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Blick in die Zukunft

Fernrohr, Aussicht, Perspektiven, Träume [Quelle: unsplash.com, Nathan Kozlowski]

Quelle: unsplash.com, Nathan Kozlowski

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Arbeitsmarkt für Akademiker.

Wie ist die Lage am Arbeitsmarkt für Absolventen?

Gut. Die Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen liegt seit Jahren unter drei Prozent. 2017 betrug sie im Schnitt 2,6 Prozent, während die allgemeine Arbeitslosigkeit 6,1 Prozent erreichte. Besonders gefragt sind nach Einschätzung des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit Ingenieure, Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler, Ärzte, Lehrer sowie Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Weil eine geburtenstarke Generation von Arbeitnehmern demnächst in Rente gehen wird, rechnet man bei der Bundesagentur mit einem erhöhten Ersatzbedarf, vor allem bei Maschinenbauern und Medizinern, aber auch bei Wirtschaftswissenschaftlern.

Aber die Konkurrenz wird größer, oder?

Anja Warning, 46, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit:

"Aufgrund der stark gestiegenen Zahl von Studierenden wird manchmal davor gewarnt, dass es für Akademiker auf dem Arbeitsmarkt bald schlechter aussehen wird. Ich sehe das nicht so. Es stimmt zwar, dass immer mehr Menschen mit Hochschulabschluss auf den Arbeitsmarkt kommen. Wir beobachten aber auch, dass die Zahl der Arbeitsplätze für Akademiker mitgewachsen ist. Außerdem ändert sich der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung. Man braucht zukünftig mehr komplexes technisches Wissen, und darüber verfügen eher Hochschulabsolventen. Derzeit zeigen die Zahlen, dass die Arbeitslosigkeit umso geringer ausfällt, je höher der Bildungsabschluss ist. Ich gehe davon aus, dass dieser Zusammenhang auch weiterhin bestehen bleibt. Wenn man studieren kann und will, dann sollte man es machen."

Wie verlässlich sind Arbeitsmarktprognosen?

Arbeitsmarktprognosen sind Vorhersagen – aber keine Garantien! Sie beruhen auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre und auf bestimmten Annahmen, zum Beispiel zur Bevölkerungsentwicklung, zur Konjunktur, zur Zuwanderung und zum technischen Fortschritt. Manche Einflüsse lassen sich besser voraussagen als andere. Außerdem können überraschende gesellschaftliche Entwicklungen auch Folgen für den Arbeitsmarkt haben. Zum Beispiel hat die Ankunft zahlreicher Flüchtlinge die Nachfrage nach Lehrern und Arbeitnehmern in sozialen Berufen steigen lassen. Für die Forscher schwer vorhersehbar sind auch konjunkturelle Einbrüche.

Hängt es vom Fach ab, wie viel ich später verdiene?

Artur Jagiello, 34, arbeitet beim Internetportal Gehalt.de:

"Das Studienfach hat zumindest einen großen Einfluss. Mit einem Abschluss in Germanistik verdient man anfangs durchschnittlich 30.000 Euro im Jahr. Chemiker, Mediziner, Juristen und Ingenieure kommen dagegen auf mehr als 50.000 Euro. So viel kann auch ein Trainee im Bankensektor erzielen. Neben der Fachrichtung beeinflussen aber viele weitere Faktoren das Gehalt. Die Region und die Branche zum Beispiel, außerdem der Bereich, in dem man beschäftigt ist, und die Größe des Unternehmens. Je größer es ist, desto mehr wird gezahlt. Wer in der freien Wirtschaft gleich am Anfang ein hohes Gehalt bekommen möchte, sollte sich ein Spezialgebiet suchen und bei einem großen, internationalen Unternehmen einsteigen, zum Beispiel in der IT-Sicherheit."

Sollte man unbedingt etwas Vernünftiges studieren?

Es gilt als vernünftig, ein Fach nach den Aussichten am Arbeitsmarkt zu wählen. Diese Herangehensweise greift allerdings zu kurz. Denn wer etwas studiert, das ihn kaltlässt, bricht das Studium eher ab als jemand, der sein Fach liebt. Außerdem gerät er in größere Schwierigkeiten, wenn die Arbeitsmarktlage beim Studienabschluss schlechter ist als einst vorhergesagt. Durststrecken beim Berufseinstieg durchzuhalten fällt nämlich denen leichter, die sich mit ihrem Fach identifizieren. Hinzu kommt, dass man viele Jahre in seinem Beruf arbeiten wird. Wenn man aber nicht mag, was man täglich tut, führt das auch bei gutem Gehalt schnell zu Frustration. Vernünftig ist eine solche Wahl also gerade nicht.

Also besser nur nach fachlichem Interesse gehen?

Der Aufruf zu einer Vernunftentscheidung ist weitverbreitet, die gegenteilige Empfehlung hört man aber mindestens genauso oft. Sie lautet, man solle in jedem Fall sein Lieblingsfach studieren und dem Arbeitsmarkt keine Beachtung schenken. Dahinter steht die Idee, dass Menschen besonders engagiert und zu starken Leistungen fähig sind, wenn sie etwas richtig gerne tun. Dann, so die Annahme, werden sie auch irgendwie Wege finden, einen interessanten Job zu bekommen. In diesem Ratschlag steckt zwar ein wahrer Kern, doch er birgt auch eine Gefahr. Er verleitet dazu, die Anstrengungen beim Berufseinstieg zu unter- und die Aussichten auf den Traumjob zu überschätzen. Den gibt es auch bei noch so großer fachlicher Begeisterung und Leistung nicht für jeden.

Am besten macht man aus der Studienwahl keine Entweder-oder-Entscheidung, bei der man nur auf den Arbeitsmarkt oder ausschließlich auf fachliche Interessen blickt. Stattdessen sollte man beides zusammen betrachten. Zum Beispiel indem man bei Fächern mit ungünstigeren Prognosen den Berufseinstieg schon während des Studiums besonders gründlich vorbereitet: Praktika macht, klare Schwerpunkte bei der Kurswahl setzt, persönliche Netzwerke aufbaut. Oder indem man nach gut bezahlten Berufen sucht, die zu den eigenen Interessen passen, an die man aber nicht auf Anhieb denkt. Wer "etwas mit Menschen" machen will, kann das zum Beispiel auch als Ingenieur tun. Diese arbeiten oft in internationalen Projektteams und müssen über Grenzen hinweg geschickt kommunizieren. Vielleicht findet man ja ein Fach, das Spaß macht und Geld bringt.

Wie sind die Aussichten für Lehrer?

Dirk Richter, 37, ist Professor für Bildungsforschung an der Universität Potsdam:

"Gut. Fast überall werden Lehrer gebraucht. Besonders Grundschulen suchen teilweise verzweifelt Lehrkräfte. Es gibt allerdings unterschiedliche Prognosen dazu, wie sich der Bedarf entwickeln wird, weil man nie sicher weiß, wie viele Schüler es in Zukunft geben wird. Eine Studie der Kultusministerkonferenz zum Beispiel kommt zu dem Schluss, dass es in Westdeutschland bis 2025 zu viele Lehrer geben wird, während im Osten Deutschlands Lehrer fehlen werden. Eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung geht hingegen davon aus, dass bis 2030 im ganzen Land Lehrer fehlen werden. Aktuell suchen Schulen vor allem Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften, Englisch und Musik.

Weil in manchen Fächern Lehrermangel herrscht, kann es passieren, dass man als Lehrer auch mal in einem anderen Unterrichtsfach eingesetzt wird als in dem, das man studiert hat. Die Situation führt außerdem dazu, dass Absolventen gefragter Fächer, die nicht auf Lehramt studiert haben, gute Chancen haben, über einen Quereinstieg Lehrer zu werden.

Die berufliche Sicherheit sollte allerdings nicht der wichtigste Grund sein, um Lehrer zu werden. Man sollte gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollen und seine Fächer lieben. Wer gut für den Alltag im Klassenzimmer gewappnet sein will, sollte schon im Studium viele Praktika machen und sich insbesondere damit auseinandersetzen, was Digitalisierung und Inklusion für den Lehrerberuf bedeuten."

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