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Deutschland, erste Wahl

Studenten lernen Bibliothek (Quelle: freeimages.com, kalilo)

Quelle: freeimages.com, kalilo

Ein Bericht hat nachgezählt, wer wo warum studiert. Deutsche Universitäten sind unter ausländischen Studenten die beliebtesten im nicht-englischsprachigen Raum. Was fängt man damit an?

Deutschland ist weltweit das beliebteste nicht-englischsprachige Gastland für ausländische Studenten. Nur an den Universitäten der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Australiens waren zuletzt mehr Ausländer eingeschrieben als hierzulande. Das berichtet eine soeben publizierte Studie, die der Deutsche Akademische Austauschdienst zusammen mit Hochschulforschern aus Hannover durchgeführt hat. Deutschland löst danach mit seinen gut 250.000 Studierenden, die ihre Studienberechtigung im Ausland erworben haben, Frankreich auf Platz vier der meistbesuchten Universitätssysteme ab.

Vor allem die hiesigen Fachhochschulen verzeichnen seit Jahren starke Zuwächse an ausländischen Studenten. Die Ausländer studieren, wenn sie es an deutschen Universitäten tun, überwiegend Ingenieurswissenschaften, danach kommen wirtschafts-, rechts- und sozialwissenschaftliche Fächer. Allerdings sind Besonderheiten der Zählweise zu berücksichtigen, die das Fach Informatik den Ingenieuren zurechnet sowie Psychologie und Pädagogik der Sozialwissenschaft.

Schwierige Wohnungssuche

Für mehr als die Hälfte aller ausländischen Studenten war Deutschland die erste Wahl. Unter den Gründen dafür rangieren der Umfrage zufolge am höchsten: die Erwartung guter Berufschancen und insgesamt die hiesige Lebensqualität, die Qualität der Ausbildung, die international anerkannten Abschlüsse sowie der gute Ruf deutscher Wissenschaft. Interesse an deutscher Kultur teilen als Grund vor allem Lateinamerikaner und Russen mit, am wenigsten die Westeuropäer. Bereits bestehende Kontakte nach Deutschland spielen für die allermeisten keine große Rolle. Die Wohnungssuche, die Kosten der Lebensführung und die deutsche Sprache führen die Tabelle der größten Schwierigkeiten an, von denen ausländische Studierende berichten.

Insgesamt hat die Mobilität von Studenten in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen: um 75 Prozent auf derzeit mehr als fünf Millionen, die außerhalb ihres Heimatlandes eingeschrieben sind. Den höchsten Anteil daran hat China und überhaupt die asiatische und pazifische Region. In Deutschland liegen Chinesen mit etwa 13 Prozent der ausländischen Studenten vor Indern und Russen (jeweils fünf Prozent) sowie Österreichern mit vier und Franzosen mit drei Prozent. Dass damit erst dreißig Prozent aller Studiengäste erfasst sind, zeigt auch, aus wie vieler Herren Länder Deutschland Studierende anzieht.

Umgekehrt studieren knapp 145.000 deutsche Studenten im Ausland; die meisten davon in Österreich und den Niederlanden. In den Vereinigten Staaten kommt zwar knapp eine Million Studenten aus dem Ausland, diese machen aber nur fünf Prozent aller Studierenden aus. In Deutschland beträgt dieser Anteil neun, in Großbritannien achtzehn, in Neuseeland zwanzig Prozent.

Gängige Klagen

Was, wenn denn überhaupt etwas, fängt man nun mit diesen Zahlen an? Womöglich sind sie geeignet, einige gängige Klagen über das deutsche Hochschulsystem als "sozial ungerecht" zu relativieren. Studiengebühren werden hierzulande nicht erhoben, geschweige denn Preise für ein Studium aufgerufen, die testen, wie verschuldungsbereit die Eltern von Studenten sind. Das heißt nicht, dass in chinesischer, indischer und russischer Kaufkraft das Studium des Maschinenbaus in Aachen oder Darmstadt ein Schnäppchen ist. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint als attraktiv wahrgenommen zu werden. Mehr als achtzig Prozent der ausländischen Studierenden empfehlen Deutschland als Studienort ohne große Einschränkungen weiter, nur zwei Prozent würden es hinterher niemandem raten, hier zu studieren.

Der hiesige Arbeitskräfte- und Innovationsbedarf wiederum legt es nahe, vor allem die Fachhochschulen weiter zu stärken und über allen Exzellenz-Euphorien die Lehre in praktischen wie technischen Fächern nicht zu vergessen. Wer noch mehr ausländische Studierende anziehen will, weil es der Wissenschaft und dem Land gut tut, wird überdies an der Frage der Unterrichtssprache nicht vorbeikommen. Wobei die Studie auch hier auf die Komplexitäten des Lebens hinweist: Wird der Unterricht in dem erteilt, was man großzügig als "Englisch" bezeichnen kann, ist die Studienzufriedenheit im Durchschnitt größer. Erfolgt er auf Deutsch, kommt es hingegen zu weniger Problemen im Alltagsleben. Das wiederum muss aber kein Effekt des Studiums sein, sondern könnte auch auf sprachliche Fähigkeiten zurückgehen, die schon vorher bestanden.

Dass nur 145.000 deutsche Studierende ein Studium im Ausland ergreifen, ist ebenfalls doppeldeutig. Ist die Heimat so preiswert, sind ihre Hochschulen so gut, oder ist das Fernweh so schwach? Ein klassisches Argument für die Wahl fremder Studienorte war jedenfalls, sie ziehe die Studierenden aus dem heraus, was der Wissenschaft und Erkenntnis ohnehin nicht frommt: Gewohnheit, Selbstverständliches, Bekanntes.

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