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Feilschen bei Mangosaft und Tee

Blick über Tunis, Tunesien

Blick über Tunis, Tunesien

Tunis wirkt gar nicht afrikanisch – das war mein erster Eindruck von Tunesien. Ich hatte mir alles extremer, schmutziger, ärmer vorgestellt. Die Hauptstadt Tunis hat jedoch eine richtige Prachtstraße. Für mich wirkte es eher wie irgendeine griechische oder italienische Stadt. Ich hatte kaum angefangen, mein Französisch zu sortieren, da wollte jeder mir Arabisch beibringen. Die Tunesier haben sich über meine paar Brocken auch immer sehr gefreut. Aber da sie in der Schule alle Französisch lernen, sprechen sie das auch mehr oder weniger.

Ex-Kolonie mit absolutem Herrscher

Die frühere französische Kolonie wurde 1956 unabhängig. Der amtierende Präsident Ben Ali kam am 7.11.1987 an die Macht. Daher gibt es in jedem Ort einen "Place du 7 Novembre" (Platz des 7. November). Aber auch auf fast jedem anderen Platz lässt sich eine "7" entdecken. Am 2.11.2004 wurde er mit 95 Prozent der Stimmen wieder gewählt, von einem Gegenkandidaten habe ich nie etwas gehört. Es gab sie aber.

Reden ist Gold

Das Land ist sehr abwechslungsreich: grüne Wälder im Norden, 500 Kilometer weiter südlich Wüste. Es gibt viele antike Stätten zu sehen, acht davon gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Die Leute sind meist sehr freundlich, es gibt nur einige nervige Touristenabzocker. Passt man sich mit seinem Äußeren etwas an das arabische Land an, wird das besser. Das gilt vor allem bei der Kleidung für Frauen.
"In Tunisia it's all about communication", beschrieb ein kanadischer AIESEC-Praktikant treffend die Situation. In Deutschland sagen wir: "Hallo, wie geht's?". In Tunesien dagegen fragt man nach dem Befinden des Gesprächspartners, nach der Arbeit und der Familie, allerdings nie nach der Frau. Gesprochen wird auf Arabisch und Französisch. Das hört sich dann so an: "Aslema, ça va? Ça va le travail? La famille?...". Der Smalltalk kann sich fast beliebig lange ausdehnen. Er ist ein Zeichen des Respekts und extrem wichtig, um akzeptiert zu werden.
Leider musste ich sehr schnell erfahren, dass die Nachbarn gemischte WGs in einigen Vierteln nicht akzeptieren, während dies in anderen kein Problem darstellt.

"In" im Supermarkt

Ich kaufte meist in den zahlreichen Tante-Emma-Läden ein. War mir der Laden sympathisch, das heißt, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich das Wechselgeld sehr sorgfältig nachzählen muss, ging ich wieder hin. Und war damit Stammkunde. So hatte ich schnell meine Stammläden für Handykarten, Lebensmittel, Eis, Pizza und Sandwiches. Daneben gibt es aber noch normale Supermärkte und einen Carrefour für ganz Tunesien: Dieser Hypermarkt ist eine Attraktion. Hier treffen sich alle, die modern und "in" sind.
Mit Ausnahme von Lebensmitteln ist in kleineren Läden immer Handeln angesagt. Je weniger man als Tourist wahrgenommen wird, desto besser sind die Preise. Hier ist jedes arabische Wort bares Geld wert, viel Zeit ist aber auch nötig. Für etwas Schmuck haben wir einmal zu viert eine Stunde in einem Laden zugebracht und dabei Tee und Mangosaft bekommen.

Konzerte im Kolosseum

In Tunis gibt es zwei Diskos, Cocktailbars suchte ich vergeblich. Muslime trinken keinen Alkohol. Dafür gibt es in Tunis unzählige Kinos und Theater, die zwei Jahre alte Filme zeigen, die fast immer auf Französisch laufen. Mit Taxis oder chronisch überfüllten Bussen und Straßenbahnen kam ich überall problemlos hin. Daneben gibt es unzählige Festivals, die für europäische Verhältnisse sehr preiswert sind. Ich war oft im Open-Air-Kino in Karthago bei Konzerten. Einmal auch im drittgrößten römischen Kolosseum in El Jem, wo eine tolle Atmosphäre herrscht.

Schwätzchen bei der Kontrolle

Ich war viel im Mietwagen unterwegs, die Straßen sind sehr gut ausgebaut und beschildert. Und alles ist so gebaut, dass man eigentlich immer nur geradeaus fahren muss. Beobachtet man den Verkehr, bekommt man schnell heraus, wie es läuft. Die Tunesier fahren sehr chaotisch, das ist auch der Grund für viele Staus, aber nicht wirklich aggressiv. So ist auch das Fahren ohne Verkehrsregeln angenehm. Erspäht man aber auf dem Land einen der vielen Polizisten am Straßenrand, dann sollte man ganz brav fahren. Ich wurde einmal auf ein Stoppschild hingewiesen, das ich langsam überfahren hatte. Ich nahm mir auch gerne die Zeit, bei den häufigen Kontrollen ein Schwätzchen zu halten. Ein beliebtes Thema ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Lustigerweise erübrigt sich die Kontrolle dann häufig. Auf dem Weg zu einem kleinen Dorf an der algerischen Grenze wurden wir von der Armee angehalten. Wir stiegen brav aus, schüttelten Hände und wurden darauf hingewiesen, dass sich der Weg nicht lohne. Uns wurde nahe gelegt, umzukehren und wir wurden noch ein Stück begleitet.

Von Tunis nach Djerba für zwölf Euro

Mit dem Auto ist man zwar flexibel, beim Bahnfahren habe ich aber viel mehr Leute kennen gelernt. Man kommt in alle großen Städte, für zirka zwölf Euro kam ich von Tunis nach Djerba. Außerdem gibt es noch Busse und Louages, das sind Sammeltaxen, die im Prinzip auch wie Busse funktionieren.
Übernachtet habe ich meist für fünf Euro, aber dafür kann man natürlich auch nichts erwarten, schon gar keine Klimaanlage. Ein hoffentlich sauberes Bett ist dann alles. Deutschen Standard zu finden ist außerhalb der Touristenorte schwierig. Auch diese Orte sind aber noch relativ günstig.

Problem Arbeitslosigkeit

Dieses vielseitige Land war ein aufregendes Erlebnis. Jedoch habe ich als Deutscher mit Geld auch eher die angenehmen Seiten gesehen. Tunesien mag zwar eines der modernsten arabischen Länder mit fast europäischen Städten sein. Es gibt jedoch ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land. Die wahre Arbeitslosigkeit liegt wohl um die 30 Prozent. Viele Jugendliche mit Uniabschluss arbeiten zunächst unbezahlt, in der Hoffnung, später einen richtigen Job zu bekommen. Und für einen Polizisten mit 200 Euro Monatsverdienst sind die meisten der von mir so gelobten Kulturangebote schlicht unerschwinglich. So ist es kein Wunder, dass die Deutschkurse des Goethe-Instituts immer gut besucht sind und man vor den Botschaften der EU-Staaten lange Schlangen findet.

Weitere Infos im Netz

Die Deutsch-Tunesische Industrie- und Handelskammer. www.ahktunis.org
Mit AIESEC kommt ihr hauptsächlich in tunesische Firmen. www.aiesec.de

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