerten, wenn diese nur in der männlichen Form vorkommen. Gibt es nur "den Arzt", trauen sich Mädchen wahrscheinlich weniger zu, diesen Job später auszuüben. Wie sexistisch Deutsch sein kann, zeigen auch feminisierte Schimpfwörter wie "Schwuchtel", "Memme" oder "Heulsuse".

Für das Gendern spricht noch ein anderer Aspekt: Sprache lebt, sie ist kein starres System, das an seinen Regeln erstickt. Sprache verändert sich ständig. Alte Grammatikregeln und Wörter verschwinden, weil wir sie durch neue ersetzen. Deine Uroma hat noch "Schnurren" erzählt oder einen "Kratzfuß" gemacht. Wir killen gerade den Genitiv und schießen Selfies. Warum erfinden wir also nicht auch ein geschlechtergerechteres Deutsch?

Gendern: Gut gedacht, falsch gemacht

Fans von Gender-Sprache wie du haben vielleicht nur die besten Absichten. Trotzdem werdet ihr scheitern. Der Grund: Ihr wollt uns verordnen, wie wir sprechen, schreiben und am besten denken sollen. Nach unserer Meinung habt ihr nicht gefragt – das ist keine gute Idee und erinnert ein bisschen an das Orwellsche "Neusprech": eine politisch missbrauchte Sprache im Dienst einer totalitären Ideologie. Zugegeben: Gender-Sprache und Meinungsdiktatur sind nicht das Gleiche. Mit Zwang werdet ihr eure Ziele aber nie erreichen.

Warum verändert sich die deutsche Sprache, Theo? Damit wir uns besser verstehen, wenn wir miteinander reden. Eure Gender-Sprache besteht jedoch aus grafischen Zeichen, die in normalen Unterhaltungen keinen Sinn machen.

Das Binnen-I in "deutschen" Wörtern wie KollegInnen, den Gendergap (Kolleg_innen), das Sternchen (Kolleg*innen) kannst du nicht aussprechen. Oder sagst du ernsthaft "Kolleg –großes I – innen", "Kolleg – Unterstrich – Innen" oder "Kolleg – Sternchen – Innen"? Versuch's mal. Ich wette, dass dein_e Gesprächspartner_in nicht checkt, wovon du sprichst …

Gender-Sprache tötet Texte

Eure Vorschläge sind außerdem Gift für jeden gut geschriebenen Text. Da kann die Redaktion von ze.tt noch so laut fordern, dass alle Medien gendern sollen. Ich brauche keine Überschriften wie "Ein Mann mansplaint die Periode – und Twitter-User*innen schlagen zurück". Ich bleibe am Sternchen hängen. Was ist so falsch an "Twitter-User"? Mir ist klar, dass damit Männer und Frauen gemeint sind. Ich lese journalistische Texte, weil ich mich schnell und präzise informieren will. Wenn ich Hieroglyphen entschlüsseln möchte, studiere ich Ägyptologie  …

Aus diesen Gründen, lieber Theo, lasse ich euch eure Gender-Sternchen, -Gaps und Binnen-Is. Euer Gender-Gaga, ich ignoriere es einfach. Sag mir Bescheid, wenn euch etwas Besseres eingefallen. Bis dahin schreibe ich von Twitter-Usern, Kollegen und Kelten.

Dein Sebastian

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Kommentare (11)

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  1. Theodor Schneidt

    "Langsam fange ich fast an solche Leute zu hassen (ist natürlich übertrieben). Da hängen Plakate aus "jedes Gender ist eingeladen". Man braucht erst mal ein Wörterbuch, um zu wissen an, wen das gerichtet sein soll und findet heraus das es um das grammatikalische Geschlecht in Sprachen, v.a. Latein geht. Um Personen geht es nicht mehr, das scheint mir alles doch sehr sexistisch." Hi, sag mal, hast du wirklich ein Plakat gesehen auf dem Wortwörtlich stand "Jedes Gender ist eingeladen"?! Gibt es irgendwo online Fotos des Plakats oder so? O_O Weil, das ist wirklich eine seltsame Formulierung. Man kann ja ein (körperliches oder soziales) Geschlecht genauso wenig irgendwohin einladen, wie man das Wetter oder die Demokratie zu einer Party einladen kann. Was genau erscheint dir daran sexistisch, bzw. wie genau würdest du denn Sexismus für dich selbst definieren? Meiner Definition nach ist Sexismus der Prozess, bei dem man Personen aufgrund ihres Geschlechts irgendwelche bestimmten (Charakter-)Eigenschaften zuweist. Das hat für mich persönlich nichts mit der (sehr herbeigezwungenen) Pars-pro-Toto-Formulierung des Plakats zu tun. Wenn auf dem Plakat gestanden hätte "Alle Gender sind eingeladen, wie zum Beispiel das fürsorgliche weibliche und das aggressive männliche Gender, dann wäre das für mich sexistisch, weil da Personen einfach Eigenschaften unterstellt werden. LG Theo

  2. Anonym

    Ich habe Ihnen gar nichts vorgeworfen. Ich habe erklärt, welche Schlüsse ich aus der Art, wie jemand spricht, vorläufig ziehe. Das ist inhaltlich nachvollziehbar und nicht illegitim, ich bilde mir dieses Urteil anhand der einzigen Informationen, die ich bis dahin habe. Sobald ich mehr über jemanden weiß, kann sich das natürlich auch ändern. Aber bis dahin habe ich keinen Grund, irgendjemandem bessere Absichten zu unterstellen, als er erkennen lässt. Sie fühlen sich hier persönlich angegriffen, das ist aber etwas, das Sie in meinen Kommentar hineingelesen haben. Es geht mir nicht um Sie. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Sie ein positives Selbstbild haben und sich wünschen, dass alle Sie für einen guten Menschen halten. Das ist aber nicht mein Problem. Sie signalisieren, wie Sie Ihre Prioritäten setzen ("Ich finde die Versuche, genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen im Grunde gut und richtig [...] Nur das sprachliche Ergebnis ist meiner Meinung nach Gift für gute und lesbare Texte") und haben keinen Anspruch darauf, dass das keine Konsequenzen hat. Sie können nicht sagen, "ich befürworte eine gesellschaftliche Entwicklung, aber nur solange sich nichts verändert" und dann erwarten, dass man sie trotzdem als Unterstützer der besagten Entwicklung wahrnimmt. Ihr Verweis auf "vernünftige Diskussionen" wirkt fast etwas selbstironisch. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie eine vernünftige Diskussion verweigern, weil es Ihnen wichtiger ist, persönlich beleidigt zu sein, meinte ich nicht nur meinen Kommentar, sondern auch den anderen von Ihnen beantworteten. Sie verdrehen ihn inhaltlich komplett. Was die Userin sagte, war: "Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder? Sollte an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein, um zu verhindern, dass die Regeln unserer Gesellschaften weiterhin von einer vorwiegend männlich dominierten Gruppen gemacht werden!?" Sie gehen darauf nicht ein. Sie sagen, dass sich jeder an der Diskussion beteiligen darf – die Tatsache an dieser Stelle ist, dass zwei Männer und keine Frau zu Wort kamen. Sie hingegen tun so, als hätte die Userin gesagt, sie wolle Männer von der Diskussion ausgrenzen, verdrehen also ihren Punkt ins Gegenteil und missinterpretieren ihn so extrem wie möglich. Dabei hatte sie sogar ausdrücklich gefragt: "Sollten an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein?". Des Weiteren behaupten Sie: "Bei diesem Thema geht es um unsere Sprache bzw. wie wir sie in Zukunft verwenden wollen" und übergehen damit den von der Userin angeführten und korrekten Punkt: "Benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts", auf den sie in der Folge also auch nicht eingehen. Schlussendlich fügen Sie dann noch hinzu: "Dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten, versteht sich natürlich von selbst." Das ist eine wertlose Aussage. Wenn das selbstverständlich ist, warum haben Sie dann gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem sich nur Männer an der Diskussion beteiligen? Sie erklären das nicht. Das war aber der Kritikpunkt, den Sie gerade vermeintlich beantworten wollten. Gegen Ihre Antworten kann man wegen dieser vollständigen Verweigerung einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht argumentieren. Und ganz allgemein hilft es wirklich überhaupt nicht, wenn Sie zwar behaupten, irgendwas richtig zu finden ("genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen", "dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten"), das dann aber nicht umsetzen. Das hilft nicht. Dafür können Sie einfach keinen Applaus erwarten. Ihre Absicht allein hat keinen Wert.

  3. Anonym

    Langsam fange ich fast an solche Leute zu hassen (ist natürlich übertrieben). Da hängen Plakate aus "jedes Gender ist eingeladen". Man braucht erst mal ein Wörterbuch, um zu wissen an, wen das gerichtet sein soll und findet heraus das es um das grammatikalische Geschlecht in Sprachen, v.a. Latein geht. Um Personen geht es nicht mehr, das scheint mir alles doch sehr sexistisch. Egal welches Wort ihr verwendet, der Grundschullehrer und der Kindergärtner wird für mich immer eine Frau sein, ganz einfach da ich nur Frauen in diesem Bereich kennengelernt habe. Genauso wie ich bei der Müllfrau an den Mann denke der meine Mülltonnen entleert... Und letztendlich, wenn juckt es schon, ob eine Person die etwas vollbracht hat männlich oder weiblich war? Das Ergebnis zählt und nicht das Feynman ein man und Noether eine Frau war. Alles andere ist reine Ideologie, die wir uns guten Gewissens sparen können.

  4. Anonym

    Liebe Kommentator*in, als eingeloggter Mitarbeiter sehe ich automatisch die Namen der Kommentatoren. Ob der Kommentator oder die Kommentatorin sie anonym gestellt hat, sehe ich nicht. Die Ansprache der betreffenden Nutzerin habe ich auf deinen Kommentar hin geändert. Dafür entschuldige ich mich bei der Kommentatorin. Sorry! Wenn du, liebe V, mir vorwirfst, nicht auf inhaltliche Aspekte nicht einzugehen, möchte ich dich nochmals daran erinnern, dass du in mir in deinen vorherigen Kommentaren Ablehnung von Menschen anderer Sexualität und Unterstützung von Chauvinismus vorwirfst. Ein klassisches "Argumentum ad Hominem", das vernünftige Diskussionen erschwert. Liebe Grüße Sebastian

  5. Anonym

    Finde es sehr lustig, wie Sebastian hier auf Kommentare "antwortet", ohne auch nur im geringsten auf inhaltliche Aspekte einzugehen. Und auf anonyme Kommentare mit dem Vornamen der Nutzerin zu antworten, ist natürlich auch ein Geniestreich. Ich bekomme in meinem E-Mail-Benachrichtigungen über neue Kommentare übrigens direkt die vollständigen Namen der anonymen Nutzer*innen angezeigt, auch das ohne Frage sehr sinnvoll.

  6. Sebastian Blum

    "Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder?" Liebe Userin, bei diesem Thema geht es um unsere Sprache bzw. wie wir sie in Zukunft verwenden wollen. Deswegen darf sich auch jeder an der Diskussion beteiligen. Ich halte nichts davon, andere bei einem für die ganze Gesellschaft relevanten Thema auszugrenzen. Dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten, versteht sich natürlich von selbst.

  7. Sebastian Blum

    *mit mangelndem Bewusstsein für Sprache -ich wollte natürlich schreiben: „mit mangelndem Bewusstsein für Diskriminierung“

  8. Sebastian Blum

    Ich finde die Versuche, genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen im Grunde gut und richtig - das schreibe ich auch in meinem Kommentar. Nur das sprachliche Ergebnis ist meiner Meinung nach Gift für gute und lesbare Texte - mal abgesehen davon, dass die Gendersprache auch beim Sprechen bislang keinen Sinn macht. Was meine Ablehnung mit sexueller Orientierung zu tun hat oder mit mangelndem Bewusstsein für Sprache erschließt sich mir bei bestem Willen nicht. Das eine ist Sexualität oder Diskriminierung, das andere ungelenke Sprachversuche, die nicht alltagstauglich sind. Diese beiden unterschiedlichen Dinge zu verbinden, geht an der Diskussion um geschlechtergerechte Sprache vorbei.

  9. Anonym

    Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder? Sollte an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein, um zu verhindern, dass die Regeln unserer Gesellschaften weiterhin von einer vorwiegend männlich dominierten Gruppen gemacht werden!?

  10. Anonym

    Generell stimme ich Sebastian zu, das ständige gendern nervt einfach. Außerdem: warum muss man für mich als Frau ein anderes Wort verwenden als für einen Mann? Es ist doch egal, ob der Student ein Mann oder eine Frau ist, beide haben die Möglichkeit zu studieren und sind deshalb Studenten. Zugegebener Maßen ist es in bestimmten Kontexten sinnvoll gendergerecht zu schreiben, zB bei Stellenausschreibungen.

  11. Anonym

    Ich finde es genau richtig, dass Leute, die gendern wollen, gendern und dass diejenigen, die das ablehnen, das generische Maskulinum verwenden. Sprache ist ein soziolinguistischer Marker, die Art, wie ich spreche, signalisiert auch bestimmte Dinge. Zum Beispiel sprechen CSU-Politiker*innen mit bayerischem Dialekt, um zu markieren, dass sie aus Bayern kommen. Akademiker*innen aus dem Ruhrgebiet hingegen bemühen sich vielleicht eher, dialektfreies Hochdeutsch zu sprechen, um gebildeter zu wirken. Wenn Theo also gendert, signalisiert mir das, dass ihm Geschlechtergerechtigkeit am Herzen liegt und er sich über dieses Thema schon einzwei Gedanken gemacht hat; dass er nicht-binäre Menschen nicht diskriminieren würde; dass ich mich, wenn ich von einem anderen Mann belästigt werde, an ihn wenden könnte, weil er vermutlich für bestimmte Probleme sensibilisiert ist usw. Gleichzeitig weiß ich durch Sebastians Verwendung des generischen Maskulinums, dass ich ihm gegenüber aufpassen sollte, was ich sage; dass ich mich ihm gegenüber lieber nicht als bisexuell outen würde; dass ich bei Problemen mit anderen Männern nicht auf seine Unterstützung hoffen darf, usw. Wenn Unternehmen in Stellenanzeigen gendern, weiß ich, dass dort Wert auf ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld gelegt wird. Wenn ein Unternehmen in einer Stellenanzeige das generische Maskulinum verwendet, kann ich mir schon ausrechnen, ob ich dort als Frau überhaupt angenommen werde, wie viel weniger Geld ich dann im Vergleich zu männlichen Kollegen verdienen werde, wie das Unternehmen wohl mit meiner Familienplanung umgehen wird und wie klein meine Aufstiegschancen dort sind. Insofern finde ich den Status Quo eigentlich sehr hilfreich.