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Penn, ein Geheimtipp im Efeu

Campus der University of Pennsylvania

Campus der University of Pennsylvania

Die Bürotür von Laura steht eigentlich immer offen, trotz ihres vollen Terminkalenders. Wenn ich mal ein Anliegen oder eine Frage habe, werde ich nett mit "Hi, Thomas, good to see you! How are you doing?" begrüßt. Die Frage wird gleich geklärt. "Busy" sind hier alle, doch irgendwo findet jeder etwas Zeit. In meiner bisherigen Unilaufbahn in Deutschland baute ich so ein warmes und unkompliziertes Verhältnis erst einmal mühevoll auf und bildete mir mächtig was darauf ein. An der University of Pennsylvania sind diese Umgangsformen normal. Auch zwischen Laura, einer Professorin an der Wharton Business School, und mir, einem deutschen Soziologiestudenten von der FU Berlin. Ich hatte das Glück, hier von Mitte 2001 bis Mitte 2002 studieren und forschen zu dürfen.

Geschichte in jeder Pore
Die ehrwürdigen Mauern und die in Geschichtsbüchern dokumentierte lange akademische Tradition der Uni stehen in einem angenehmen Kontrast zum bunten und quirligen Leben des Unialltags. Die Uni wurde um 1750 gegründet und zählt zu den Top Adressen im akademischen Betrieb der USA. In Deutschland so gut wie unbekannt und in den USA auch gerne mit ihrer größeren staatlichen Schwester, der Penn State University, verwechselt. Dennoch zählt Penn Harvard, Princeton und Yale zu ihren "peers". Mit diesen Unis spielt sie nicht nur gemeinsam in einer Footballliga, der Ivy League. Es finden sich hier auch ähnliche Lern- und Forschungsbedingungen.

Mit Badeschlappen durch den multikulturellen Efeu
Trotz dieses Selbstbilds und des hohen Anspruchs erstarrt die Uni nicht in Elitismus und Ritualen. Es weht ein frischer Wind durch die alten Gemäuer. Im Sommer schlappen "undergrads" in Badelatschen und kurzen Hosen über den Campus. Musik tönt hier und da aus zahlreichen "Fraternities" von denen sich einige auf dem Campus befinden. Überhaupt herrscht eine lockere Atomsphäre unter den etwa 10.000 "undergrads" und den 9.000 "Graduate" und "professional students". Zu diesem Bild trägt auch der hohe Anteil von internationalen Studenten bei. Mit um die 10% gehört er zu einem der höchsten in der Ivy League. Auch viele Studenten mit amerikanischem Pass kommen aus Minoritätsfamilien, und so wirkt das Campusleben noch viel internationaler als es die Zahlen vermuten lassen. Die Multikulturalität findet sich auch im Essen wieder. Zahlreiche Foodtrucks rund um den Campus sorgen dafür, dass die Studenten schnell an bezahlbares Essen kommen: das Prinzip eines Hähnchenstands übersetzt auf mexikanisch, chinesisch, japanisch, griechisch.... Im Sommer genießen die Studierenden das Mahl dann gemütlich auf einer der vielen Rasenflächen des Campus.
 

Als Austauschstudent an der Penn
 Bei allen Annehmlichkeiten arbeiten die Studierenden hier auch hart. Für manche meiner Seminare musste ich ein Buch pro Woche bearbeiten und einen kurzen Essay darüber verfassen. Studieren ist auf jeden Fall ein "full-time job" und lässt nicht viel Zeit für Anderes, besonders in den "graduate" Programmen. Dafür kommen die Studierenden mit vielen interessanten Kommilitonen und Professoren zusammen. Zusätzlich werden sie von der Uni in allen möglichen anderen Bereichen tatkräftig unterstützt. Die Wege hier sind kurz - sei es geographisch auf dem kompakten Unicampus oder auch zum Beispiel bei der Literaturrecherche. Ein großer Pool an Online-Datenbanken, sehr gute Bücherausstattung und hilfsbereite Bibliothekare machen das Leben leicht. Die Uni hat ein eigenes Büro, dass uns Austauschstudenten mit Ansprechpartnern unterstützt und Veranstaltungen organisiert. Am Anfang des Jahres bot die Uni zum Beispiel Tagesausflüge nach New York und Washington an, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen.
 

Es geht auch fachfremd
 Generell steht einem, in Absprache mit dem Heimatfachbereich, die gesamte Uni offen. Ich habe in anderen Fachbereichen Seminare belegt und kann es sehr empfehlen, sich auch fachfremd umzuschauen. Die wissenschaftlichen Gebiete sind hier oft anders aufgeteilt und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. So gibt es für mich als Soziologen auch in den Bereichen Anthropologie, Kommunikationswissenschaften oder Geschichte interessante Seminare. Es ist möglich, ein "independent study" mit seinem Lieblingsprofessor zu machen. Dabei stellt der Studierende einen individuellen Arbeitsplan mit seinem Professor zusammen. In regelmäßigen Abständen triffen sich beide und besprechen Fragen und Probleme, die beim Bearbeiten des Themas auftauchen. Interesse und Initiative haben mir dort viele Türen geöffnet. Das Ansprechen von Professoren machte es mir möglich, neben meinen soziologischen Veranstaltungen auch an Ph.D. Seminaren an der Wharton Business School teilzunehmen. Daraus hat sich dann die Mitarbeit an einem von Laura geleiteten Forschungsprojekt über die Telekomunikationsindustrie ergeben. Wenn man erst mal im System drin ist, kann alles sehr schnell und unbürokratisch gehen.
 

Leben in den USA - kein Schnäppchen
 Die USA zählen sicherlich zu den teueren Ländern für ein Auslandsstudium. Dabei hängt es stark davon ab, in welcher Region jemand studiert. An der Ostküste geht New York in Sachen Lebenshaltungskosten am meisten ins Geld. Im Vergleich dazu ist Philly bezahlbar. Ich als preislich verwöhnter Berlinstudent habe allerdings dennoch einen Preisschock erlitten. Für ein Zimmer in einer WG in guter Lage musste ich $550 pro Monat hinlegen, und die Lebensmittel kamen mir im Schnitt auch gut doppelt so teuer vor wie in Berlin. Ausgiebiges Feiern und Weggehen war dementsprechend sehr teuer. Ohne ein großzügiges Stipendium durch die FU Berlin, das Studiengebüren und Lebenshaltungskosten abgedeckt hat, hätte ich mir den Aufenthalt nicht leisten können. Mit Lebenshaltungskosten von $1.200 im Monat sollte man schon rechnen. Die Studiengebühren bewegen sich um $30.000 pro Semester. Wenn man das alles aus eigenen Mitteln bezahlen muss, ist die finanzielle Schmerzgrenze schnell erreicht.
 

Philadelphia, the city that loves you back
 Neben der Uni hat mich auch Philadelphia in ihren Bann gezogen - "the city of brotherly love". Trotz seiner 1,6 Mio. Einwohner, mit denen sie zu den fünf größten Städten in den USA zählt, ist die Stadt überschaubar geblieben. Ich habe mir gleich nach meiner Ankunft ein Fahrrad gekauft und bin das ganze Jahr damit gut rumgekommen. Neben der ansehnlichen Skyline im City Center existieren auch noch viele alte Backsteinhäuer aus den ersten Stunden Amerikas. Die Uni liegt im Westteil der Stadt und hat sich trotz der Stadtnähe ein gewisses Maß an Campusgefühl erhalten. Auch in Sachen Museen, Theater und Kneipen hat Philly einiges zu bieten. Das Hauptkulturgut ist aber natürlich der Sport: die 96ers, Flyers und die Eagles. Der einzige große Nachteil an Philly ist das Wetter. Im Sommer wird es schwül-heiß und im Winter kann es auch mal zu Schneestürmen kommen, die die Stadt lahm legen. Dafür wird man mit einem farbenprächtigen Herbst und Frühling belohnt. Insgesamt hatte ich ein vielfältiges und spannendes Jahr an der Penn in Philadelphia.

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