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"Mein Führungsstil war partizipativ"

ZEIT: Ist das kein valides Argument?

Beisiegel: Wie soll denn eine Frau bitte schön Führungserfahrung sammeln, wenn sie nie in eine Führungsposition gewählt wird? Ich bin sehr froh, dass Katja Becker jetzt DFG-Präsidentin ist. Doch sie wird sicher von vielen Seiten kritisch beobachtet.

ZEIT: Was waren Sie für eine Führungspersönlichkeit?

Beisiegel: Mein Führungsstil war partizipativ, also auf Teilhabe aller Parteien bedacht. Er wurde von den Professoren im Senat nie besonders gemocht. Manche Provokation hat mich innerlich zur Weißglut gebracht. Ich habe jedoch immer sachlich argumentiert und bin zum Glück nie emotional geworden. Ich bin dann aber, nach einer hitzigen Sitzung, durchaus mal zu meinen Vertrauten und habe dort Dampf abgelassen.

ZEIT: Die Uni Göttingen hat sich in Ihrer Amtszeit zweimal um den Titel als Exzellenz-Uni beworben – vergeblich. Warum sind Sie an dieser Aufgabe gescheitert?

Beisiegel: In der ersten Wettbewerbsrunde sind wir mit unserem Konzept zu Unrecht rausgeflogen. Unter unserem Gutachten stand damals, die Uni Göttingen sei "uneingeschränkt förderungswürdig". Bei einer anderen Uni stand: "bedingt förderungswürdig". Dass diese dann zur Exzellenz-Uni gekürt wurde, wir aber nicht, war nicht nachvollziehbar.

ZEIT: Wurde also gemauschelt?

Beisiegel: Der Grund für diese Entscheidung war wohl Befangenheit. Das wussten alle, und es war daher besonders bitter.

ZEIT: Einige Jahre später scheiterten Sie erneut.

Beisiegel: Wir hatten uns mit sechs Exzellenz-Clustern beworben, von denen vier in die zweite Auswahlrunde kamen; in ganz Deutschland waren in dieser Runde 88 Anträge. Normalerweise werden Forschungsprojekte dieser Größe zwei Tage lang begutachtet – beim Exzellenz-Wettbewerb hatten die Gutachter aber nur zweieinhalb Stunden Zeit. Die internationalen Gutachter waren teilweise durch den Jetlag übermüdet. Ich habe eine unserer Professorinnen buchstäblich am Stuhl festgehalten, damit sie nicht aufspringt und die Gutachter wachrüttelt. Göttingen wurde nicht schlechter behandelt als andere Universitäten, aber das Evaluationsverfahren war einfach völlig überlastet.

ZEIT: Haben Sie selbst keine Fehler gemacht?

Beisiegel: Diese Frage habe ich mir natürlich gestellt. Die Forschenden haben jedoch ihre Projekte sehr gut geplant und kritisch bearbeitet. Ich habe sie mit dem Präsidium bestmöglich unterstützt, und wir haben uns extern beraten lassen. Wir haben also alles getan, um uns für diesen Wettbewerb gut aufzustellen. Ich habe mir da keinen Vorwurf zu machen.

ZEIT: Bei Ihrer Verabschiedungsfeier an der Universität Göttingen haben Sie sich John Lennons Lied Imagine gewünscht. Wovon träumen Sie?

Beisiegel: Vom Segeln. In Dänemark und Schweden. Vor allem aber nutze ich meine berufliche Erfahrung, um beratend im Wissenschaftssystem tätig zu sein. Ich will mich für Frauen in Führungsposition starkmachen. Eines möchte ich allerdings auf keinen Fall: bis zum Schluss in irgendwelchen Gremien hocken, wie manche alte Herren.

© ZEIT Campus (Zur Originalversion des Artikels)

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